Niedersachsen-Derby Jugend forsch im Abstiegskampf: Hannover 96 atmet durch

Von dpa

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Die Spieler von Hannover 96 lassen sich nach dem Sieg gegen Wolfsburg von den Fans feiern. Foto: Swen PförtnerDie Spieler von Hannover 96 lassen sich nach dem Sieg gegen Wolfsburg von den Fans feiern. Foto: Swen Pförtner

Hannover. Der Derbysieg gegen den VfL Wolfsburg wirkte für Hannover 96 wie „ein Befreiungsschlag“. Der Tabellen-16. hat jetzt sportlich wieder etwas mehr Ruhe und die internen Querelen zumindest für einen Abend vergessen. Der Verein wählt dafür einen ungewöhnlichen Weg.

Das große „Kind muss weg“-Plakat hing nach dem Abpfiff immer noch im Stadion. Und auch auf der Anzeigetafel war zu lesen: Hannover 96 ist weiterhin Drittletzter der Fußball-Bundesliga.

Und trotzdem hat es die Mannschaft von André Breitenreiter geschafft, zumindest für einen Abend alles beiseite zu schieben, was sich in diesem Verein an internen Querelen und Ängsten vor dem sportlichen Absturz aufgetürmt hatte. „Natürlich ist das erst einmal ein Befreiungsschlag“, sagte 96-Trainer nach dem glücklichen 2:1 (1:0)-Derbysieg gegen den niedersächsischen Nachbarn VfL Wolfsburg. „Das tut gut. Das haben die Jungs sich verdient.“

Klar ist auch: Der Abstiegskampf wird für Hannover weitergehen. Und die Auseinandersetzungen zwischen Clubchef Martin Kind und der Oppositionsgruppe „Pro Verein 1896“ steuern womöglich auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung noch in diesem Jahr zu. Aber wie schon beim wichtigen 3:1 gegen den VfB Stuttgart einen Monat zuvor hat die Mannschaft auch gegen Wolfsburg gezeigt, dass sie mit dem sportlichen Druck und der vereinsinternen Unruhe umgehen kann.

„Wir haben diesen Sieg gebraucht“, sagte der starke Mittelfeldspieler Ihlas Bebou. „Wir haben uns sehr gut gewehrt gegen die Situation.“

Der 24 Jahre alte Bebou und der 19 Jahre alte Linton Maina waren die Gesichter dieses Erfolgs. Das 1:0 durch einen Volleyschuss von Maina bereitete Bebou in der 31. Minute vor. Das 2:0 erzielte er per Foulelfmeter selbst (62.). Der Wolfsburger Anschlusstreffer durch Wout Weghorst (82./Foulelfmeter) fiel erst in den Schlussminuten.

Es war auch bereits kurz vor Mitternacht, als Maina und Bebou gemeinsam das Stadion verließen. Vorher waren die beiden hochveranlagten Offensivspieler noch von Kamera zu Kamera und Interview zu Interview geleitet worden.

„Es gibt nichts Schöneres als die drei Punkte hierzubehalten und dann noch so ein Tor zu machen“, sagte Maina. Sechs Wochen war das Toptalent zuvor verletzt gewesen. Bei seinem Comeback gelang ihm am Freitagabend im siebten Bundesliga-Spiel das erste Bundesliga-Tor.

Die Beispiele Maina und Bebou zeigen: Hannover geht im Abstiegskampf einen eher ungewöhnlichen Weg und setzt auf junge Spieler. Mit Waldemar Anton hat der Verein auch noch den jüngsten Kapitän der Bundesliga (22). Mit Noah Sarenren Bazee (22) kehrte gegen Wolfsburg ein weiterer Hoffnungsträger nach langer Verletzungspause zurück.

Zu diesem Weg wird Breitenreiter teilweise gezwungen, weil wichtige Leistungsträger wie Niclas Füllkrug oder Pirmin Schwegler gerade verletzt sind und weil namhafte Neuzugänge wie Kevin Wimmer und Genki Haraguchi bislang enttäuscht haben. Der Trainer folgt diesem Weg aber auch aus Überzeugung. „Die Jungs haben diesen Mut und diese Unbekümmertheit, die uns hilft“, sagte er. „Das muss der Weg von Hannover 96 sein: Spieler zu entdecken und Spieler besser zu machen. Sie müssen Lust auf 96 haben und sich weiterentwickeln wollen.“

Das gilt vor allem für Bebou. Sein früherer Trainer Friedhelm Funkel von Fortuna Düsseldorf sagte der „Bild“-Zeitung über den Nationalspieler Togos: „Irgendwann wird es so sein wie bei uns: Dann wird er zu einem Verein wechseln, der weiter ist als Hannover. Irgendwann wird er bei einem Spitzenverein in Deutschland oder England spielen.“ Aber selbst das ist auf dem Weg von Hannover 96 so gewollt. Denn dann dürfte der Verein richtig viel Geld verdienen.


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