zuletzt aktualisiert vor

Trotz 6:2-Sieg Völler poltert: Herrlich-Diskussionen „eine Sauerei“

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bremen. Was für ein Spektakel zum Abschluss des neunten Spieltags in der Fußball-Bundesliga! Bayer Leverkusen gelingt mit dem 6:2 in Bremen ein Schritt aus der Krise. Dass trotzdem weiter über den Trainer diskutiert wird, gefällt Rudi Völler überhaupt nicht.

Eigentlich wollte Rudi Völler den Kantersieg an seiner alten Wirkungsstätte in Ruhe genießen. Doch dann sah sich der Sportdirektor von Bayer Leverkusen doch zu einer seiner berühmten Wutreden gezwungen.

„Das war eine Sauerei. Unglaublich“, schimpfte Völler nachdem er gehört hatte, dass im Pay-TV-Sender Sky trotz des 6:2 (3:0)-Sieges bei Werder Bremen über die Zukunft von Trainer Heiko Herrlich spekuliert wurde. „Die haben dich vorgeführt“, sagte Völler im Kabinengang des Bremer Weserstadions zu Herrlich nach dessen Interview im Bezahlsender.

Dabei hatte Leverkusen mit Konterfußball der Extraklasse ausgerechnet bei den so heimstarken Bremern die sportliche Talfahrt gestoppt und Herrlich etwas aus der Schusslinie genommen. „Definitiv nicht“, sagte Völler auf die Frage, ob an diesem Abend noch jemand entlassen werde. „Lasst uns alle mal wieder ein bisschen auf den Boden kommen“, mahnte Völler, ehe er davon rauschte.

Die Rheinländer fügten Bremen die erste Heimniederlage seit der Amtsübernahme von Trainer Florian Kohfeldt Ende Oktober 2017 zu. Seitdem war Bremen in der Fußball-Bundesliga in 16 Spielen vor eigenem Publikum ungeschlagen geblieben. „Von mir aus hätte die Serie gerne noch weitergehen können. Aber das wird uns nicht umwerfen“, sagte Kohfeldt.

Sein Trainerkollege sah sich trotz des ersten Dreiers nach zuvor drei sieglosen Spielen und des schlechtesten Saisonstarts seit Einführung der Drei-Punkte-Regel weiter Diskussionen um seine Person ausgesetzt. „Ob das meine Position gefestigt hat? Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, sagte Herrlich bei Sky auf die Frage nach seiner Zukunft als Bayer-Coach. „Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich in der Kritik stehe.“ Zur Situation seines Teams sagte er: „Ich hoffe, dass das Spiel heute Kräfte freisetzt und die Mannschaft den neuen Schwung für die nächsten Spiele mitnimmt.“

Vor 40.400 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion erzielten Kevin Volland (8. Minute), Julian Brandt (38.), Karim Bellarabi (45.), Kai Havertz mit einem Doppelpack (67./77.) und Aleksandar Dragovic (72.) die Treffer für die Gäste. Claudio Pizarro (60.) und Yuya Osako (62.) ließen die Gastgeber zwischenzeitlich wieder hoffen.

Kohfeldt hatte sein Team kurzfristig umbauen müssen, weil Abwehrchef Niklas Moisander wegen muskulärer Probleme passen musste. Da in dem verletzten Philipp Bargfede ein weiterer Stabilisator vor der Abwehr fehlte, wirkte die Defensive der Gastgeber ungewohnt wackelig. „Wir haben heute einen wichtigen Aspekt des Fußballs komplett vergessen, das war die Konterabsicherung“, monierte der Werder-Coach.

Nach dem Seitenwechsel brachte Kohfeldt in Publikumsliebling Pizarro einen weiteren Offensivspieler. Und die Einwechslung des 40 Jahre alten Routiniers zahlte sich aus. Nachdem die Bremer zunächst noch eine Schrecksekunde in Form eines Pfostenschusses von Bellarabi zu überstehen hatten (51.), sorgte Pizarro mit seinem ersten Treffer für Werder seit dem 10. März 2017 für das 1:3. Auch damals hatte der Peruaner gegen Leverkusen getroffen. Er ist nur der zweitälteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte.

Als Osako den Anschlusstreffer erzielte, bebte das Weserstadion wie in besten Zeiten. Die Partie drohte nun zu kippen - doch dann schlug Super-Talent Havertz eiskalt zu und beendete mit dem 4:2 den Bremer Schwung.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN