Titelkämpfe in Budapest Rekord-Ringer Stäbler am Ziel - IOC-Chef: „Unmenschlich“

Von dpa

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Goldmedaillengewinner Frank Stäbler beißt bei der Siegerehrung in seine Medaille. Foto: Szilard Koszticsak/MTI/APGoldmedaillengewinner Frank Stäbler beißt bei der Siegerehrung in seine Medaille. Foto: Szilard Koszticsak/MTI/AP

Budapest. Zunächst mit Sonnenbrille und Deutschland-Fahne, dann bei Bier und Sekt feierte Ringer-Star Frank Stäbler seinen dritten WM-Titel. Einer der ersten Gratulanten war Thomas Bach. Der IOC-Chef wies den Ausnahme- und Rekord-Kämpfer dabei auf ein noch offenes Ziel hin.

Nach Frank Stäblers WM-Coup für die Geschichtsbücher waren die Glückwünsche von allerhöchster Stelle nur angemessen. IOC-Präsident Thomas Bach ließ es sich nicht nehmen, dem deutschen Rekord-Ringer persönlich in Budapest zum WM-Hattrick zu gratulieren.

Bach habe ihm eine „unmenschliche Leistung“ attestiert, berichtete Stäbler nach dem Treffen und ergänzte: „Für eine vollkommene Karriere hat er mir jetzt noch erfolgreiche Olympische Spiele 2020 gewünscht.“

So weit wollte der beste deutsche Mattenkämpfer nach seinem Coup nicht vorausblicken - zu groß waren Freude, Genugtuung und Erleichterung über den historischen Moment. „Heute reißen wir Budapest ab“, kündigte der Schwabe dann noch ganz euphorisch an.

Mit einem beeindruckenden Finalsieg in der Kategorie bis 72 Kilogramm hatte sich der Griechisch-Römisch-Athlet nicht nur seinen dritten WM-Gürtel in Serie nach 2015 und 2017 gesichert. Er ist der erste Ringer überhaupt, der in drei Gewichtsklassen Weltmeister wurde; 2015 hatte er bis 66 Kilogramm triumphiert, im Vorjahr bis 71 Kilogramm. „Unfassbar“, meinte Sportdirektor Jannis Zamanduridis vom Deutschen Ringer-Bund. „Der Franky ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmeathlet.“

Der 29-Jährige kämpfte seinen Finalgegner Balint Korpasi aus Ungarn mit 2:1 nieder und ließ sich mit Sonnenbrille und Deutschland-Fahne noch auf der Matte von den Fans feiern. Die Brille hatte sein Coach 2016 in Rio als offizielle Olympia-Ausstattung bekommen, wollte sie seinem Schützling aber erst dann schenken, wenn dieser in Budapest den Hattrick vollendet. „Was Frank Stäbler geleistet hat, ist mit Worten nicht zu beschreiben“, resümierte Bundestrainer Michael Carl.

Der Vorzeige-Ringer hatte allen Widerständen getrotzt: Da war der Streit um die Trainingshalle in seinem Heimatort Musberg und der zwischenzeitliche Zwangs-Umzug in den mit Ringer-Matten ausgelegten Kuhstall seiner Eltern. Da war eine zunächst als Herzinfarkt fehldiagnostizierte Rippenverletzung, die ihn im Sommer bremste. Da waren Fuß- und Handgelenksblessuren während der WM. Da war eine extrem schwere Auslosung, die ihn im Gegensatz zu Korpasi die härtesten Kontrahenten auf dem Weg in das Finale einbrockte.

Und dann war da eine umstrittene Schiedsrichter-Entscheidung, die Stäbler vor rund 8000 Fans in Rückstand brachte. Aber in der letzten Minute drehte er wie schon in den Runden zuvor das Match. „Egal, wie falsch die Dinge laufen, mit Herz kann man so viel wieder gutmachen“, sagte der Familienvater, der danach am Abend im Hotel seine halbjährige Tochter Alia Marie und Frau Sandra in den Arm nahm. Später stieß er mit Freunden und Familie bei Sekt und ein paar Bier auf Gold an.

Mit drei WM-Titeln zog Stäbler in der deutschen Bestenliste mit Rekordathlet Maik Bullmann gleich, der zudem noch Olympiagold 1992 holte. Eine Medaille bei Sommerspielen fehlt Stäbler in seiner Vita, darauf wird sich sein Fokus nun richten. Weil 72 Kilogramm aber keine olympische Gewichtsklasse mehr ist, wird sich Stäbler in Tokio auf 67 Kilogramm runterhungern müssen. Verglichen mit den Aufgaben vor und bei der WM in Budapest scheint das eine leichtere Aufgabe zu sein.


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