Umstrittener Rücktritt Özil-Löw-Eiszeit hält an - Erdogan: „nicht grundlos“

Von dpa

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Verstehen sich: Mesut Özil (l) und Recep Tayyip Erdogan. Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/APVerstehen sich: Mesut Özil (l) und Recep Tayyip Erdogan. Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP

Berlin. Kurz vor der EM-Vergabe und dem umstrittenen Staatsbesuch von Recep Tayyip Erdogan kocht das Thema Mesut Özil wieder hoch. Bundestrainer Löw bemüht sich weiter erfolglos um einen Kontakt, der türkische Präsident nutzt erneut den prominenten Namen für seine Interessen.

Joachim Löw würde gern einen Schlussstrich ziehen in der Endlos-Debatte um Mesut Özil. Doch der Bundestrainer muss wie Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und der gesamte DFB weiter mit Verwirrungen und Vorwürfen um den zurückgetretenen Ex-Weltmeister leben.

„Wir hätten uns gerne mit Mesut unterhalten. Aber wir müssen akzeptieren, dass er momentan das Gespräch mit uns nicht haben will“, sagte Bierhoff der „Bild“-Zeitung.

Nach Angaben des Blattes war zu Wochenbeginn ein persönliches Treffen mit Özil auf dem Vereinsgelände des FC Arsenal am Londoner Stadtrand nicht zustande gekommen. Özil-Berater Erkut Sögüt wollte sich dazu nicht äußern. Eine offizielle Bestätigung vom DFB gab es nicht.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der als junger Kicker den Spitznamen „Imam Beckenbauer“ trug, nutzte vor der brisanten EM-Vergabe am Donnerstag in Nyon und seinem umstrittenen Staatsbesuch in Deutschland das Thema Özil nochmals in seinem Sinne. „Er hat die deutsche Nationalmannschaft nicht grundlos verlassen. Jeder andere, der mit diesen rassistischen Attacken und Beleidigungen zu kämpfen hätte, würde dieselbe Reaktion zeigen“, sagte Erdogan der Funke Mediengruppe. „Mesut Özils Aussage "Deutscher, wenn ich gewinne, aber Immigrant, wenn ich verliere", fasst die Diskriminierung von Spielern in Deutschland sehr gut zusammen“, erklärte Erdogan.

Özil war nach dem historischen WM-Aus in Russland nach 92 Spielen aus dem Nationalteam zurückgetreten. Der 29-Jährige, lange Jahre ein Lieblingsspieler des Bundestrainers, fühlte sich vom Deutschen Fußball-Bund und speziell von DFB-Präsident Reinhard Grindel in der Affäre um die umstrittenen Fotos mit Erdogan alleingelassen. Özil und Auswahlkollege Ilkay Gündogan hatten sich vor der WM in England mit dem türkischen Staatspräsidenten getroffen und ablichten lassen.

Özil hatte in einer dreiteiligen Social-Media-Botschaft im Juli den Vorwurf geäußert, vom DFB und speziell von Grindel nicht vor rassistischen Anfeindungen geschützt worden zu sein. Grindel hatte zuletzt eingeräumt: „Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe an der einen oder anderen Stelle deutlicher positionieren und vor Mesut Özil stellen müssen. Da hätte ich klare Worte finden sollen.“

In der Debatte um Özils Rücktritt war dessen Aussage oft fehl interpretiert worden, dass der Mittelfeldstar gar dem Nationalteam Rassismus vorwerfe. Auch Löw verwahrte sich dagegen: „Bei uns in der Mannschaft gab es nie eine Form von Rassismus. Unsere Spieler waren alle hervorragend integriert.“

Löw sieht sein jahrelanges Vertrauen in Özil offenbar missbraucht. Auch deshalb suchte er nochmals das persönliche Gespräch mit dem türkischstämmigen Profi, nachdem telefonische Kontakte mehrmals gescheitert waren. Laut „Bild“ soll Arsenal-Chefcoach Unai Emery verboten haben, dass Löw und Bierhoff beim Regenerationstraining am Montag zusehen.

Erdogan nutzte kurz vor der Vergabe der EM 2024 an Deutschland oder die Türkei wie schon in seinem persönlichen Wahlkampf die Strahlkraft des Ausnahme-Fußballers Özil nochmals für seine Interessen. Er sei Özil, der in Gelsenkirchen geboren wurde und türkische Eltern hat, schon „bei verschiedenen Gelegenheiten begegnet“, berichtete der türkische Präsident: „Mesut ist jemand, der in London lebt. Warum soll ich ihn nicht treffen, wenn ich schon da bin?“, ergänzte Erdogan und fragte: „Sollten wir, wenn ein deutscher Fußballspieler, der in unserem Land spielt, ein Foto mit Frau Merkel macht, ihn dann lynchen? Diese Logik ist nicht nachzuvollziehen.“


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