Seit einem Jahr im Amt Basketball-Bundestrainer Rödl: „Ich bin den Spielern sehr dankbar“

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Zufrieden mit seinem Job: Basketball-Bundestrainer beim Interview im Teamhotel der Nationalmannschaft in Steinfeld. Foto: Philipp HülsmannZufrieden mit seinem Job: Basketball-Bundestrainer beim Interview im Teamhotel der Nationalmannschaft in Steinfeld. Foto: Philipp Hülsmann

Steinfeld. Am 18. September ist Henrik Rödl seit einem Jahr im Amt als Basketball-Bundestrainer. Im Interview spricht der 49-Jährige über seine aufstrebende Mannschaft, die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr und die besondere Beziehung zu seinem Vorgänger.

Herr Rödl, wann steht die nächste Reise in die USA an?

Ende September. Geplant ist, dass ich nach Oklahoma City, Houston und Los Angeles fahre. Wieso?

Aktuell stehen sieben Deutsche in der NBA unter Vertrag, so viele wie noch nie. Mit Ausnahme von Dirk Nowitzki kommen alle als Nationalspieler infrage. Hinzu kommen weitere Spieler, die bei europäischen Spitzenvereinen spielen. Ist es das Paradies für Sie gerade?

Es ist eine sehr gute Zeit, um Bundestrainer zu sein. Wir haben unglaublich viel Talent und eine sehr junge Mannschaft, bei der EM 2017 waren wir das jüngste Team und haben es ins Viertelfinale geschafft. Es ist eine aufstrebende Mannschaft, die sich bei diesem Turnier schon etwas bewiesen hat. Es kommen dazu noch sehr viele junge Spieler wie Isaiah Hartenstein, Moritz Wagner und Isaac Bonga nach, es ist also noch sehr viel weiteres Potenzial da.

Diese drei Spieler werden Sie also auch in den USA besuchen?

Genau. Sie sind jetzt natürlich neu dabei und müssen sich erst einmal beweisen. Isaiah spielt bei den Houston Rockets in einem echten Starteam, ist aber auf jeden Fall bereit. Moritz und Isaac bei den Los Angeles Lakers haben unterschiedliche Voraussetzungen. Moritz ist schon etwas älter und hat auf dem College einige Erfahrungen gesammelt. Er wird von den dreien denke ich am meisten Spielzeit bekommen. Bei Isaac wird man nicht drauf pochen, dass er viel Zeit bekommt, aber man weiß es nie. Deswegen möchte ich auch rüber, um zu sehen, was die Vereine mit den Spielern vorhaben.

Dirk Nowitzki dürfte es bei dem vielen Potenzial aktuell vielleicht bedauern, dass er nicht jünger ist.

Na ja, Dirk hat in seiner Zeit auch mit der Nationalmannschaft genug Erfolge gefeiert und seinen Teil dazu beigetragen. Er gehört ja zur „zweiten Welle“ nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1993 und auch da waren wir ja in den Medaillenrängen. Ob die Generation jetzt da hinkommen kann und wird, bleibt abzuwarten. Es gibt gute Ansätze und es ist sicherlich das Ziel, aber das müssen wir natürlich erst einmal beweisen und bestätigen. Dirk braucht jedenfalls sicher keine Nationalmannschaft mehr, um seine Karriere zu verbessern. Er hat sehr viel für den Verband und den deutschen Basketball getan. Die Türen bei uns sind jederzeit weit offen für ihn.

Der aktuelle Kopf der Mannschaft ist Dennis Schröder. Wie sehen Sie seine Rolle?

Er identifiziert sich sehr stark mit dem, was wir hier machen. Er ist immer dabei, lässt sich überall blicken und ist mit allen in Kontakt. Das ist auch etwas, dass in den letzten Jahren gewachsen ist. Es macht ihm Spaß hier zu sein, auch weil er sieht, dass er mit dem Team erfolgreich spielen kann. Er ist einer der besten Point Guards in der Welt und das macht natürlich auch einen Unterschied. Er ist ja selber noch jung, ist meiner seiner Art zu spielen und die Leute mitzunehmen aber auf jeden Fall ein Anführer.

Sie sind seit fast genau einem Jahr als Bundestrainer im Amt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Es läuft gut. Ich bin sehr dankbar dafür, wie die Mannschaft auf den neuen Trainerstab reagiert hat. Wir haben zu Recht versucht, vieles von dem zu übernehmen, was in den vergangenen Jahren gut gelaufen ist. Ich war unter Chris Fleming immer dabei und habe unglaublich viel von ihm gelernt. Daran möchte ich anknüpfen und natürlich auch meine Identität mit reinbringen. Es waren sehr viele interessante Situationen, in denen es auch nicht selbstverständlich war, dass Spieler angekommen sind in den vielen verschiedenen Formationen.

Chris Fleming hat als Ihr Vorgänger mit Ihnen und dem Trainerteam das Feld dafür bereitet, dass es jetzt so gut läuft. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Fast wöchentlich, manchmal sogar täglich. Da geht es weit über ein kollegiales Verhältnis hinaus. Ich halte sehr viel von ihm und bin froh, dass ich ihn als Freund schätzen kann. Es war für mich ein Glücksfall, dass ich die Chance hatte, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Bei der Heim-EM 2015 hatten einige wichtige Spieler wie Per Günther, Daniel Theis und Maxi Kleber abgesagt. Jetzt scheint die Bereitschaft größer zu sein, zur Nationalmannschaft zu kommen. Woran liegt das?

Ich kann mich nicht so erinnern, dass wir so viele Absagen hatten 2015. Es war ja ein großes Zugpferd, dadurch dass es im eigenen Land war und Dirk Nowitzki noch und Dennis Schröder schon dabei war. Es war eine Truppe, die im Umbruch war, zum Teil zu jung und zum Teil zu alt. Jetzt gibt es viele Faktoren. Ich glaube, dass wir vom Verband her sehr gute Bedingungen für die Spieler stellen, was die Qualität des gesamten Umfelds angeht. Es ist sehr professionell gemacht, und sie fühlen sich sehr wohl. Der Hauptfaktor sind aber natürlich die Spieler selbst, die es feiern, wenn sie sich nach mehreren Monaten wiedersehen. Viele haben eine gemeinsame Historie und sind gerne zusammen. Außerdem merken sie, dass sie eine Chance haben zu gewinnen.

Das gelingt mit sechs Siegen in sechs Spielen in der WM-Qualifikation bisher hervorragend. Wie sehen die kurz- und mittelfristigen Ziele aus?

Es gibt im Moment nur kurzfristige Ziele: Wir müssen uns unbedingt für die WM im kommenden Jahr in China qualifizieren. Wir haben die erste Runde gut überstanden, aber haben dieses Etappenziel noch nicht erreicht. Jetzt geht es darum, die kommenden Spiele so ernst zu nehmen wie möglich und versuchen zu gewinnen. Schaffen wir das, haben wir nächsten Sommer eine WM. Aber jetzt müssen wir erst einmal die nächsten beiden Partien gewinnen und haben uns dafür gut vorbereitet. Wir haben extrem viel Energie, um den nächsten Schritt zu machen. Wenn wir die beiden Quali-Spiele jetzt in Estland und gegen Israel gewinnen, wird es schwer, uns noch von der WM wegzudenken.

Die zweite Gruppenphase ist anspruchsvoll besetzt.

Es wird sicher nicht einfach, auch wenn es normal ist, dass es in der zweiten Runde schwerer wird. Mit Griechenland haben wir ein Weltklasseteam in der Gruppe. Dazu eine Mannschaft aus Israel, die immer europäische Klasse besessen hat und gegen die wir bei der EM verloren haben. Estland ist von allen drei sicher der schwächere Gegner, aber es ist eine sehr gefährliche Mannschaft, gerade weil wir das erste Spiel dort auswärts haben.

Dass es seit kurzer Zeit während oder kurz vor der Saison Fenster mit Länderspielen gibt, stößt bei den Vereinen auf wenig Gegenliebe. Als Bundestrainer sehen Sie das sicher anders.

Jede Situation war anders für uns, und es war interessant, das zu erleben. Ich bin aber wie gesagt extrem dankbar dafür, wie das Team das angenommen hat. Klar ist der Bundestrainer, der nur das macht, sehr motiviert, wenn die Jungs dann kommen. Erst mal ist es aber natürlich wichtig, dass die Spieler motiviert kommen und die BBL und die Vereine mitmachen. Das hat aus meiner Sicht sehr gut geklappt bis jetzt.

Die Teams in der NBA und der Euroleague geben ihre Spieler während der Saison nicht frei, weil die jeweiligen Ligen keine Pause machen.

Das ist schade und könnte meiner Meinung nach auch anders sein. Die NBA zum Beispiel pausiert zum Allstar Game. Warum macht man währenddessen nicht einfach eine Quali-Runde? Dann gibt es noch eine Pause während der Saison und eine weitere Runde, so abwegig ist das nicht. Dann legt man den Fokus auf die Länderspiele. Die NBA ist so globalisiert und hat so viele Spieler aus aller Welt. Für die jeweiligen Länder ist es etwas ganz Besonderes. Das sehen wir ja bei uns: Das Interesse an der Nationalmannschaft ist zum Glück groß.

Sie selbst haben sich als Spieler und Trainer durch große Vereinstreue ausgezeichnet, was im Basketball sehr selten ist. Wäre mehr Beständigkeit in Ihrem Sport wünschenswert?

Ich glaube, dass die NBA das zum Beispiel nach wie vor vorlebt. Die großen Superstars wechseln ihre Vereine eher selten, und wenn, gibt es eine riesige Aufregung. In den letzten Jahren ist es vielleicht in der Tat noch etwas mehr geworden.Insgesamt wird es aber wohl ungewöhnlich bleiben. Die meisten Spieler werden ihren Verein und Standort wechseln oder wechseln müssen. Ich glaube aber, dass es für alle gut ist, wenn es eine gewisse Kontinuität gibt. In der Regel ist das aber auch in Europa keine Tradition, war es aber zu meiner Zeit auch schon nicht.


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