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04.09.2018, 15:02 Uhr KOLUMNE

Nations League: Der komplizierteste Wettbewerb aller Zeiten


Neuer Wettbewerb: Die Nations League.Foto: dpa/Harold CunninghamNeuer Wettbewerb: Die Nations League.Foto: dpa/Harold Cunningham

München. Am Donnerstag startet mit der Nations League der neue Wettbewerb der Uefa. Für unseren Kolumnist Udo Muras eine komplizierte Angelegenheit, auf die er sich dennoch freut.

Jahr für Jahr ärgern wir uns darüber, dass die Bundesliga – kaum dass sie begonnen hat – schon wieder pausiert. Weil ja Länderspiele auszutragen sind. Wollen wir niemanden diskriminieren: auch die 2. und 3. Liga hat Ruh`, erst ab Regionalliga abwärts darf gekickt werden – womit DFB und DFL die Grenze zwischen mehr oder weniger bedeutsamen Fußball für jedermann allgemein verständlich gezogen haben.

Es geht nicht mehr um Freundschaft

Nun aber besteht Anlass, sich weniger zu ärgern, ja vielleicht sogar zu Vorfreude. Ich will hier niemanden beeinflussen, aber wenn sich die Uefa einen neuen Wettbewerb ausdenkt, sollten wir ihn grundsätzlich mit weltoffenen Armen empfangen – ob das nun unsere Stärke ist oder nicht. Donnerstag beginnt die Ära der Nations League, dem kompliziertesten Wettbewerb aller Zeiten. Wer ihn versteht, verdient meinen Beifall. Wer ihn auch noch zu erklären versteht, eignet sich für die Regierung, um den Menschen Themen wie Steuerrecht näher zu bringen.

Die Fans müssen erst mal nur wissen: es geht zwei Mal gegen Frankreich und Holland und es geht nicht mehr um Freundschaft oder so ein altmodisches Zeug. Unsere durch die Mangel gedrehten Weltmeister müssen zur Strafe jetzt in fast jedem Länderspiel alles geben, denn es geht um Punkte, Ehre und Prestige. Angeblich auch um Geld, aber das ist nur ein Verdacht.

Vorbereitung auf XXL-WM

Hat der 16-Gruppen-Wahnsinn eine Zukunft? Na klar, das ist nur ein Vorgriff auf künftige WM-Formate. Wir werden schonend vorbereitet auf die WM mit 64 Mannschaften. Denken Sie an meine Worte, so ab anno 2030.

Weiterlesen: Die Muras Kolumne – Ein Turnier mit 48 Teams: Ist das noch WM oder kann das weg?

Wer Zustimmung sucht für das neue Fußball-Baby muss ja nicht gerade nach München fahren, obwohl dort Donnerstag der Startschuss gegen die Franzosen fällt. Die Bayern-Oberen bleiben wohl auf dem Sofa. Vorstand Karl-Heinz Rummenigge findet, die Nations League „braucht kein Mensch“ und Präsident Uli Hoeneß – was noch schlimmer ist – weiß angeblich „gar nicht, was das ist“. Also bitte, meine Herren, das dürfen Sie sich in ihrer Position nicht leisten.

Weniger San Marino, mehr Italien

Es gibt ja sogar schon ein Sonderheft, für spottbillige 5,95 Euro. Zwar nicht aus dem Hause Kicker oder Sport Bild, was der Ritterschlag wäre. Aber die Kollegen vom „Sport Planer“ haben sich alle Mühe gegeben, das Produkt anzupreisen und ich habe immerhin beim dritten Lesen des einführenden Textes den Modus verstanden. Also fast.

Ihn an dieser Stelle zu erklären, das würde dann doch zu weit führen. Es bräuchte aufwendige Skizzen und auf der aufnehmenden Seite mindestens mal Abitur, Leistungskurs Mathe. Vereinfacht gesagt bringt uns Deutschen die neueste Uefa-Idee, die von allen 55 Verbänden des Kontinents einstimmig (!) angenommen wurde, weniger San Marino und mehr Italien. Und etwas mehr Kopfzerbrechen oder Kopfrechnen. Müssen wir doch künftig zwei Tabellen studieren, in denen sich die Adlerträger herumtreiben. Außer der Dreier-Gruppe in Abteilung A1 sehen wir sie im Frühjahr auch in der EM-Qualifikation, die gibt’s trotzdem noch. Immerhin wird das nacheinander und nicht nebeneinander abgewickelt. Danke Uefa für diesen Nervenkitzel.

Doppelte Blamage

Über beide Wettbewerbe kann man sich für die EM qualifizieren, wer sie verpasst, ist also doppelt blamiert. Jedenfalls als Großer.

Den Nörglern, die alles Neue ablehnen, sei gesagt: wir waren auch mal gegen die WM, auf die wir 1930 verzichteten, wir waren gegen die EM, die 1960 und 1964 ohne uns stattfand, weil sie den seligen Sepp Herberger nur „störte“. Und auch bei der Einführung von Pokal und Bundesliga waren die Deutschen später dran als alle anderen. Wollen wir heute auf irgendwas davon verzichten? Nein.

Also dann, willkommen Nations League. Ich freu mich, echt.


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