Gehören sie zum Fußball? Maskottchen der Bundesliga: Von Hennes bis zum Grotifanten

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

In der Kultkneipe: Schalkes Maskottchen „Erwin“ mit Vereinslegende Olaf Thon in der Gaststätte „Bosch“ in Gelsenkirchen. Foto: Dominik AsbachIn der Kultkneipe: Schalkes Maskottchen „Erwin“ mit Vereinslegende Olaf Thon in der Gaststätte „Bosch“ in Gelsenkirchen. Foto: Dominik Asbach

Osnabrück Sie heißen Jünter, Brian the Lion oder Attila. Manche sind von ihnen genervt, andere feiern sie, und bei den meisten Fußball-Bundesligisten gehören sie irgendwie dazu: die Maskottchen.

Das erste Exemplar stammt aus einer Zeit, als die Vereine noch keine Marketingexperten hatten und der Profit nicht im Vordergrund stand. Außerdem war es im Gegensatz zu den plüschigen Fantasieexemplaren von heute ein Maskottchen aus Fleisch und Blut. Bereits im Jahr 1950 überreichte die Zirkusdirektorin Carola Williams dem 1. FC Köln im Rahmen einer Karnevalssitzung einen kleinen Geißbock als Glücksbringer. Das Tier wurde nach Trainer Hennes Weisweiler benannt und schaffte es in der Folge sogar bis auf das Vereinswappen. Bis heute bringt Hennes, mittlerweile in achter Generation, dem FC Glück – mal mehr oder wie aktuell mal weniger.

Nür fünf Bundesligisten haben keins

Hennes’ Nachfolger in den beiden höchsten deutschen Fußballligen haben meistens keine „echte“ Herkunftsgeschichte. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass es außer Steinadler Attila bei Eintracht Frankfurt kein weiteres lebendes Maskottchen gibt. Eine Vita wurde zwar allen irgendwie auf den oft etwas unförmigen Leib geschrieben, doch dabei hatten eben eingangs erwähnte Marketingexperten ihre Finger im Spiel. Jeweils 13 Vereine in der Bundesliga und der 2. Bundesliga setzen auf die Unterstützung von Maskottchen. Im Oberhaus verzichten lediglich Mainz 05, der FC Augsburg, die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg sowie Werder Bremen auf deren Einsatz. Gerade bei den Bremern sah das aber schon mal ganz anders aus.

„Pico“ schlägt „Werdi“

Ab der Saison 1964/65 gab es Heidschnucke „Pico“, benannt nach dem damaligen Werder-Kapitän Arnold „Pico“ Schütz. Die Parallelen des sonst rund um das Weserstadion auf den Deichen grasenden Schafes zum Maskottchenkollegen in Köln sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Immerhin erfreute sich „Pico“ aber anders als sein Nachfolger bei den Bremer Fans einer gewissen Beliebtheit. Trotz verschiedener optischer Anläufe setzte sich Möwe „Werdi“ nie durch und wurde zähneknirschend wieder eingemottet.

Vielleicht hatte der Darsteller, der in dem Möwenkostüm steckte, auch einfach nicht das nötige Talent. In erster Linie sollen durch die Maskottchen Kinder an den Verein gebunden werden. Entsprechend sind sie meistens freundlich und oft auch ein bisschen tapsig gestaltet wie Bär „Hertinho“ bei Hertha BSC, Dino „Hermann“ beim Hamburger SV oder Fohlen „Jünter“ bei Borussia Mönchengladbach. Sie sollen rund um das Spiel für gute Stimmung sorgen und die Zuschauer etwas animieren.

In Spanien ist damit jetzt übrigens Feierabend. Dort dürfen Maskottchen künftig nicht mehr größer sein als „eine normale Person“, ohne dass diese Angabe genauer definiert wird. Außerdem dürfen sie während des Spiels nicht mehr zu sehen sein und dürfen keine ausgefallene Kleidung mehr tragen.

„Erwin“ erarbeitet sich Kultstatus

In Deutschland ist es zum Glück lange noch nicht so weit, sodass die Maskottchen auch weiterhin für amüsante kleine Geschichten sorgen können. So wie „Erwin“ beim FC Schalke 04. „Kein Mensch, kein Tier trägt er auf dem Rücken die NullVier“, so beschreibt Schalke die Kreatur, die durchaus Kultpotenzial hat. Spätestens seit April 2017, als „Erwin“ im Derby gegen Borussia Dortmund erst die gegnerischen Fans in der Halbzeitpause reizte und nach der Partie Schiedsrichter Felix Zwayer dessen heruntergefallene Rote Karte zeigte. Immerhin bewies das Maskottchen danach etwas Kinderstube und entschuldigte sich später reumütig.

Der streitbare „Grotifant“

In der Rangliste der auffälligen Maskottchen rangiert er damit immer noch deutlich hinter dem „Grotifanten“ des KFC Uerdingen. Der freundlich aussehende Elefant eröffnete schon einmal die Jagd auf einen Linienrichter, legte sich mit gegnerischen Spielern an und war in diverse Handgemenge verwickelt. Aus Sicht eines Marketingexperten sicher nicht optimal, aber auch ein Maskottchen darf ja einen eigenen Kopf haben. Im übertragenen Sinne.

Auf den Spuren ihrer Namensgeber: Geschichten rund um Maskottchen im deutschen Fußball gibt es in der Ausgabe des Magazins „Fußball Gold“, 76 Seiten, 4Euro, www.fussballgold.de


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN