Bundesliga-Serie, Teil 18: FC Bayern München Kovac und die Bayern – das könnte passen

Von Tilmann Mehl

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Hoffnungsträger: Niko Kovac, 46 Jahre alt, seit dieser Saison in München, 241 Bundesligaspiele als Spieler, 77 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: WittersHoffnungsträger: Niko Kovac, 46 Jahre alt, seit dieser Saison in München, 241 Bundesligaspiele als Spieler, 77 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: Witters

München Die Hoffnungen der Liga ruhen auf Niko Kovac. Vielleicht ist der neue Trainer des FC Bayern ja nicht fähig, die Mannschaft zur siebten Meisterschaft in Folge zu führen. Vielleicht ergibt sich so die Chance, den Münchnern ihr Abo auf den Titel zu kündigen. Vielleicht.

Also, hat Niko Kovac das Format, das Team weiter die Liga beherrschen zu lassen? Klares Ja. Schon bevor die enttäuschten WM-Fahrer (außer Corentin Tolisso) zurückkehrten, hat der neue Trainer das Team überzeugt. Größere Trainingsumfänge und intensivere Einheiten lassen die Mannschaft glauben, fit in die Saison zu gehen. Und wenn das Team fit ist, gibt es in der Liga keine Elf, die über 34 Spieltage hinweg Paroli bieten kann.

Fitness ist das eine, aber ist es in München nicht viel wichtiger, die versammelten Stars bei Laune zu halten? Das ist zumindest genauso bedeutend. Carlo Ancelotti hat gespürt, wie schnell das Vertrauen des Vorstands verloren gehen kann, wenn es Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft gibt. Bisher aber wirkt es so, als habe Kovac einen guten Draht zu Franck Ribéry und Arjen Robben. Quengeln die beiden nicht bei Uli Hoeneß, ist aus Trainersicht schon mal viel gewonnen.

Robben ist 34 Jahre alt, Ribéry 35 – die beiden dürften doch gar keine Rolle mehr spielen.

Tun sie aber. Nicht weil es verdiente Spieler sind, sondern weil sie das Vertrauen immer noch zurückzahlen und schlicht kein Konkurrent bislang besser war als sie. Sollte nun aber Kingsley Coman endlich verletzungsfrei bleiben, wird sich die Spielzeit der beiden Altstars ganz automatisch reduzieren. Sollte dazu auch noch Serge Gnabry beweisen, dass er internationales Format besitzt, wird es eng für Ribéry und Robben. Dann geht es für Kovac darum, den beiden schonend beizubringen, dass irgendwann einmal die Zeit für jeden kommt.

Coman, Gnabry, in der Defensive möglicherweise Süle – für den großen Wurf in der Champions League reicht das aber nicht, oder? Zumindest dürften andere Teams individuell besser besetzt sein. Allerdings ist Real Madrid über den Zenit hinaus und hat Ronaldo abgegeben. Und wer hatte vergangene Saison schon mit Liverpool gerechnet? Die Münchner haben nach dem unnötigen Aus gegen Real in der vergangenen Saison noch eine Rechnung mit der Champions League offen. So wie 2012, als sie das Finale dahoam verloren. Ein Jahr später stemmten sie den Henkelpott in die Luft.

Das Team damals war aber ein verschworener Haufen, davon kann ja heute nicht die Rede sein, Stichwort Lewandowski.

Ohne einen Lewandowski in Form gewinnen die Münchner nichts. Na ja, vielleicht die Meisterschaft. Der Stürmer ist eigenwillig, mitunter egoistisch. Er ist aber auch – und das wird gerne vergessen – einer der weltbesten Angreifer. Ihn gilt es ins Mannschaftsgefüge einzubinden. Dass Kovac dazu in der Lage ist, hat er bereits in Frankfurt bewiesen. Dort vereinte er Spieler aus aller Herren Länder zu einem funktionierenden Gebilde, fand die richtigen Worte und die passende Rolle für Kevin-Prince Boateng. Kovac und die Bayern: Das könnte passen.

Zugänge: Leon Goretzka (FC Schalke, ablösefrei), Renato Sanches (Swansea City, war ausgeliehen), Serge Gnabry (TSG Hoffenheim, war ausgeliehen), Alphonso Davies (ab Januar 2019, Vancouver Whitecaps, 15 Millionen Euro).

Foto: NOZ MEDIEN

Abgänge: Douglas Costa (Juventus Turin, 40 Mio., war zuvor ausgeliehen), Niklas Dorsch (1. FC Heidenheim, ablösefrei), Felix Götze (FC Augsburg, ablösefrei), Fabian Benko (LASK Linz, ablösefrei), Tom Starke (Karriereende).


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