Bundesliga-Serie, Teil 17: Der FC Schalke 04 Königsblauer Scheinriese oder Gelsenkirchener Gigant?

Von Jürgen Beckgerd

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Jahrgangsbester beim Fußballlehrer-Lehrgang: Domenico Tedesco, 32 Jahre alt, seit Juli 2017 in Gelsenkirchen, 40 Bundesligaspiele als Trainer. Zeichnung: dpa/Daniel  KarmannJahrgangsbester beim Fußballlehrer-Lehrgang: Domenico Tedesco, 32 Jahre alt, seit Juli 2017 in Gelsenkirchen, 40 Bundesligaspiele als Trainer. Zeichnung: dpa/Daniel Karmann

Münster Vizemeister, Champions-League-Teilnehmer und dann auch noch acht Punkte in der Abschlusstabelle vor Borussia Dortmund: Der FC Schalke 04 hat eine bärenstarke Spielzeit hinter sich. Die Frage ist, welche Rolle die „Knappen“ in der neuen Saison spielen können.

Ist Schalke nur ein Scheinriese oder wirklich ein Gigant hinter den Bayern? Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies sieht Schalke jedenfalls nicht als Bayern-Jäger. „Wenn sich jemand dazu berufen fühlt, soll er. Wir machen das nicht“, sagte der „starke Mann“ auf Schalke jüngst.

Wie groß ist Schalke denn nun wirklich? Riesengroß, zumindest in der Abwehr: Das Abwehrzentrum mit Naldo (1,98 Meter) und Salif Sané (1, 96 Meter kam von Hannover 96), mit Torhüter Ralf Fährmann (1,96 Meter) dahinter, ist an Größe kaum zu überbieten. Die beiden Feldspieler haben zudem ihre Torgefährlichkeit bei Standards unter Beweis gestellt und machen die „Knappen“ noch unberechenbarer.

Schalke galt einst oft als Sammelbecken von Individualisten, die den Familienfrieden mehr gestört denn gestärkt haben. Und heute? Trainer Domenico Tedesco setzt auf genau diesen Familienfrieden und sagt: „Die Spieler sind wie Brüder.“ Soll heißen: Der Teamgeist steht über allem. Und Manager Christian Heidel bestätigte im Trainingslager: „Man kann sagen, dass die Integration unserer Zugänge schon jetzt abgeschlossen ist.“

Die legendären Eurofighter wurden vor dem UEFA-Cup-Endspiel gegen Inter Mailand 1997 von ihren Fans eingeschworen: „Hasta la vista – Schalke Finalista“. In der vergangenen Saison hieß es bei den Sportbeobachtern oft: „Hasta la vista – Schalke minimalista“. Was kann die Offensive? Publikumsliebling Guido Burgstaller wird sich auf starke interne Konkurrenz einstellen müssen: Mit Mark Uth (26 Jahre, 14 Tore, acht Vorlagen für 1899 Hoffenheim in der vergangenen Saison) kam ein laufstarker und schussgewaltiger Angreifer hinzu. Breel Embolo deutete zudem an, dass nach seiner schweren Verletzung wieder mit ihm zu rechnen sei. Und dann ist ja auch noch der vielversprechende Angreifer Steven Skrzybski, der vom Zweitligisten Union Berlin verpflichtet wurde. Tedesco geht das Gerede vom „Minimalisten“ ohnehin auf den Geist: „Wir würden auch lieber 20-mal aufs Tor ballern. Aber uns ist es wichtig, clever und intelligent zu spielen.“

Wer soll die neue Angriffsreihe bedienen? Das Schalker Mittelfeld ist trotz der Abgänge von Leon Goretzka (Bayern München) und Max Meyer (Crystal Palace) rein nominell stark besetzt: Die Neuzugänge Suat Serdar (Mainz 05) und Omar Mascarell (Eintracht Frankfurt) gelten schon jetzt als Top-Einkäufe und dürften vor allem Nabil Bentaleb (23) unter Druck setzen. Der Franko-Algerier, bislang ein „Zauberfuß“ ohne rechte Durchschlagskraft, wird sich strecken müssen, zumal auch Benjamin Stambouli eine bärenstarke Saison gespielt hat, in den Mannschaftsrat aufgestiegen ist und möglicherweise wieder aus der Verteidiger- in die defensive Mittelfeldposition rücken könnte.

Das Berger Feld, auf dem die Arena beheimatet ist, wird zurzeit mächtig umgebaut. Fast 100 Millionen Euro investiert Schalke in neue Infrastruktur. Welche Baustellen hat Trainer Tedesco in seinem Team noch zu bearbeiten? Obwohl Matija Nastasic wieder gesund ist, sieht Tedesco vor allem auf der linken Verteidigerposition Handlungsbedarf. Abdul Rahman Baba ist nach seiner Kreuzbandverletzung immer noch nicht in Form, Bastian Oczipka musste sich einer Leistenoperation unterziehen. Defensivkraft Thilo Kehrer, der dort ebenfalls spielen konnte, ließ Schalke für 37 Millionen Ablöse zu Paris St. Germain ziehen.

Zugänge: Salif Sané (Hannover 96, 7 Millionen Euro), Omar Mascarell (Real Madrid, Eintracht Frankfurt, 10 Millionen Euro), Suat Serdar (FSV Mainz 05, 11 Millionen Euro), Steven Skrzybski (Union Berlin, 3,5 Millionen Euro), Mark Uth (TSG Hoffenheim, ablösefrei), Johannes Geis (war ausgeliehen an FC Sevilla).

Abgänge: Thilo Kehrer (Paris St. Germain, 37 Millionen), Leon Goretzka (Bayern München, ablösefrei), Max Meyer (Crystal Palace, ablösefrei), Coke (UD Levante, 1,5 Millionen), Benedikt Höwedes (war ausgeliehen an Juventus Turin, Lok Moskau, 5 Millionen).

Bisher erschienen:

Bundesliga-Serie, Teil 1, 1. FC Nürnberg: Der „Club“ nimmt einen neuen Anlauf in der Bundesliga

Bundesliga-Serie, Teil 2, Fortuna Düsseldorf: In die Bundesliga gekommen, um zu bleiben – mal wieder

Bundesliga-Serie, Teil 3, VfL Wolfsburg: Bloß nicht noch eine „Dinner-for-one-Saison“

Bundesliga-Serie, Teil 4, SC Freiburg: Im Süden kündigt sich neuer Offensivdrang an

Bundesliga-Serie, Teil 5, FSV Mainz 05: Mainz setzt auf Spieler aus dem Land des Weltmeisters

Bundesliga-Serie, Teil 6, Hannover 96: Dauer-Zoff mit Kind geht in die nächste Runde

Bundesliga-Serie, Teil 7, FC Augsburg: Rätsel beim FCA: Wer steht im Tor und wer dahinter?

Bundesliga-Serie, Teil 8, Werder Bremen: Eine Extrawurst, ein Oldie und ein aufstrebender Trainer

Bundesliga-Serie, Teil 9, Hertha BSC: Berlin sagt Zuschauerschwund Kampf an und setzt auf eigenen Nachwuchs

Bundesliga-Serie, Teil 10, Borussia Mönchengladbach: Gladbachs Spieler wollen Wiedergutmachung

Bundesliga-Serie, Teil 11, Eintracht Frankfurt: Eintracht bleibt eine Wundertüte

Bundesliga-Serie, Teil 12, VfB Stuttgart: Aufbruch zu neuen Ufern?

Bundesliga-Serie, Teil 13, RB Leipzig: Projektjahr „Übergang“ beim Angriff auf die Liga-Spitze

Bundesliga-Serie, Teil 14, Bayer Leverkusen: Die „Werkself“ setzt zum Sprung in die Champions League an

Bundesliga-Serie, Teil 15: Der nächste Neustart in der Ära „nach Klopp“ beim BVB

Foto: NOZ MEDIEN

Bundesliga-Serie, Teil 16, TSG Hoffenheim: Wird aus dem Erfolgstyp Nagelsmann eine lahme Ente?


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN