Bundesliga-Serie, Teil 13: RB Leipzig Übergangsjahr beim Angriff auf die Liga-Spitze

Von Alexander Heflik

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Projektleiter, nun wieder an der Linie: Ralf Rangnick, 60 Jahre alt, seit 2012 in Leipzig, null Bundesligaspiele als Spieler, 260 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpaProjektleiter, nun wieder an der Linie: Ralf Rangnick, 60 Jahre alt, seit 2012 in Leipzig, null Bundesligaspiele als Spieler, 260 Bundesligaspiele als Trainer. Foto: dpa

Leipzig RB Leipzig steht vor einer Übergangssaison – zumindest auf dem Trainerstuhl. Ralf Rangnick wärmt den Platz, den Ralph Hasenhüttl verlassen hat, nur für Julian Nagelsmann (TSG Hoffenheim) vor. Der Shootingstar der Branche wird im Sommer 2019 den einzigen „Ost-Vertreter“ in der Bundesliga übernehmen.

Geht das Trainer-Rückkehr-Intermezzo von Ralf Rangnick gut? Der 60-jährige Rangnick hat das Ziel, die Leipziger DNA wiederzubeleben. Marcel Sabitzer, mit 24 Jahren schon ein gestandener Spieler bei RB, sprach von frischem Wind und einer „anderen Ordnung“. Hoch verteidigen, Pressing und Jagdfieber werden unter Rangnick bei Leipzig wieder ganz hoch im Kurs stehen. Sein wohl härteres Regiment folgt auf den verständnisvoller agierenden Ralph Hasenhüttl. Das Übergangsjahr für RB soll demnach die letzte Saison gewesen sein, nun steht ein Rangnicks Re-Start an, ehe Nagelsmann Vollgas geben wird. Rangnick will auch die Grüppchenbildung im Team unterbinden – etwa die „French-Connection“ um Jean-Kévin Augustin, Dayot Upamecano und Ibrahima Konaté sowie den inzwischen abgewanderten Naby Keita. Angeblich ist er zu Deutsch als Amtssprache in Training und bei Tisch zurückgekehrt: adios Dolmetscher.

Gibt es guten Fußball in Leipzig ohne Keita? Erstmal kassiert Leipzig mindestens 60 Millionen Euro für Keita, den Nationalspieler von Guinea. Und zudem wechselt der Mittelfeldspieler nicht zum direkten Konkurrenten Bayern München. Weil Keita unbedingt gehen wollte, ist der Verkauf nach Liverpool noch das Beste für RB. Allerdings wird sich so schnell kein Ersatz für ihn finden lassen, Rangnick muss das teamintern lösen. Die Statik beim Tabellensechsten der Vorsaison gerät mit Keitas Abgang aber ins Wanken. Zur Lösung des Problems ist dei Verpflichtung von Nationalspieler Sebastian Rudy (Bayern München) ein Gedankenspiel – aber eines, das nicht leicht zu finanzieren ist. Schwedens WM-Star Emil Forsberg und Timo Werner wollen dagegen, trotz eigener Überlegungen, in Leipzig bleiben – im Falle des deutschen Nationalspielers könnte eine frühzeitige Vertragsverlängerung plus Gehaltsaufbesserung eine Argumentationshilfe werden.

Ist Leipzig wirklich eine echte Fußball-Marke des Ostens? Nein.

Kann es sein, dass jemals der Geldhahn in Leipzig von Dietrich Mateschitz zugedreht wird? Selbst wenn Mateschitz, der zweitreichste Österreicher mit einem Besitz von 12,5 Milliarden Euro, aussteigen würde – die Basis für die Bundesliga ist in Leipzig gelegt. Der Aufsteiger von 2016 hat sich im Eiltempo etabliert. Die dritte Saison im Oberhaus kann kommen.

Kann Leipzig Meister werden und Bayern München gefährden? Rangnick soll Mateschitz zum 89. Geburtstag den Titel versprochen haben. Das wäre 2033. Oliver Mintzlaff, der zweite starke Mann bei RB, sieht das mittelfristiger. Man wolle die Distanz zu den beiden Topclubs aus München und Dortmund verringern. Kaum vorstellbar ist, dass RB in der neuen Saison ins Titelrennen eingreifen kann mit den bisherigen Verpflichtungen. Mit den Abwehrspielern Nordi Mukiele (21 Jahre), Marcelo Saracchi (20) und Stürmer Matheus Cunha (19) kamen vielversprechende Talente, die aber Zeit brauchen. Die Toptransfers, die der Alte (Rangnick) und der Neue (Nagelsmann) tätigen, werden dennoch den Weg weisen. Zukunftsmusik.

Zugänge: Nordi Mukiele (HSC Montpellier, 16 Millionen Euro), Matheus Cunha (FC Sion, 15 Mio.), Marcelo Sarachhi (River Plate, 12 Mio.), Massimo Bruno (RSC Anderlecht, Ende Ausleihe), Marius Müller (1 FC Kaiserslautern, Ende Ausleihe), Antinc Nukan (Besiktas Istanbul, Ende Ausleihe)

Abgänge: Naby Keita (FC Liverpool, 60 Mio.), Benno Schmitz (1. FC Köln, 1,5 Mio.), Ademola Lookman (FC Everton, Ende Ausleihe), Janeit Vitaly (VfL Bochum), Fabio Coltorti (vereinslos), Dominik Kaiser (Bröndby Kopenhagen), Bernardo (Brigthon & Hove Albion, 10 Mio.), Zsolt Kalmar (DAC Dunajska Streda), Philipp Köhn (RB Salzburg).

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Foto: NOZ MEDIEN

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