Bundesliga-Serie, Teil 5: FSV Mainz 05 Mainz setzt auf Spieler aus dem Land des Weltmeisters

Von Volkmar Schäfer

FSV Mainz 05 will in der neuen Saison nicht erneut in den Abstiegsstrudel geraten. Foto: dpa/FreyFSV Mainz 05 will in der neuen Saison nicht erneut in den Abstiegsstrudel geraten. Foto: dpa/Frey

Mainz „Unser Traum lebt.“ Mit diesem Slogan begrüßt der FSV Mainz 05 die Fans auf seiner Internetseite. Doch von was träumt der gerne als „Karnevalsverein“ bezeichnete Club aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt eigentlich? Vielleicht von Zeiten mit Jürgen Klopp, dem am Bruchweg unvergessenen Spieler und Coach. Oder vom internationalen Geschäft, wie in der Saison 2016/2017 mit dem kurzen Gastspiel in der Europa League.

Es gibt bei den 05ern viele Denkmodelle für eine erfolgreiche Zukunft. Eines wollen Trainer Sandro Schwarz und Co. in der neuen Runde der Fußball-Bundesliga aber vermeiden: zum dritten Mal in Folge in den Abstiegsstrudel geraten.

Was kann Mainz 05 aus der vergangenen Saison mit Platz 14 lernen? Es war eine Zittersaison mit Happy End. Erst mit dem 2:1-Coup in Dortmund retteten sich die 05er. Wenn die Mannschaft diese Schluss- und Schlüsselerlebnisse gepaart mit den alten Mainzer Tugenden – Kampfgeist und Unbekümmertheit – mit in die neue Runde transportiert, dann ist viel getan, um sich um einen einstelligen Tabellenrang zu bewerben.

Welche Rolle könnte Trainer Sandro Schwarz dabei spielen? Der 39-Jährige wirkte in seiner Premierensaison als Cheftrainer eines Bundesligisten oft nicht so gelöst, wie man es von ihm aus der Vergangenheit kannte. Schwarz wurde lange vorgeworfen, er lasse den Spielern zu viel Freiraum, sei zu nett mit ihnen und übe keinen Druck aus. Seit dem 0:3 im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Eintracht Frankfurt Ende Februar weht ein anderer Wind am Bruchweg. Der Coach wirkt härter und lauter. Schwarz rettet sich nicht mehr in Phrasen, sondern zeigt immer mehr, wie emotional er sein kann. Das wird sich positiv auf das gesamte Team auswirken.

Der FSV-Kader kommt mehr und mehr „frankophil“ daher. An was liegt das? In der Tat stehen mit Jean Philippe Mateta (Olympique Lyon), Moussa Niakhaté (FC Metz) und dem zuletzt an den SC Freiburg ausgeliehenen Gaetan Bussmann drei weitere Spieler aus Frankreich neu im Kader der 05er. Dazu kommt Jean Philippe Gbamin, den die Mainzer trotz vieler verlockender Angebote am Rhein halten konnten. „Franzosen haben eine sehr gute fußballerische Ausbildung und sind hungrig“, begründet Sportvorstand Rouven Schröder die Neigung des Clubs, Akteure aus dem Land des Weltmeisters zu verpflichten. Deutsche Spieler mit einer vergleichbaren Qualität seien für einen Verein wie den FSV derweil nicht zu erreichen, so Schröder.

Was ist mit Neuentdeckung Ridle Baku? Der 20-Jährige, der den Mainzern in der Endphase der vergangenen Saison mit zwei Treffern und tollen Leistungen den Weg zum Klassenerhalt ebnete, ist der Senkrechtstarter. Vom einstigen Balljungen hat es der Mittelfeldspieler, dessen Eltern 1992 aus dem Kongo nach Deutschland gezogen waren und dessen Zwillingsbruder Makana beim Drittligisten SGS Großaspach kickt, zum Profi geschafft. Doch Ridle, dessen Name sich auf sein Vorbild Karl-Heinz Riedle bezieht, hebt nicht ab, sondern arbeitet fleißig weiter an seinen Qualitäten. Von denen auch Sandro Schwarz überzeugt ist.

Und wer ersetzt den nach Dortmund abgewanderten Abdou Diallo? Der eigentlich als unverkäuflich geltende Innenverteidiger reißt mit seinem Wechsel zum BVB im Mainzer Team natürlich eine Lücke. Nun soll und muss es Moussa Niakhaté im Abwehrzentrum richten. Ob es dem Mann aus Metz gelingt, bleibt abzuwarten.

Zugänge: Jean-Philippe Mateta (Olympique Lyon, 8 Millionen Euro), Pierre Kunde (Atlético Madrid, 7,50 Mio.), Moussa Niakhaté (FC Metz, 6 Mio.), Phillipp Mwene (1. FC Kaiserslautern, ablösefrei), Ridle Baku (eigene zweite Mannschaft), Aaron Seydel (Holstein Kiel, war ausgeliehen), Jannik Huth (Sparta Rotterdam, war ausgeliehen), Gaetan Bussmann (SC Freiburg, war ausgeliehen), Jonas Lössl (Huddersfield Town, war ausgeliehen), José Rodríguez (Maccabi Tel Aviv, war ausgeliehen), Kenan Kodro (Grasshopper Club Zürich, war ausgeliehen).

Foto: NOZ MEDIEN

Abgänge: Abdou Diallo (Borussia Dortmund, 28 Mio.), Suat Serdar (FC Schalke 04, 11 Mio.), Jonas Lössl (Huddersfield Town, 2,50 Mio.), Kenan Kodro (FC Kopenhagen, 1,6 Mio.), Nigel de Jong (Al Ahli Katar, ablösefrei), Leon Balogun (Brighton & Hove Albion, ablösefrei), Marin Sverko (Karlsruher SC, ausgeliehen).


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