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21.06.2018, 23:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Nagelsmann-Wechsel: Karriereplan am Reißbrett

Kommentar von Harald Pistorius

Julian Nagelsmann wechselt nach Leipzig - aber erst 2019. Foto: dpaJulian Nagelsmann wechselt nach Leipzig - aber erst 2019. Foto: dpa

Osnabrück. Julian Nagelsmanns Wechsel nach Leipzig ist der nächste Schritt in einer gut vorausgeplanten Karriere. Ein Kommentar.

Irgendwann, das war auch dem Club und seinem Eigner Dietmar Hopp klar, würde Hoffenheim zu klein sein für Julian Nagelsmann. Das Talent dieses jungen Trainers ist offenbar so groß, dass er nach höheren Aufgaben strebt.

Das ist nichts Verwerfliches, und es spricht für seine Karriereplanung, dass er dem Werben des FC Bayern und des BVB widerstanden hat. Leipzig ist die richtige nächste Station für einen, der ganz nach oben will und dazu noch Zeit hat.

Wohl kalkuliert und gut geplant – wenn’s denn wirklich so kommt. Die Rechnung von Nagelsmann hat einige Unbekannte. Wie übersteht er die Krisen, die jede Saison für ein Team bereithält? Als die Wechselgerüchte um den Coach in der vergangenen Saison gerade zu einer Negativphase Konjunktur hatten, geriet Nagelsmann trotz aller Verdienste in die Kritik.

Erfahrungswerte gibt es nicht, denn es ist ein Bundesliga-Novum, dass ein Trainer (und die Öffentlichkeit) vor einer Saison schon weiß, wohin er ein Jahr später wechseln wird. Umso mehr ist bekannt über die Schwierigkeiten, die Ralf Rangnick mit Trainern hat. Bis hin zum erfolgreichen Ralph Hasenhüttl ist keiner auf Dauer mit dem manischen Allesmacher glücklich geworden.

Unabhängig von diesen Spekulationen darf man festhalten, dass hier mal wieder ein Trainer einen Club verlässt, mit dem er erfolgreich arbeitet und bei dem er eine Langzeitper spektive hat. Identifikation und Treue werden nicht mehr praktiziert, sondern der Karriere geopfert.


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