Federer im Viertelfinale Gerry Weber Open in Halle: Nur der gefühlte Deutsche ist noch im Rennen

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Nach einem Tennis-Krimi im Viertelfinale der Gerry Weber Open: Roger Federer. Foto: Helmut KemmeNach einem Tennis-Krimi im Viertelfinale der Gerry Weber Open: Roger Federer. Foto: Helmut Kemme

Halle. Das Favoritensterben bei den Gerry Weber Open in Halle geht weiter: Mit Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer sind am Donnerstag die letzten Deutschen im Einzel ausgeschieden. „König“ Roger Federer zog im Achtelfinale gegen den Franzosen Benoît Paire gerade noch den Kopf aus der Schlinge.

Viele deutsche Tennisfans werden das „schwarz-rot-goldene Desaster“ nicht dramatisch sehen. Schließlich können sie nun ohne Gewissensbisse dem eigentlichen Liebling in Ostwestfalen die ganze Aufmerksamkeit schenken: Der Schweizer Federer ist als die aktuelle Nummer eins in der Welt sowieso ein gefühlter Deutscher.

Jähzorniger Franzose

Und der gefühlte Deutsche nahm in seinem Spiel gegen Paire fast das gesamte Publikum mit auf einen Wellenritt der Gefühle. Nach dem ersten Satz (6:3 für Federer) sah alles nach einem klaren Pflichtsieg für den 36-Jährigen aus. Der Franzose war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt – und zog sich den Unmut der Zuschauer zu, als er mehrfach seinen Schläger auf den Rasen donnerte. Dieser Jähzorn setzte dann aber offensichtlich neue Kräfte frei. Mutige Lobs, Aufschläge wie Kanonenschüsse – Paire zog im zweiten Satz mit 4:0 davon. Federer fand überhaupt nicht ins Spiel und gab den zweiten Durchgang mit 3:6 ab.

Im entscheidenden Satz hatte Alfred Hitchcock seine Hände im Spiel. Ein Kampf auf Messers Schneide. Paire steigerte sich weiter, Federer fand wieder etwas besser ins Spiel – allerdings ohne zu überzeugen. Ein enges Duell, bei dem sich keiner den Sieg verdiente. Im Tiebreak hatte der Weltranglistenerste hauchdünn mit 9:7 die Nase vorn. Nach 1:58 Stunden war nicht nur Federers Jubelschrei spürbar lauter als bei anderen Erfolgen. Auch die Zuschauer jubelten vor Erleichterung.

Mayers letzter Halle-Auftritt

Federer lobte anschließend erst einmal die bravouröse Leistung seines Gegners. „Sir Roger“ eben. Dann legte er aber in der Analyse nach: „Irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, verdient gewonnen zu haben. Dazu sei es einfach wohltuend, „solch ein enges Match zu gewinnen“. Das Viertelfinale gegen den Australier Matthew Ebden könne wieder ganz anders laufen. „Ich kann nach dem Sieg gegen Paire wenigstens heute Nacht besser schlafen.“

Apropos Ebden: Der war am Donnerstag die Endstation für Kohlschreiber. Der Augsburger sah bei seinem Achtelfinal-Aus gegen den Australier nur im ersten Satz gut aus. Das 6:4 brachte jedoch keine Sicherheit und schon gar nicht Souveränität in das Spiel des Deutschen. Im Gegenteil. Ebden, aktuell Nummer 60 in der Welt, zwang seinen Gegner immer wieder mit langen Bällen zu Fehlern. Kohlschreiber war ohne Chance: 1:6 im zweiten, 2:6 im dritten Satz.

„Ebden hat sich in einen Rausch gespielt und hat mir den Rhythmus geraubt“, bilanzierte Kohlschreiber – und wollte überhaupt nicht die Meinung seines Coaches teilen, „der mir gesagt hat, dass ich im zweiten und dritten Satz zu passiv gespielt habe“.

Bleibt noch Mayer. Sozusagen der letzte deutsche Hoffnungsträger. Bei seinem letzten Auftritt in Halle überhaupt hatte er jedoch gegen den Italiener Andreas Seppi keine Chance (2:6, 4:6). Resultat: kein Deutscher im Viertelfinale. Aber wie eingangs erwähnt: Gott sei Dank haben die Tennisfans in Halle ja noch ihren gefühlten Deutschen…


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