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Ende der Spritzenaffäre: Keine Sperre für Kutscher

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Marco Kutscher Cornet Obolensky 2009 beim CHIO Aachen.Marco Kutscher Cornet Obolensky 2009 beim CHIO Aachen.

Blaues Auge mit großer Verspätung: Fast zwei Jahre nach den Olympischen Spielen hat die Spritzenaffäre für Marco Kutscher doch noch Folgen - aber nur kleine.

Der Springreiter aus Riesenbeck kam glimpflich davon, denn er muss nur eine Geldstrafe von 10 000 Franken zahlen und ist nach einem Urteil des Weltverbandes FEI nachträglich disqualifiziert. «Mit dem Urteil bin ich einverstanden», sagte Kutscher der Nachrichtenagentur dpa.

Der Doppel-Europameister von 2005 erhielt aber keine Sperre wegen der nicht erlaubten Medikation. Die Spritze, die sein Pferd erhielt, war zwar verboten, ist aber nicht als Doping eingestuft worden. «Gut, dass es vorbei ist», kommentierte Kutscher das lange Warten. «Es hat sich unheimlich hingezogen.» Bereits im April hatte die FEI das Urteil angekündigt, doch «es kam bis heute nichts». Für ihn sei der Fall nun abgeschlossen: «Ich mache da einen Haken drunter.» Grund für eine Berufung sieht Kutscher nicht.

Die Vorgeschichte liegt rund 22 Monate zurück: Kutschers Hengst Cornet Obolensky hatte nach der ersten Runde des olympischen Teamwettbewerbes in Hongkong eine Spritze mit Arnika und Lactanase erhalten. Das ist nicht erlaubt, wurde aber nur durch Medienberichte und Zeugenaussagen öffentlich. Es gab keine positive Probe bei den Dopingtests. Erst im November 2009 hatte das Sportgericht des Weltverbandes auf Empfehlung einer sogenannten Ethik-Kommission mit den Untersuchungen begonnen.

Cornet Obolensky hatte damals nach übereinstimmender Darstellung nach der ersten Runde mit 13 Strafpunkten eine Spritze bekommen und anschließend einen kurzzeitigen Schwächeanfall erlitten. Trotzdem war das Pferd am Folgetag eingesetzt worden. Die Behandlung von Kutschers Pferd war jedoch nicht angemeldet worden, womit eine im Wettkampf verbotene Medikation vorliegt. Diese Unterscheidung gibt es nur im Pferdesport.

«Ich habe mich damals auf den Tierarzt verlassen», sagte der Reiter: «Aber in der Kommunikation ist etwas schiefgelaufen.» Gewisse medizinische Behandlungen können nach einer Anmeldung beim zuständigen Turnier-Veterinär freigegeben werden. Doch das erfolgte damals nicht.

Kutscher, der für den Stall von Ludger Beerbaum reitet, hatte den Vorfall nie geleugnet. «Cornet hat für kurze Zeit wackelige Knie bekommen, war dann aber schnell wieder in Ordnung», sagte Kutscher. Die Behandlung sei in Absprache mit dem damaligen Team-Veterinär Björn Nolting erfolgt, die Spritze habe eine Pflegerin gesetzt. «Unglücklicherweise nahm die Pflegerin ohne Rücksprache und völlig voreilig die Behandlung vor, bevor ich die erforderliche Freigabe für eine Injektion einholen konnte», hatte Nolting in einer Mitteilung des deutschen Verbandes geschrieben. Der langjährige Mannschaftstierarzt hat seinen Posten inzwischen verloren.

Bei Lactanase handelt es sich um ein Mittel, das laut FN-Veterinär Michael Düe den Muskelstoffwechsel anregen soll. «Lactanase ist nicht ohne. Man muss wissen, was man tut und darf nicht danebenspritzen», sagt der Tierarzt, der bei Olympia nicht vor Ort war. Zudem ist das Mittel nach Angaben von Professor Manfred Kietzmann, Pharmakologe der Tierärztlichen Hochschule Hannover, in Deutschland für Pferde nicht zugelassen: «Es beeinflusst aber die Leistungsfähigkeit des Pferdes.»

Der Fall Kutscher hatte im Verband zu großen Turbulenzen geführt und einige Funktionäre ins Zwielicht geraten lassen. Während die FN beim Doping-Fall von Christian Ahlmanns Pferd Cöster hart durchgriff und unmissverständlich Stellung bezog, versuchte sie den Fall Kutscher zunächst zu verheimlichen, bezog anschließend keine klare Stellung und lehnte ein nationales Verfahren ab. Entsprechend erleichtert zeigte sich FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach: «Wir sind froh, dass das Kapitel Hongkong jetzt endlich ein Ende gefunden hat. Seit den Olympischen Spielen haben wir eine Fülle an Maßnahmen für einen fairen Sport auf den Weg gebracht und wir sind auf einem guten Weg.«

Eine Neuvergabe der Medaillen ist durch die nachträgliche Disqualifikation nicht notwendig. Kutscher und das deutsche Team waren in Hongkong weit entfernt von den vorderen Rängen.


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