Mané mit feiner Klinge: Senegal siegt Polens missglückter Auftakt: Mit den eigenen Waffen geschlagen

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Übermacht: Saliou Sané (vorn) und Kalidou Koulibaly nahmen Robert Lewandowski (Mitte) aus dem Spiel. Foto: imago/East NewsÜbermacht: Saliou Sané (vorn) und Kalidou Koulibaly nahmen Robert Lewandowski (Mitte) aus dem Spiel. Foto: imago/East News

Moskau Polen mit Robert Lewandowski gegen den Senegal um Sadio Mané – das Auftaktspiel der Gruppe H war das Duell zweier großartiger Offensivfußballer. Der Bayern-Profi verlor auch deshalb 1:2, weil der Stürmer des FC Liverpool die besseren Mitspieler hatte.

Dass beide in ihrer Nationalelf das Sagen haben, ist den 44190 Fans im Spartak-Stadion aufgefallen. Während Sané aber mit feiner Klinge führte, arbeitete Robert Lewandowski mit Brachialgewalt – und hatte gegen körperlich starke Afrikaner einen schweren Stand.

Exakte Ballannahme eines langen Flugballs in höchster Bedrängnis – so beeindruckte Mané Polen in seiner ersten Aktion. Senegals Linksverteidiger Youssouf Sabaly hatte besser zum Ball gestanden, doch der in England unter Jürgen Klopp agierende Stürmer nahm das Heft in die Hand. Er sicherte die Bälle und verteilte sie unauffällig, aber klug. So konnte er den großen Mbaye Niang (FC Turin) im Zentrum und den exorbitant schnellen Rechtsaußen Ismaila Sarr (Stade Rennes) in Szene setzen.

Und Lewandowski? Hatte vor der Pause nur 14 Ballkontakte, weil er ganz hart bekämpft wurde. Kalidou Koulibaly (SSC Neapel, 1,95 Meter) und vor allem Saliou Sané von Hannover 96 (1,96 Meter) hatten diesen Auftrag – einer der Innenverteidiger- Hünen war immer dran am Körper des zwar großen, aber nun doch zehn Zentimeter kleineren Polen. So nahmen sie ihn vorn aus dem Spiel, wobei sich Lewandowski auch oft bewusst fallen ließ, um das Offensivspiel der Kollegen anzukurbeln.

Denn das lief gar nicht: Die in die Jahre gekommenen Bundesliga-Legionäre Jakub Blaszczykowski (32) und Lukas Piszczek (33) erwischten auf rechts einen schwarzen Tag. Insbesondere der Außenverteidiger von Borussia Dortmund leistete sich viele Fehlpässe, technische Fehler, Flanken ins Nichts – und verlorene Zweikämpfe, wie vor dem 0:1 gegen Niang, der ihn überrannte. Einen Querpass von Mané später kam Idrissa Gueye (FC Everton) frei zum Abschluss, den er schlau verzögerte: So landete der Ball über den Umweg von Polens Thiago Cioneks Fuß im Netz.

Tatkräftige Mithilfe der Polen hatten auch viele beim 0:2 ausgemacht, als Grzegorz Krychowiak einen Rückpass in die verwaiste eigene Hälfte gespielt hatte. Niang spitzelte den Ball an Verteidiger Michal Pazdan und Keeper Wojciech Szczesny vorbei und kurz danach ins Tor. Doch die Geschichte ist spannender – und kein Ruhmesblatt für das Schiedsrichterteam um Nawaf Shukralla aus Bahrain.

Dieses hatte einen per Tafel schon angezeigten Wechsel Senegals doch noch nicht zugelassen, während sich Niang zugleich zur Behandlungspause abgemeldet hatte. So standen plötzlich zwei Senegalesen an der Seitenlinie. Einen, Niang, ließ Shukralla just in jenem Moment wieder aufs Feld, in dem Krychowiak im Bewusstsein des zuvor freien Raumes nach hinten spielte. Die wütenden Proteste der Polen gegen den Treffer waren verständlich.

Zumal sie nach der Pause besser im Spiel gewesen waren: Sané stoppte Lewandowski nach einer Balleroberung erstmals nur noch per Foul. Den folgenden 24-Meter-Freistoß platzierte der Pole aber nicht genau genug, Senegals Keeper Khadim Niaye – einziger Schwachpunkt der Elf – faustete den Ball weg. So reichte es nur noch zum 1:2: Krychowiak köpfte nach einer Standardsituation ein. So hatten die Polen auch fast ein Drittel ihrer Treffer in der Qualifikation erzielt.

Senegal hatte spielerisch und kämpferisch klar mehr zu bieten – mit einem auf internationalem Level gestählten Torwart wären die Westafrikaner sogar Afrikas erster ernsthafter Titelkandidat.


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