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IOC-Mitglied mit Wurzeln im Emsland

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Degenfechterin Claudia Bokel aus Tauberbischofsheim, die gestern bei den Olympischen Spielen in Peking überraschend für acht Jahre in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt wurde, hat ihre Wurzeln auch im Emsland. „Sie besuchte wie ihre älteren Geschwister Regina und Clemens den Kindergarten in Rütenbrock“, verrieten Vater Bernard Bokel (75) und Mutter Maria, die vor vier Jahren ihren Altersruhesitz aus den Niederlanden nach Meppen-Bokeloh verlegten.

Eigentlich wäre die am 30. August 1973 in Ter Apel/NL geborene Tochter Claudia, die einen deutschen und einen niederländischen Pass besitzt, auch heute zum Geburtstag ihrer Mutter im Emsland gewesen, wo sie regelmäßig vorbeischaut. Diesmal muss ein Anruf aus China reichen – wie gestern, als die 35-jährige Diplom-Chemikerin sich nach ihrer Wahl meldete.

Unter 29 Kandidaten hatte sie mit den drittmeisten Stimmen einen der vier Athletenplätze im IOC erkämpft und auch Sportler mit großen Namen und Erfolgen besiegt, wie die Olympiasieger Alexander Popov (Rußland), Grant Hackett (Australien) oder Liu Xiang (China). „Sie hat sich sehr gefreut, denn sonst wären die 12000 Flugblätter, die sie im Wahlkampf in Peking verteilte, umsonst gewesen“, sah es Vater Bernard ganz pragmatisch.

Auch die sportliche Karriere von Claudia ist beeindruckend. Dreimal startete sie bei Olympia: 1996, 2000 und 2004. Zuletzt in Athen gewann sie mit der Mannschaft die Silbermedaille. Die Qualifikation für Peking verpasste die Weltmeisterin 2001, Europameisterin 2006 und dreifache Deutsche Meisterin als dritte Athletin hinter der neuen Olympiasiegerin Britta Heidemann und Imke Duplitzer nur deshalb, weil diesmal die Degen-Damenmannschaftswettbewerbe im turnusmäßigen Wechsel nicht ausgetragen und nur zwei statt drei Degenfechterinnen nominiert wurden.

Parallel zum Ende ihrer aktiven Karriere machte sich Claudia Bokel auch als Funktionärin bereits einen Namen. Seit 2005 ist sie Präsidentin der Athletenkommission des Europäischen Olympischen Komitees (EOC), Mitglied im Kuratorium der Dopingagentur NADA, persönliches Mitglied im NOK und seit 2006 auch Vorsitzende des Aktivenbeirates im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Im IOC, wo sie neben Thomas Bach und Dr. Walther Tröger jetzt Sitz und Stimme hat, wolle sich ihre Tochter verstärkt darum bemühen, mehr Praxisbezug in die Entscheidungen der Funktionäre mit einfließen zu lassen, sagt Vater Bernard, der als Deutscher einst in Ter Apel als Lehrer und Konrektor tätig war. „Sie hat selbst empfunden, welche Probleme sich da ergeben haben.“

In Ter Apel war Claudia Bokel mit ihren Geschwistern aufgewachsen und zum Fechten gekommen. Durch den Besuch des Kindergartens auf der anderen Grenzseite in Rütenbrock sprechen auch die ältere Schwester Regina (heute Physik-Dozentin an der Uni Delft) und Bruder Clemens (heute Diplom-Physiker in Amsterdam) ein wenig Deutsch. Über Bundestrainer Manfred Kasper kam Claudia zum Fechtinternat nach Bonn und schließlich nach Tauberbischofsheim. Jetzt, nach Studiumsabschluss, ist sie ungebunden und „offen für einen neuen Job“ wie Vater Bernard sagt – einen Job als Chemikerin.


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