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14.06.2018, 09:35 Uhr ÜBER 10 MILLIARDEN EURO KOSTEN

Kommentar zum WM-Start in Russland: Es geht billiger

Kommentar von Benjamin Kraus

Das Stadion in St. Petersburg. Foto: dpaDas Stadion in St. Petersburg. Foto: dpa

Moskau. Ab diesen Donnerstag rollt der Ball in Russland. Das ist nicht nur schlecht, dennoch sollten alle Fans einige Dinge rund um den WM-Zirkus nicht vergessen, findet unser Kommentator vor Ort

Es ist schon jetzt die teuerste WM aller Zeiten: Über 10 Milliarden Euro wird sie kosten – und keinesfalls ist das Geld stets sinnvoll investiert worden. Viele einst als fortschrittlich gefeierte Hochglanz-Projekte sind einfach verpufft wie die in der Bewerbung versprochene, aber nie gebaute Schnellzugverbindung von Moskau nach Sotschi. Viel Geld ist einfach in dunklen Kanälen versickert wie beim Stadionbau von St. Petersburg.

Das Problem hat Russland als Gastgeberland keinesfalls exklusiv. Wer aber durch triste Vorstädte fährt, den Putz von Hochhäusern abfallen und die Geräte auf Spielplätzen verrosten sieht, weiß, dass dieses Geld weit besser hätte eingesetzt werden können. Sport-Großereignisse bekommen immer öfter ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn sie ihre Legitimation nur ziehen aus einer gut vermarkteten Hochglanz-Show: Finanziert von teils korrupten Funktionären und mächtigen Staatenlenkern auf Kosten anderer, um ihr eigenes Image aufzupolieren.

Nun wird das Sportfest ab heute und den Blick auf den Fußball lenken – was nicht nur schlecht ist. Denn das Spiel bleibt das Schönste der Welt. Und es wird viele Chancen bieten zum Kontakt und Austausch zwischen den Kulturen, vor allem auch neben dem Platz. Das wird den Lauf der Geschichte nicht sofort auf den Kopf stellen. Aber die besonderen persönlichen Kontakte im Umfeld eines solchen Ereignisses können dazu beitragen, Beziehungen über potenzielle Frontlinien zu vertiefen und das Verständnis für die andere Seite über die Freudentage einer WM hinaus zu erhöhen. Eine Sache, die als Gegengewicht wichtig ist in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen völlig unbedarft durch krude Thesen aus dubiosen Quellen im Internet manipulieren lassen.

Lasset also die Spiele beginnen und lasst sie uns genießen – in einem Land, dessen Menschen keine leichte Last tragen, aber dennoch so gerne gute Gastgeber sind.