Reporter unterwegs bei Fußball-WM 2018 WM-Blog „Fussland“: Die WM auf den Schlachtfeld des 2. Weltkrieges

Von Benjamin Kraus

Die Die "Alte Mühle" in Wolgograd. Ein aus dem 2. Weltkrieg original erhaltenes, in der Schlacht von Stalingrad zerstörtes Gebäude.

Moskau. Benjamin Kraus arbeitet seit 2009 für die Sportredaktion der NOZ-Medien – und besucht mit der Fußball-WM 2018 in Russland sein erstes großes Turnier als Reporter. Hier bloggt der 36-Jährige über seine ganz persönlichen Erlebnisse beim Weltturnier.


WM-BLOG „FUSSLAND“

24. Juni 2018 23:49
Tag zwölf  in Russland. Der Rückblick auf Sotschi.
Ist das Kunst? Oder kann das weg? Das habe ich mich nicht nur einmal in zwei Tagen in Sotschi-Adler gefragt.
Wahnsinn, was die hier hingebaut haben. Aber auch Wahnsinn, was von alledem langfristig nicht genutzt wird. So meine Gedanken, als ich durch den Olympiapark laufe. Für die Winterspiele 2014 auf demselben Breitengrad wie Nizza am Mittelmeer – ein absurdes Projekt – haben sie ein 650 Millionen Euro teures Stadion hingestellt. Und nun zur WM für 54 Millionen Euro umgebaut, für sechs Fußballspiele nach FIFA-Regularien. Bevor angesichts eines fehlenden Profifußballklubs bald ein Zweitligist aus St. Petersburg dorthin verpflanzt wird.
Ungenutzt daneben thront die Curlinghalle, auch viele Häuser im olympischen Dorf stehen leer. Aushänge mit Angeboten zeigen an: Sie finden keinen Käufer. Leben soll der Freizeitpark ins Viertel bringen. Er steht für das, was den Touristenort Sotschi-Adler charakterisiert: Kitsch. Viel bunt blinkende Kulisse, kaum Substanz dahinter.
Dazu passen die nach 23 Uhr fast leeren Beachbars an der Strandpromenade, deren Musikboxen dennoch so viel Lärm fabrizieren, als würden Tausende eine wilde Party feiern. Echtes Leben auf den Straßen gibt es nur im alten Ortskern jenseits des Flusses Msymta und im 30 Kilometer entfernten Sotschi-Stadt. Adler bleibt ein Kunstprodukt. Hauptbeschäftigung der am Strand urlaubenden Russen: Ideale Fotos von ihren durchtrainierten (Männer) und gebräunten (Frauen) Körpern für die sozialen Netzwerke schießen. Alles Fassade halt.
Aber ich will nicht zu sehr lästern. Sotschi-Adler hat mir Sonne, Strand, ein Bad im Meer, großartige Begegnungen und ein überragendes Fußballspiel geschenkt. Nun ist der grüne Haken dran. Und jetzt, frei nach Oliver Kahn: Immer weitermachen.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 21:34
Gute Nacht aus Wolgograd
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 21:01
Die Alte Mühle. Morgen geht es weiter auf Spurensuche in der Stadt Wolgograd, am Nachmittag dann zum Fußball. Mehr dann hier auf diesem Kanal.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:54
Und hier eine kleine Story zu den Auftritten von Sebastian Rudy - überraschend drin, schnell wieder raus - und Marco Reus, der bei seiner WM-Startelf-Premiere gleich traf.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:52
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:51
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:48
Hier das Stadion in Wolgograd. Im Medienarbeitsbereich habe ich am Sonntag sechs Stunden verbracht, um die Geschichten zum dramatischen 2:1-Sieg der Nationalelf zu schreiben.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:47
Verkehrsansicht Eisenbahn, hinten auf dem Berg die große Gedenkstatue "Mutter Heimat". Die werden wir morgen besuchen.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:46
Verkehrsansicht mit O-Bus.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:45
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:44
Die Einschusslöcher...
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:43
Wie hier die "Alte Mühle" ein komplett im Zustand des 2. Weltkrieg erhaltenes Haus. Beklemmend.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:42
Ich begebe mich hier für eineinhalb Tage auf Spurensuche auf der Vergangenheit. Motto: Die WM auf dem alten Schlachtfeld von Stalingrad. Vier Spiele finden hier statt, unter anderem am Montag Saudi-Arabien gegen Ägypten und am Donnerstag Polen gegen Japan
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:40
Angekommen im ehemaligen Stalingrad - ein geschichtsträchtiger Ort des 2. Weltkrieges. Wir sind am Sonntagmorgen die einzige Maschine auf dem Rollfeld.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 20:39
Das dürfte die kleinste Maschine sein, mit der ich je geflogen bin: Auf mit 50 Mitreisenden im Propellerflugzeug nach Wolgograd!
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 04:15
Das Gewitter, das sich schon tagsüber über Sotschi angekündigt hat, entlud sich nun recht heftig in der Nacht. Am Flughafen ist alles nass - der Kurort verabschiedet mich mit viel Wasser.
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 03:53
Frage: Wohin geht es wohl als Nächstes?
Benjamin Kraus
24. Juni 2018 01:24
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 19:22
So liebe Freunde, jetzt wird es ernst. Do or die, 1/6. Auf gehts.
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 15:05
Eine schöne Stimmung nun tagsüber am Strand: Normale Touristen sowie Fussballfans aus aller Welt - vornehmlich aus Schweden, aber auch aus Deutschland - baden im Meer oder hängen in den Strandbars ab, um Fussball zu schauen.
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 14:29
...Grüsse von den Osnabrücker Fans der Nationalelf um Christian Hempen aus Belm (Rechts, 2. von vorn) - Story to come in diesem Kanal.
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 14:27
Grüsse vom Strand. Und...
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 12:35
Kimmich übrigens dabei mit zwei Meter Abstand zu Rüdiger. Man könnte böswillig sagen: Schon wieder eine nicht gut gelungene Raumaufteilung. Aber lassen wir den Spott. Heute Abend gilt es.
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 12:27
Mittagspause für die Nationalspieler: Joshia Kimmich und Antonio Rüdiger nutzten das eben für einen kleinen Abstecher zum Strand. Gesehen vom NOZ-Reporter unterwegs
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 01:48
Reporter unterwegs: Tag1 in Sotschi
Die lange Zugfahrt nach Sotschi (siehe unten) hat meinen Gleichgewichtssinn gestört. Das habe ich beim Radfahren gemerkt.
24 Stunden über russische Bahngleise – da fasst man schon mal wirre Gedanken. Beispiel: Die Russen haben einst nicht aus militärstrategischen Überlegungen breitere Spurweiten bei ihren Bahnschienen gewählt, sondern in weiser Voraussicht. Damit schwankende Doppelstockwaggons des 21. Jahrhunderts bei der Fahrt weniger leicht umfallen.
Ab und an hatte ich das Gefühl, dass das gleich passiert, als ich in meiner Koje die Wackelei massivst gespürt habe. Später half sie mir beim Einschlafen, in der Nacht ist sie wohl in meinen Körperkreislauf eingedrungen. So die Erklärung für die Ereignisse, als ich in Sotschi am Bahnsteig wieder festen Boden unter den Füßen betreten habe.
Erst habe ich die Schaffnerin angerempelt. Dann habe ich eine am Boden stehende Bierflasche umgetreten. Später bin ich mit dem Knie an einem weit sichtbaren Begrenzungspoller hängen geblieben. Ich habe beim Laufen offenbar weiter versucht, die Schwankungen im Zug auszugleichen. Plötzlich waren sie weg – und ich lief rum wie ein Betrunkener.
Das kann ja lustig werden, dachte ich, als ich am Hotel ein Rad ausgeliehen habe, um über die Strandpromenade zum Training der Nationalelf im Fischt-Stadion zu fahren. Vor allem, als ich gesehen habe, dass neue Wackelei dazukommt: Auf dem Radweg gibt es Bodenschwellen zur Reduzierung der Geschwindigkeit – für Fahrer nervige Hindernisse, die es sonst nur dort gibt, wo reiche Menschen wohnen, die den Durchgangsverkehr vor ihrer Haustür vertreiben wollen.
29 dieser Schläge passiere ich auf dem Weg zum Stadion. Als ich ankomme, fühle ich mich vermöbelt wie nach einem Boxkampf.
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 01:38
Klappt es heute mit einem Sieg in Sotschi gegen Schweden: Ganz am Ende des Kurzvideos vom Abschlusstraining gibt es zumindest eine Reaktion auf diese Frage...
Benjamin Kraus
23. Juni 2018 01:15
Benjamin Kraus