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Bayern-Keeper im Tor „Richtiger Test“ für Neuer gegen Österreich

Von dpa

Steht im WM-Test gegen Österreich im DFB-Tor: Manuel Neuer. Foto: Christian CharisiusSteht im WM-Test gegen Österreich im DFB-Tor: Manuel Neuer. Foto: Christian Charisius

Eppan. Der WM-Countdown für Manuel Neuer läuft: Gegen Österreich wird der Kapitän im Tor stehen. Sein 75. Länderspiel wird zum ultimativen Nummer-1-Test für Russland. Danach ist Löws „Fingerspitzengefühl“ gefragt. Beim Mini-Turnier glänzt Sané - und es müllert wieder.

Am Tag nach dem ersten kleinen Praxistest in einem Übungsspiel stand Manuel Neuer in Südtirol schon wieder als Erster auf dem Trainingsplatz.

Und das blaue WM-Trikot mit der Nummer 1, das der Weltmeister-Torwart am Vorabend beim 30-Minuten-Einsatz gegen die U20-Auswahl getragen hatte, wird er auch am Samstag (18.00 Uhr) erstmals nach anderthalb Jahren Pause wieder in einem Länderspiel überstreifen. „Stand jetzt wird Manuel gegen Österreich spielen“, verkündete Bundestorwarttrainer Andreas Köpke schon am Dienstag.

Neuers persönlicher WM-Countdown läuft. Sein 75. Länderspiel im Wörthersee-Stadion von Klagenfurt muss darüber entscheiden, ob der 32 Jahre alte Bayern-Schlussmann Titelverteidiger Deutschland auch bei der WM in Russland als Kapitän und Nummer 1 anführen wird. „Das ist ein richtiger Test“, erklärte Köpke zur Bedeutung der Österreich-Partie als ultimative WM-Prüfung für Neuer. „Das sind Spiele, die er jetzt braucht.“ Zwei Tage später muss Bundestrainer Joachim Löw den vorläufigen Kader von noch 27 Akteuren auf die WM-Größe von 20 Feldspielern und drei Torhütern reduzieren.

Nach der Rückkehr aus Klagenfurt müsse der Trainerstab gemeinsam mit Neuer das „Fingerspitzengefühl“ besitzen, „ob es geht oder nicht“, sagte Köpke zum Verfahren. Bedenken, sagte der Torwartcoach, habe er aktuell nicht. Neuer fehle einzig die Wettkampfpraxis. Die Trainingseindrücke seien top. „Es war, als wenn er nicht weggewesen wäre“, äußerte Köpke. Sprungkraft, Beweglichkeit, alles sei wieder zu sehen bei Neuer: „Er nimmt mit dem Fuß keine Schonhaltung ein.“

Die Platte im operierten linken Fuß scheint ihren Dienst zu tun. Neuers Mini-Comeback beim 7:1 am Montagabend im 60-Minuten-Test gegen die U20 war nützlich, aber nur bedingt aufschlussreich. „Die Jungs haben nicht so viel zu tun bekommen“, verriet Köpke über die jeweils 30 Minuten im Tor eingesetzten Neuer und Marc-André ter Stegen. „Gegen Österreich wird Manu sicherlich mehr zu tun bekommen“, sagte Köpke: „Spiele helfen ihm jetzt, Sicherheit zu bekommen.“

Wie überzeugt die Sportliche Leitung um Löw von Neuers WM-Chance ist, beweist die Tatsache, dass sie ter Stegen im Trainingscamp frühzeitig auf die Zurückstufung zur Nummer 2 vorbereitet. Löw und Köpke haben dem 26 Jahre alten Schlussmann des FC Barcelona „die besondere Situation mit Manu“ in einem Gespräch frühzeitig erläutert, wie der Torwartcoach berichtete. „Wir sind mit Manu Weltmeister geworden, er ist auch unser Kapitän“, verdeutlichte der 56-jährige Köpke.

Ein Votum pro Neuer wäre dennoch keines gegen ter Stegen. „Wir hätten absolut keine Bedenken, mit Marc als Nummer 1 in die WM zu gehen“, versicherte Köpke. Bayern-Verteidiger Mats Hummels vermied eine klare Positionierung pro Vereinskollege Neuer: „Mit beiden Torhütern, die wir als potenzielle Nummer 1 zur Verfügung haben, funktioniert es sehr gut.“

Das Torwart-Thema rückt im Trainingscamp alles in den Hintergrund. Dabei wird auf jeder Position eifrig gekämpft - und erste Trends sind erkennbar. „Es ist richtig Zug drin. Alle wollen sich anbieten für den Kader, für die WM-Elf“, sagte der in der Abwehr gesetzte Hummels begeistert nach einem intensiven Kleinfeldturnier.

20 Feldspieler und vier Torhüter wurden in vier Sechs-Mann-Teams eingeteilt. Besonders auffällig agierte Leroy Sané im „Team Blau“. Der 22 Jahre alte Offensivspieler von Manchester City schoss bei den 1:0-Siegen in den zwei Finalspielen gegen das weiße Sextett von Weltmeister Hummels jeweils das Tor. Mit insgesamt drei Treffern war Thomas Müller im Team von Torwart Neuer, das Dritter wurde, der Torschützenkönig. Augenfällig war auch, dass Spielmacher Mesut Özil noch weit entfernt ist von der nötigen Fitness und WM-Form.

Mario Gomez konnte im Gegensatz zu Sané, Müller oder dem ebenfalls agilen Angreifer Timo Werner nicht mit Toren beim Turnier punkten. Der 32 Jahre alte Angreifer fehlte auf dem Platz und absolvierte stattdessen eine Regenerationseinheit im Fitnesszelt. Dort setzte auch Jérôme Boateng sein individuelles Aufbauprogramm abseits der Mannschaft fort. Köpke versuchte, Sorgen Richtung WM zu zerstreuen: „Jérôme ist voll im Soll.“

Beim WM-Triumph vor vier Jahren in Brasilien waren gerade Neuer und Boateng zwei Erfolgsgaranten. Ein Vergleich zwischen dem Team 2014 und der Mannschaft für Russland sei „schwer zu ziehen“, erklärte Hummels: „Was man sagen kann, ist, dass wir definitiv wieder Qualität, Willen und Moral besitzen, um zu gewinnen. Aber das heißt nicht, dass man den Titel automatisch holt.“