Darts-Spieler im Interview Max Hopp: „In der Darts-Welt musst du auf den Putz hauen“

Von Johannes Giewald

Will die Großen der Welt ärgern: Darts-Spieler Max Hopp.Foto: imago/Agentur54GradWill die Großen der Welt ärgern: Darts-Spieler Max Hopp.Foto: imago/Agentur54Grad 

Osnabrück. Max Hopp ist Deutschlands derzeit bester Darts-Spieler. Im Interview mit unserer Redaktion spricht er über die Zukunft des deutschen Darts-Sports, welchen Traum er sich erfüllen will, wie sehr die zurückgetretene Darts-Legende Phil Taylor fehlt.

Herr Hopp, wie viele Stunden müssen Sie am Tag trainieren, um das Profiniveau der PDC zu halten?

Ich trainiere vier Stunden täglich am Darts-Board. Dazu kommt dreimal wöchentlich ein gesondertes Fitness-Programm.

An Fitness, Kraft und Kondition denkt man ja beim Darts nicht sofort.

Auf den ersten Blick denkt man das, aber so ein Training ist schon sehr komplex. Man absolviert ein Zirkeltraining mit ein paar Kraftübungen – auch Yoga-Übungen werden mal mit einbezogen. Dazu macht man viel Rücken- und Oberschenkeltraining, um den Stand zu optimieren. Wir müssen mehrere Stunden stehen, bei bestimmten Events können das bis zu acht Stunden werden.

Sie haben neulich als erster Deutscher ein PDC-Ranglistenturnier gewonnen. Geht es nach dem Erfolg nun nach ganz oben?

Der erste Schritt ist natürlich gemacht, da bin ich sehr stolz drauf. Nichtsdestotrotz muss man sich den großen Jungs öfter unter Beweis stellen. Ich stehe jetzt in der Weltrangliste auf Position 40, da ist noch viel Luft nach oben.

Wie sehen denn Ihre langfristigen Ziele aus?

In erster Linie möchte ich unter die Top 32 der Welt gelangen. Dann gilt man wirklich als Topspieler.

Dafür müssen Sie im Kopf stärker werden, hat Darts-Legende Phil Taylor über Sie gesagt. Was kann er damit meinen?

Wahrscheinlich meint er die Erfahrung. Am Anfang war ich immer der Jüngste in der Runde. Man spielt gegen mehrfache Weltmeister mit jahrelanger Routine. Dementsprechend treten sie auch auf. Die nehmen mich eben als kleinen Schuljungen wahr, und in so einer Männerwelt musst du erst mal auf den Putz hauen und zeigen: „Jungs, nehmt mich auch mal ernst, ich bin gefährlich.“ Ich glaube, diese Message ist angekommen, und jetzt geht es darum, das öfter zu machen, dass man in 20 Jahren selbst so abgezockt ist.

Sie sprechen von 20 Jahren. Heißt das, es gibt für Sie nur ein Berufsleben als Darts-Spieler, oder gibt es einen Plan B?

In erster Linie gibt es für mich nur das. Ich habe mit 16 den Entschluss gefasst, mich damit selbstständig zu machen – ein wenig gegen den Willen der Eltern. Ich habe es geschafft, ich kann Profi sein, und das möchte ich noch viele Jahre weitermachen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass man fit bleibt und auch den ganzen Erfolgsdruck und die Reiserei vertragen kann. Ich möchte Deutschland voranpeitschen, dass mehr Junge nachkommen. Ein Traum von mir ist, irgendwann eine Darts-Akademie für die Jugend zu errichten.

Auf der Weltrangliste tauchen Sie als erster Deutscher auf Platz 40 recht weit unten auf. Stehen durch den Darts-Hype in Deutschland bald mehr Spieler oberhalb der Top 40?

Wir haben sehr viele Talente. Die Zeit wird zeigen, wie viele sich davon durchsetzen und wie viele auch die Faktoren drum herum vertragen. Man schläft über 270 Nächte im Jahr in einem anderen Bett. Man steht unter ständigem Leistungsdruck, und es wird viel von einem abverlangt. Ich hoffe, dass es viele anpeitscht zu sehen, man kann es schaffen und sich damit seinen Lebensunterhalt finanzieren. Das sollte viele Jungen motivieren, nicht nur Fußball oder Handball zu spielen, sondern auch mit Darts anzufangen.

Sie sprechen den Leistungsdruck an, wie gleicht man den auf diesem Niveau aus?

Jeder hat da eine andere Methode. Mich peitscht es nur noch mehr an, wenn Leute sagen: „Du schaffst das nicht.“ Man sieht es auch im Fußball, da gibt es Spieler, die müssen in ihren Tunnel gelangen. Nach einem Turniersieg wie in Saarbrücken mache ich beispielsweise mein Handy nicht an, um mich einfach nicht ablenken zu lassen. Wenn mir das Drumherum zu viel wird, dann ziehe ich mich zurück.

Stichwort Tunnel: Sie stehen auf der großen Bühne, hinter Ihnen singen und grölen Hunderte oder Tausende Fans. Ist man da im Tunnel und blendet das aus,oder nimmt man das mit?

Man nimmt es natürlich wahr. Ich schaffe es aber, mich in den Tunnel zu bringen. Man kann das Publikum nicht ausblenden, dafür ist es einfach zu laut und zu verrückt. Ich schaue meistens meine Pfeile an, spiele daran herum, sage mir irgendwas Positives, dann nimmst du gar nicht wahr, was im Publikum passiert.

Was müssen Amateurspieler machen, um besser zu werden?

Viele Turniere spielen. Die Wettkampfsituation bringt dich einfach weiter, weil am Board zu Hause hast du einfach nicht den Druck, den du im Wettkampf hast. Es ist ganz wichtig, dass sich viele dieser Wettkampfsituation stellen. Nur so wachsen sie an ihren Aufgaben und lernen einfach mehr.

Wir schreiben die ersten vier Monate nach Phil Taylors Rücktritt vom professionellen Darts-Sport. Wie sehr macht sich sein Fehlen bemerkbar?

Allein seine Erscheinung, wenn er in den Raum kommt. Auch wenn er für zehn Minuten greifbar war, war das immer ein toller Moment. Er ist wirklich so ein alter, weiser Mann, der gerade Jugendspielern immer einen Tipp oder einen Schlag auf die Schulter mitgibt oder sie ein bisschen aufzieht. Er ist ein toller Mensch, das macht sich bemerkbar, wenn so einer fehlt. Nichtsdestotrotz geht unsere Reise weiter, wir wollen alle mal annähernd dahinkommen, wo er hingekommen ist.

Kann ihn jemand ersetzen?

Meiner Meinung nach schafft es nie wieder ein Spieler, auch nur zehn Weltmeistertitel zu holen, denn die Leistungsdichte ist dafür einfach viel zu groß geworden. Man sieht es ja, dass ein Weltmeister schlagbar ist. Man sieht, dass auch van Gerwen verwundbar ist. Diese krasse Dominanz, die einst Phil Taylor hatte, die kriegt nie wieder einer hin.


Max Hopp wird am 20. August 1996 im hessischen Idstein geboren. Im Alter von 13 Jahren gewinnt er sein erstes Jugendturnier. 2015 holt er als jüngster Spieler aller Zeiten die PDC World Youth Championship. Als 17-Jähriger qualifiziert er sich erstmals für die Darts-WM am Jahresende. Er erreicht das Turnier fünf Jahre in Folge, scheidet aber immer in der ersten oder zweiten Runde aus. Im April gewann er als erster deutscher ein Ranglistenturnier der Professional Darts Corporation (PDC), die German Darts Open in Saarbrücken.

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