Zwei ungelöste Stadionfragen Investitionsstau bei Drittliga-Kandidaten Flensburg und Uerdingen

Von Benjamin Kraus


Osnabrück. Der KFC Uerdingen hat am Sonntag als Meister der Regionalliga West das Ticket für die Aufstiegsspiele zur 3. Fußball- Liga gelöst. Wer der Nordvertreter in den K.-o.-Partien wird, entscheidet sich erst an diesem Mittwoch.

Klar ist, dass sich der 1. FC Saarbrücken und 1860 München genauso in einem Direktduell um den Aufstieg in die 3. Liga streiten wie Uerdingen und Waldhof Mannheim. Wer in den Partien am 24. und 27. Mai Gegner von Energie Cottbus sein wird, entscheidet sich erst in einem Nachholspiel der Regionalliga Nord, das nach Abschluss der regulären Runde kurioserweise erst morgen ausgetragen wird.

Blick zum KFC Uerdingen: Der Traditionsklub aus Krefeld hat mit dem ungefährdeten 5:0-Sieg am Sonntag in Wiedenbrück sein Meisterstück gemacht – ein aufziehendes Gewitter entpuppte sich dabei als größte Gefahr für den Erfolg. Tragende Säulen des Teams von Trainer Stephan Krämer waren einmal mehr Stürmer Lucas Musculus (18 Saisontore, traf in Wiedenbrück zweimal per Elfmeter) sowie der Bundesligaerfahrene Maximilian Beister (HSV, Düsseldorf), der das 1:0 schoss – sein elftes Saisontor. Im Kopf-an-Kopf-Rennen blieb Uerdingen damit vor Viktoria Köln um die Ex-Osnabrücker Tobias Willers und Kemal Rüzgar (im letzten Spiel ein bedeutungsloses 4:4 gegen Mönchengladbach II).

Nun aber hadert der KFC damit, dass er sich für die entscheidenden K.-o.-Spiele gegen Waldhof Mannheim ein neues Stadion suchen muss: Die heimische Grotenburg, in der der KFC seit 39 Ligaspielen unbesiegt ist, ist in die Jahre gekommen und erfüllt diverse Anforderungen des DFB nicht. Laut der Stadt Krefeld fehlen „Sicherheitsvorrichtungen und -regelungen für Spiele mit einer deutlich erhöhten Zuschauerresonanz und einem erhöhten Gefährdungsrisiko“ – Mängel, die auch durch mehr Sicherheitspersonal nicht beseitigt werden könnten. Die Suche nach einer Alternative läuft: So fragte der KFC beim benachbarten Zweitligisten MSV Duisburg an, Meidericher Fans protestierten aber beim letzten Saisonspiel in der 2. Bundesliga gegen St. Pauli am Sonntag gegen eine mögliche Vermietung der Arena an den ungeliebten lokalen Rivalen. Heute will der KFC dem DFB ein Ausweichstadion vorschlagen.

Um die Grotenburg drittligatauglich zu machen, hatte die Stadt bereits vor einiger Zeit ein Sanierungspaket beschlossen – Kostenpunkt etwa 8,7 Millionen Euro. Auch während des Umbaus müssten die Fußballer ihre Heimspiele in einem Ausweichstadion austragen. Boss und Investor beim KFC ist Mikhail Ponomarev: ein russischer Geschäftsmann, der sich seit 2015 beim KFC engagiert. „Wir wollen so schnell wie möglich in die 2. Liga“, sagte er kürzlich in einem Interview der „Rheinischen Post“. Die 3. Liga sähe er nur als Durchgangsstation an.

Blick in die Nordstaffel: Der 34. Spieltag ist gespielt, aber der Meister steht noch nicht fest: Viele Spielausfälle nach einem harten Winter machten es notwendig, auch nach dem letzten Spieltag noch Nachholspiele anzusetzen.

Darunter die Partie des SC Weiche Flensburg 08, der am Mittwoch (19 Uhr) beim TSV Havelse einen Punkt braucht, um die Tabellenführung zu verteidigen vor dem Hamburger SV II, der im Falle eines Sieges der Hannoveraner Vorstädter mit dem besseren Torverhältnis an Weiche vorbeiziehen würde. Nach dem 4:2-Erfolg seines HSV II gegen Braunschweig II nach 0:2-Rückstand sagte Torwart Morten Behrens euphorisch: „Jetzt fahren wir nach Havelse und schreien die zum Sieg.“ Nicht anfeuern kann er dabei den Ex-Osnabrücker Tom Christian Merkens, der die Saison fast komplett durchspielte, gegen Flensburg aber mit muskulären Problemen fehlen wird. „Für unsere Jungs bietet die Partie aber schon Motivation und einen Anreiz“, deutet Merkens an, dass Havelse das Spiel nicht abschenken wird.

Der HSV II also in der Relegation mit den Stützen Bjarne Thoelke in der Abwehr und Törles Knöll im Sturm (21 Saisontore), an dem der 1. FC Nürnberg und Sandhausen Interesse haben sollen? Oder doch die Flensburger um Torjäger René Guder (15 Treffer) und den 35-jährigen Ex-Osnabrücker Fiete Sykora, der keinen Stammplatz im Team mehr hat?

Für Weiche würde sich im Falle eines Sieges in Havelse wie in Uerdingen die Stadionfrage stellen. Das Manfred-Werner-Stadion bietet nur Platz für 4000 Fans und ist heruntergekommen. Weiche-Geschäftsführer Harald Uhr gab unlängst gegenüber der Fachzeitschrift „Stadionwelt“ aber zu Protokoll, dass bestehende Pläne für den Umbau angeblich in zehn bis zwölf Wochen realisiert werden könnten – was nichts daran ändert, dass Flensburg etwaige Aufstiegsspiele woanders, etwa in Kiel, Lübeck oder Hamburg, austragen müsste.