Fußball-Talks unter der Lupe: 100% Bundesliga Bruchhagen übernimmt Mitverantwortung für HSV-Abstieg

Von Micha Lemme

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Der ehemalige Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen gibt sich nach dem HSV-Abstieg selbstkritisch. Foto: WittersDer ehemalige Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen gibt sich nach dem HSV-Abstieg selbstkritisch. Foto: Witters

Osnabrück. Am Montagabend stand Heribert Bruchhagen, der bis März 2018 noch als Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV tätig war, bei „100% Bundesliga“ Rede und Antwort. Bruchhagen übte Selbstkritik und erkannte eine Teilverantwortung für die sportliche Talfahrt auch bei sich selbst. Klare Worte fand er auch zur Debatte um die Erdogan-Bilder von Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Bruchhagen fand gleich zu Beginn der Sendung klare Worte zu seinem Engagement beim HSV: „Als Vorstandsvorsitzender hat man die Gesamtverantwortung und der bin ich nicht gerecht geworden.“ Er habe nach der guten Rückrunde der Saison 2016/17 und dem Saisonstart im vergangenen Sommer keinerlei Argwohn gehabt, dass die Hamburger Mannschaft in eine so prekäre Situation kommen würde. „Aber ich habe in meiner Einschätzung falsch gelegen und diesen Vorwurf muss ich mir machen“, so Bruchhagen deutlich.

Bruchhagen: Wenn du absteigst, kann jeder alles sagen und hat immer Recht

Im Saisonverlauf des HSV habe sich eine Negativdynamik entwickelt, bei der man „im Nachhinein vielerlei Argumente heranholen kann“. „Wenn am Ende die Ergebnisse nicht stimmen und du bist abgestiegen, kann jeder alles sagen und er hat immer Recht“, sagte Bruchhagen in Bezug auf Kritik jeglicher Art. Neben einer gesunden Portion Selbstkritik nahm er jedoch auch die Mannschaft klar in die Pflicht: „Niemand, weder Hollerbach noch Gisdol, hat die Spieler daran gehindert, ein solches Leistungsbild zu zeigen, wie sie es zuletzt gezeigt haben.“

„Die Ultras müssen sich jetzt entscheiden, was sie wollen“

Auch zu den Vorkommnissen beim letzten Heimspiel des HSV, als einige wenige Chaoten das emotionale und friedliche Gesamtbild durch den Einsatz von Pyrotechnik störten, hatte Bruchhagen eine klare Meinung: „Die Ultras müssen sich jetzt entscheiden, was sie wollen: Wenn sie Fußball nicht lieben, sollen sie abhauen. Wenn sie Fußball lieben, und das unterstelle ich noch dem Großteil dieser Gruppierung, dann müssen sie sich halt zum ersten Mal nicht mehr in der Gruppe solidarisch verhalten, sondern sie müssen diese Leute aussondern.“ Für diese Äußerungen erntete Bruchhagen im Studio reichlich Applaus.

Bruchhagen hält mögliche Nichtnominierung von Özil und Gündogan für überzogen

Auch zur aktuellen Debatte um die gemeinsamen Fotos von Özil und Gündogan mit dem türkischen Staatschef Erdogan traf Bruchhagen den Nerv des Studiopublikums, als er klarstellte: „Aus diesem Sachverhalt eine Suspendierung oder Nichtnominierung zu machen, halte ich für überhaupt nicht angebracht und völlig überzogen.“ Vielmehr sollte man Fragen zu den Hintergründen dieser Aktion stellen: „Wer hat sie denn eingeladen, dort hinzugehen? Wo ist denn der Verein, der dazu seine Position hat? Wie werden sie geführt und wie kann man auf ein solches Bild kommen und in eine solche Veranstaltung geraten?“


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