„Ohne Neugier und Emotion geht nichts“ Der Fotograf Sascha Fromm über den Reiz des kleinen Sports

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Osnabrück. Seine Erkennungszeichen sind die Glatze und die Kappe, die er stets verkehrt herum trägt. Sein Markenzeichen sind herausragende Sportfotos: Sascha Fromm aus Thüringen räumt seit vielen Jahren regelmäßig Preise und Auszeichnungen ab. Und zwar nicht nur mit Motiven von internationalen Topereignissen, sondern oft mit Fotos vom kleinen Sport vor Ort.

So auch beim Wettbewerb „Sportfoto des Jahres“, der seit fast 50 Jahren vom Verband Deutscher Sportjournalisten und vom Fachmagazin „Kicker“ veranstaltet wird. Der 51-Jährige siegte in der Kategorie „Sport allgemein Action“ mit einem Bild von der Thüringer Landesmeisterschaft im Wasserball. Wir fragten ihn nach seinem Erfolgsgeheimnis, sprachen mit ihm über die Faszination des Sports an der Basis und baten ihn, uns eine Auswahl seiner Lieblingsmotive zusammenzustellen.

Herr Fromm, Sie sind bei dem Wettbewerb zum Sportfoto des Jahres ja nun nicht zum ersten Mal unter den Preisträgern. Wie schaffen Sie das?

(lacht) Wenn ich das wüsste. Ich weiß auch nicht, was da los ist. Ein Geheimnis gibt es da sicherlich nicht für. Ich freue mich auch jedes Mal aufs Neue. Ich glaube, das ist wirklich harte Arbeit und viel Enthusiasmus. Das Herzblut hängt an der Sportfotografie dran. Mein Vater hat das auch schon viele Jahre gemacht und ich bin eigentlich ein bisschen in seine Fußstapfen getreten. Und das war auch das, was ich machen wollte – Sportfotograf sein. Nicht nur Sportfotograf, sondern ich hab in den ganzen Jahren auch andere Dinge wie Kriege, Naturkatastrophen und traurige Dinge fotografiert und finde das mindestens auch genauso spannend. Aber auf der Sportfotografie ist auch immer noch mein Hauptaugenmerk.

Sie fotografieren also nicht nur sportliche Motive, sondern alles, was Ihnen gerade so zwischen die Finger kommt?

Ich bin ja fest angestellt bei der Thüringer Allgemeinen in Erfurt, da kann ich sowieso nicht nur Sport machen. Aber die große Liebe ist natürlich nach wie vor der Sport, weil ich auch selbst lange Jahre Fußball gespielt habe. Da hängt trotzdem schon das Herz dran.

Braucht man eine gewisse Begeisterung dafür?

Auf alle Fälle! Ich bin von Natur aus sehr neugierig und das hilft auch gerade bei Sportarten, die man vielleicht noch nie gesehen hat oder selber noch nie fotografiert hat. Ich versuche schon wirklich, mich sehr intensiv damit zu beschäftigen, was da eigentlich passiert, warum Dinge passieren, wie sie passieren. Ich glaube, das ist auch sehr wichtig, wenn man sich mit den Sportarten ein bisschen auskennt: Die Regeln, die wichtigsten Leute. Aber man muss immer auch ein Auge haben für ganz spontane Dinge, die man gar nicht erwartet.Foto: Sascha Fromm

Wie gelingt es Ihnen denn, bei so kleinen Sportereignissen so große Bilder zu machen? Was ist Ihr Geheimnis?

Ich finde ja immer, Emotionen sind das Geheimnis für gute Bilder. Das muss jetzt nicht bedeuten, dass da auf den Bildern Sportler sind, die schreien oder sich über irgendwelche Dinge freuen. Emotionen kann ich auch mit einem schönen Licht wecken, wenn beispielsweise ein Lichtstrahl durch die Wolken auf eine Situation schießt. Im Prinzip hat alles mit Emotionen zu tun. Ich möchte bei dem Betrachter Emotionen wecken und ihm ab und zu halt auch Dinge zeigen, die er so im Fernsehen nicht sieht, durch einen besonderen Winkel, eine besondere Einstellung und eine besondere Nähe. Da kann man das eigentlich ganz gut rüberbringen. Ich gehe sehr gerne zu diesen kleineren Sportveranstaltungen. Erstmal mach ich das sowieso, weil das zu meinem Job gehört und für die Berichterstattung. Und dann bleibe ich auch einfach länger da als ein anderer Fotograf manchmal. Weil es nicht nur die Dinge gibt, die man exakt während des Wettkampfes hat, sondern auch manchmal davor oder danach. Es kann auch eine wunderschöne Randszene sein, die in den Katakomben von einer Sporthalle passiert. Man muss eigentlich immer neugierig sein und versuchen, Dinge zu fotografieren, die einen selber auch interessieren. Das ist vielleicht so ein Geheimnis dafür.

Haben Sie ein Lieblingsmotiv? Was fotografieren Sie besonders gerne?

Das kann man so gar nicht sagen, weil mich eigentlich auch alles interessiert. Es gibt ein paar Motive, die ich im Nachhinein jetzt schön finde und an denen mein Herz hängt. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich eine Sportart habe, wo ich sage: Da macht es am meisten Spaß. Ich suche mir auch oftmals am Wochenende Dinge, die ich selber vielleicht noch nie gesehen habe, oder kenne. In 30 Jahren gibt es immer noch mal Dinge, die neu sind. Es kommen neue oder irgendwelche verrückten Sportarten hinzu. Also so ein richtiges Lieblingsmotiv gibt es eigentlich nicht.

Aber ein, zwei Bilder mochten Sie in der Vergangenheit doch ganz gerne?

Das sind auch manchmal traurige Sachen, weil die mich emotional berührt haben. Als ich beispielsweise das erste Mal in einem Kriegsgebiet war beim Bosnien-Krieg 1992 – und das mitten in Europa. Oder es gibt auch ein paar Bilder von den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin, wo die sogenannten Exoten beim Langlauf alle zusammen gerade ins Ziel kommen und jeder ganz unterschiedlich reagiert und sich freut oder auch total abgekämpft ist. Das ist so eins meiner Lieblingsmotive. Dann hab ich auch den Mauerfall 1990 in Berlin, wo die Menschen auf der Mauer sitzen, fotografiert. Da gibt es schon noch einige Motive, an denen ich sehr hänge, an denen auch ganz viele Erinnerungen angehaftet sind.


Sascha Fromm

ist 1967 im thüringischen Gotha geboren und lebt inzwischen in Riechheim bei Erfurt. Als redaktioneller Mitarbeiter fing er 1986 zu DDR-Zeiten mit dem Fotografieren an und begleitete seinen Vater, der ebenfalls Fotograf war, am Wochenende immer wieder zu Fußballspielen. So fotografiert er dann selbst auch beispielsweise Spiele in Jena. 1990 wurde er dann bei der Thüringer Allgemeinen in Erfurt fest als Bildredakteur angestellt und arbeitet seitdem dort.

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