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Sky-Fußballkommentator im Interview Warum Franck Ribéry mal sauer auf Wolff-Christoph Fuss war

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Unverwechselbare Röhre: Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss ist das stimmliche Aushängeschild von Sky. Foto: Sky/Ralf IbingUnverwechselbare Röhre: Fußballkommentator Wolff-Christoph Fuss ist das stimmliche Aushängeschild von Sky. Foto: Sky/Ralf Ibing

Osnabrück. Wolff-Christoph Fuss ist das stimmliche Aushängeschild von Sky. Kein Kommentator hat so viele Topspiele kommentiert wie er. Im Interview erzählt er, warum Franck Ribéry mal sauer auf ihn war, was er von der 50+1-Regel und dem Videobeweis hält und welcher Fauxpas ihm peinlich ist.

Herr Fuss, Sky überträgt am Samstag das 250. Topspiel der Bundesliga-Geschichte. Sie haben mehr als 100 Partien davon kommentiert. Welcher Moment ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Viele Spiele von Bayern gegen Dortmund waren herausragend. Ansonsten waren es häufig auch kleine Momente, die haften bleiben, zum Beispiel das erste Treffen mit Louis Van Gaal, der mir seine Fußballphilosophie näherbrachte.

Auch Samstag lautet das Topspiel Bayern gegen Dortmund. Wie bereiten Sie sich auf so ein Spiel vor?

Es besteht die Möglichkeit, dass Bayern Meister wird. Das muss ich miteinbeziehen, genauso wie das Topspiel-Jubiläum als solches. Ansonsten ist es eine ganz normale Vorbereitung. Das bedeutet, dass man mich nachts eigentlich wecken könnte und ich das Spiel kommentieren kann, weil ich mit beiden Teams zuletzt sehr viel zu tun hatte.

Sie sprechen im Vorfeld der Spiele auch mit Trainern, um Informationen aus erster Hand zu bekommen. Rufen Sie am Freitag dann Bayern-Trainer Jupp Heynckes an?

Mit dem BVB und den Bayern habe ich viel Kontakt. Bei Dortmunds Trainer Peter Stöger ist es so, dass wir uns per SMS zum Telefonieren verabreden. Jupp Heynckes hat für das aktuelle Zeitfenster darum gebeten, nicht zu telefonieren. Das verstehe und respektiere ich. Bei den Bayern geht es also über die Pressestelle und Leute, die nah dran sind am Verein.

Wie läuft es im Spiel? Wird Ihnen zugearbeitet?

Als zweites Augenpaar und zweite Meinung habe ich meinen Redakteur Michael Morhardt neben mir sitzen. Wir arbeiten seit 15 Jahren vertrauensvoll zusammen, sind eng befreundet. Es herrscht blindes Verständnis. Idealerweise schaue ich auf das Spielfeld, während er auf den Monitor schaut. Und andersherum.

Ihre markante Stimme ist Ihr Markenzeichen. Whisky oder Zigaretten – was ist das Geheimrezept?

Weder noch. Von Zigaretten bin ich seit zwei Jahren weg, Whisky mochte ich noch nie. Als der liebe Gott die Stimme vergeben hat, habe ich wohl relativ laut „Hier“ geschrien.

Wenn die Grippewelle umhergeht, wie schonen Sie da Ihre Röhre?

Ich habe jetzt nicht das Hausrezept. Beim ersten Kratzen im Hals gibt es ein bestimmtes Medikament, das ich einwerfe. Das hat bislang immer geholfen. Ansonsten hatte ich viel Glück. Es ist mir noch nie passiert, dass ich wegen Krankheit ein Spiel verpasst habe.

Üben Sie die Namen von schwer auszusprechenden Fußballern?

Ja, ich versuche schon, mir die richtige Aussprache anzueignen. Einmal habe ich sogar bei der brasilianischen Botschaft angerufen, um die korrekte Aussprache eines Spielers herauszufinden.

Sie gelten als Phrasenhasser. Welche Phrasen sollte ein Fußballkommentator unbedingt vermeiden?

Ich kann nicht verstehen, wie Worthülsen wie „den Bock umstoßen“, „hüben wie drüben“ oder „sie legen los wie die Feuerwehr“ überleben konnten. So spricht doch sonst auch niemand. Ich rede on air genauso, wie im normalen Leben, spreche so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.

Viele Fans sind von Ihren flotten Sprüchen und emotionalen Ausbrüchen begeistert. Wie kommen Sie auf die außergewöhnlichen Wortneuschöpfungen?

Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durch die Welt. Wenn man sich in der Woche mit einem Koch unterhält, der von Bratverlust erzählt, dann denke ich „Bratverlust – geiles Wort“. Beim nächsten Spiel hat Team A wahnsinnig viele Chancen, trifft das Tor aber nicht. In der 80. Minute ist unter Umständen dann der ‚Bratverlust‘ zu groß. Es gibt überall solche Perlen.

Ihre Sprüche kommen also spontan und sind nicht vorher zurechtgelegt?

Ja, die sind spontan. Es würde auch keinen Sinn ergeben, eine Kalauer-Liste abzuarbeiten. Das Spiel steht immer im Vordergrund. Das Ereignis macht den Kommentar und nicht umgekehrt.

Der Schriftsteller Jürgen Roth sagte in einem „Spiegel“-Interview, Sie würden ununterbrochen brüllen, und jedes Spiel sei bei Ihnen „Drama, Baby“. Wie gehen Sie mit Kritik um?

Das ist eine populistisch angehauchte, sehr zugespitzte Meinung, der offensichtlich jedwede Kenntnis meiner Arbeit fehlt. Aber ich respektiere diese Ansicht. Ich werde es nie allen recht machen können, und das ist auch gar nicht mein Anspruch. Mir ist wichtig, fußballerisch korrekt abzuliefern. Alles andere ist eine Stilfrage, darüber lässt sich streiten. Für jeden der behauptet ihm sei es zu laut gewesen, finden Sie einen, dem es zu leise war.

Gibt es denn Sprüche, die Sie im Nachhinein lieber nicht rausgehauen hätten?

Eigentlich nicht, denn ich neige nicht dazu, Menschen zu beleidigen. Einmal habe ich über Franck Ribéry gesagt, bei ihm hätte der Figaro wohl nach Gehör geschnitten. Da weiß ich, dass er das nicht so cool fand, in der Mannschaft aber über Wochen herzlich gelacht wurde.

Welcher Fauxpas ist Ihnen heute noch peinlich?

Peinlich ist mir nichts. Unangenehm war, dass mir 2011 beim Spiel Inter Mailand gegen Schalke 04 beim 5:2 für Schalke ein „S05“ rausgerutscht ist. Im Spiel habe ich davon übrigens nichts mitbekommen. Erst am nächsten Tag wurde mir das zugetragen.

Sie sind nicht nur Fußballkommentator, sondern auch Fußballfan. Wie stehen Sie zur 50+1-Regel?

Wir müssen aufpassen, dass wir in Deutschland nicht zu sehr in Nostalgie und Tradition verhaftet bleiben. Um international konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich die Liga externen Geldquellen ein Stück weit öffnen. In der Regel bedeutet mehr Geld auch höhere internationale Konkurrenzfähigkeit – ob das alles attraktiver macht, sei dahingestellt. Der Verein wächst aufgrund der Kommerzialisierung, aber nie ohne den Fan.

Und zum Videobeweis?

Man kann auf den Gedanken kommen, dass er tatsächlich weiterhilft. Unterm Strich war im Vorfeld klar, dass Fehlentscheidungen nicht zu einhundert Prozent ausgeschlossen werden können, denn Fehler zu machen liegt in der Natur des Menschen. Das Problem ist, dass die Zuschauer im Stadion alleine gelassen werden. Es kann nicht sein, dass jeder Fernsehzuschauer weiß, welche Szene gemeint ist und der Fan im Stadion überhaupt keine Ahnung hat, was gerade los ist.

In weniger als drei Monaten startet die WM. Kommentieren müssen sie nicht. Wie verfolgen Sie die Spiele der deutschen Mannschaft?

Aller Voraussicht nach auf der Couch. Wenn meine Fußballsaison vorbei ist, genieße ich es, die Spiele in aller Ruhe als Fernsehzuschauer zu verfolgen.


Wolff-Christoph Fuss

Wolff-Christoph Fuss wird am 23. Juni 1976 in der hessischen Gemeinde Ehringshausen geboren. Er wächst in Nürtingen bei Stuttgart auf. Der 41-Jährige kommentiert seit 1999 Fußballspiele, zunächst für den Pay-TV-Sender Premiere, dann auf den Sendern Liga total und Sat1. Seit 2012 ist er für den Bezahlsender Sky aktiv. Dort kommentiert er Spiele der Fußball-Bundesliga, der Champions League und des DFB-Pokals. Er ist bekannt für seine markante Stimme, kreative Sprüche und seine emotionale Art, über Fußball zu berichten.

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