Wenn Fußball verbindet DFB vergibt Integrationspreis an Verein, Schule und Stiftung

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Einer der drei Preise ging an die Hans Tilkowski Schule in Herne für ihre offenen Ganztagsangebote für Seiteneinsteiger-Schüler. Foto: dpaEiner der drei Preise ging an die Hans Tilkowski Schule in Herne für ihre offenen Ganztagsangebote für Seiteneinsteiger-Schüler. Foto: dpa

Osnabrück. Ein Fußball-Verein, eine Hauptschule und eine Stiftung – alle drei haben eines gemeinsam: Für ihr Engagement in der Integrationsarbeit sind sie am Montag vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Mercedes-Benz in Berlin ausgezeichnet worden.

„Fußball hat die Kraft, Brücken zu bauen und junge Menschen unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft zu verbinden“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Abend der Verleihung des elften Integrationspreises.

Diese Devise lebt der Altonaer FC 1893 aus Hamburg, einer der Preisträger, wunderbar vor. Das beginnt schon damit, dass in der Satzung Integration als Vereinsziel verankert ist – der Integrationsbeauftragte des Vereins, Wladimir Bondarenko, achtet besonders darauf.

Der Klub, der zu den Gründungsmitgliedern des DFB zählt und bereits 2014 mit dem Integrationspreis des Hamburger Fußball-Verbandes ausgezeichnet wurde, arbeite darüber hinaus eng mit lokalen Migrantenorganisationen, Kitas und Schulen zusammen, organisiere regelmäßig Turniere und Sportfeste zur interkulturellen Begegnung und schaffe Angebote für Flüchtlingskinder und ihre Eltern aus Erstaufnahmen und Unterkünften.

60 Prozent Migrationsanteil

Der Verein ist in einem Viertel Hamburgs ansässig, in dem gesellschaftliche Welten aufeinandertreffen: Während auf der einen Seite wohlhabendere Hamburger in teuren Wohnungen und Häusern leben, beträgt der Migrationsanteil im mit Graffiti geschmückten Zentrum mehr als 60 Prozent. „Und die Kinder aus beiden Vierteln kicken bei uns“, sagt der Leiter der Jugendabteilung, Michael Braunheim, dem DFB. „Wir bilden die Realität des Viertels ab und achten darauf, dass diese Unterschiede bei uns im Vereinsleben null-komma-null Bedeutung haben.“ Und Trainer Berkan Algan ergänzt: „Mehr Integration als bei uns gibt es nicht.“

Vier von zehn Mitgliedern im Verein hätten einen Migrationshintergrund, ähnlich sei das Verhältnis bei den Jugendtrainern. Rund 60 Trainer und Betreuer kümmern sich um die fast 600 Kinder und Jugendlichen in der Abteilung. Einer von ihnen ist auch Bondarenko, der als Spätaussiedler 1995 mit 30 Jahren aus Kasachstan nach Altona kam. Ihm ist es zu verdanken, dass die Internetseite des Vereins auf zehn Sprachen angeboten wird.

Flüchtlingskinder integrieren

Dass der Fußball jede Sprache versteht, wusste schon Hans Tilkowski, ehemaliger Nationaltorwart und Namensgeber der Hans Tilkowski Schule in Herne. Weil die Hauptschule ihren offenen Ganztag nutzt, um Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse durch Sport zu integrieren, wurde auch sie mit dem Integrationspreis geehrt.

In den Pausen und am Nachmittag spielen dort Seiteneinsteiger und Regelklassenschüler in drei Fußball-AGs miteinander, die teilweise von speziell ausgebildeten Schülern geleitet werden. Auch an der Torwartinitiative „In save hands“, das der VfL Bochum unterstützt, sich für die Integration von Flüchtlingskindern einsetzt und Integrationscoaches ausbildet, beteiligt sich die Schule aktiv.

Auch Mädchen werden integriert

Und weil Fußball auch Mädchensache ist, setzt sich die Step Stiftung in Freiburg verstärkt dafür ein. Für ihr Projekt „kick für girls“, mit dem Mädchen aller Herkunfts- und Lebenssituationen sportlich integriert werden sollen, erhielt die Stiftung den dritten Preis der Verleihung.

Neben einem jährlich stattfindenden Mädchenfußball-Tag für Schülerinnen aus unterschiedlichen Kulturen, sozialen Milieus und Bildungsgängen unterstützt die Stiftung seit 2009 Fußball-AGs an 18 Freiburger Schulen für Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund. Ziel sei es, Schülerinnen zu erreichen, die kaum Zugang zum organisierten Sport haben. Mehr als 100 Mädchen würden inzwischen an den wöchentlichen Angeboten teilnehmen, die die vielen in Freiburg lebenden Ethnien und Nationalitäten abbilden. Darüber hinaus werden auch weitere gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge, Eis essen oder Plätzchen backen angeboten, um Teilhabe, Integration und Mobilität zu ermöglichen und schulübergreifende Kontakte zu fördern.

162 Bewerbungen

Das Engagement aller drei Preisträger wurde jeweils mit einem Transporter des DFB-Hauptsponsors Mercedes Benz im Wert von 45000 Euro gewürdigt, die übrigen Nominierten erhielten 10000 Euro. Von insgesamt 162 Bewerbungen waren jeweils drei in Kategorien Verein, Schule und kommunale/freie Träger nominiert. „Der Integrationspreis zeigt, dass sich im vermeintlich Kleinen auch Großes bewegen lässt“, sagte der gebürtige Brasilianer und Ex-Nationalspieler Cacau, Integrationsbeauftragter des DFB, bei der Verleihung. „Die unzähligen Vereine, Schulen und Gruppen in Deutschland sind so nah dran an den Kids wie niemand sonst und können deshalb besonders viel bewegen. Sie sind für mich der wahre Motor der Integration.“

(Mit dpa)


Die Preisträger

Kategorie Verein:

  • Sieger: Altonaer FC von 1893 e.V. (Hamburger FV)
  • 2. Platz: FC Ente Bagdad – Vitesse Mayence 1896 (Südwestdeutscher FV)
  • 2. Platz: SV Rot-Weiß Hütte e.V. (Mittelrhein FV)

Kategorie Schule:

  • Sieger: Hans Tilkowski Schule, Herne (Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen)
  • 2. Platz: Gesamtschule Berger Feld (Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen)
  • 2. Platz: Janusz-Korczak-Förderschule Voerde (FV Niederrhein)

Kategorie freie und kommunale Träger:

  • Sieger: STEP STIFTUNG, Freiburg (Südbadischer FV)
  • 2. Platz: buntkicktgut gGmbH (Berliner FV)
  • 2. Platz: Fan-Projekt Dortmund e.V. (Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen)

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