Vier Jahre nach 7:1-Trauma bei WM Warum Brasilianer heute noch „Gol da Alemanha“ im Alltag rufen

Von Claudia Scholz

Im Halbfinalspiel zwischen Brasilien und Deutschland während der Fußball-WM 2014 stand es schon nach 29 Minuten 0:5 für die Gäste. „Gol da Alemanha“ („Tor für Deutschland“) ist zum geflügelten Wort geworden. Foto: WittersIm Halbfinalspiel zwischen Brasilien und Deutschland während der Fußball-WM 2014 stand es schon nach 29 Minuten 0:5 für die Gäste. „Gol da Alemanha“ („Tor für Deutschland“) ist zum geflügelten Wort geworden. Foto: Witters

Osnabrück/Rio de Janeiro. Die 7:1 Niederlage der Brasilianer beim WM-Spiel 2014 gegen die deutsche Nationalelf ist zum geflügelten Wort geworden. Bis heute prägt die Schmach die Alltagssprache in Brasilien. „Gol da Alemanha“ steht für alles, was schief läuft.

Fast vier Jahre sind seit dem historischen 1:7-Heimdebakel gegen Deutschland im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft 2014 vergangen. Doch die Schmach hat tiefe Spuren hinterlassen. Noch immer prägt die Niederlage im Stadion von Belo Horizonte den Alltag der Brasilianer – und ihre Sprache.

Bleibende Erinnerung an Schmach

Damals stand es schon nach 29 Minuten 5:0 für Deutschland. Von „Torrausch“ war die Rede. Auf den Rängen weinten viele brasilianische Fans. Ungläubig starrten sie auf den Rasen. Müller. Klose. Kroos. Kroos. Khedira. Und nach der Pause noch zweimal Schürrle. Nach 90 Minuten stand es 7:1 für Deutschland. Keine Spur vom Heimvorteil der Brasilianer.


Viele Fans erinnern sich mit Schrecken an den Scroll-Balken, der notwendig war, um alle deutschen Tore auf dem Fernsehbildschirm anzuzeigen.

Bei jedem Tor rief der brasilianische Reporter damals „Gol da Alemanha“ (Portugiesisch für „Tor für Deutschland“). Dieser Ausruf hat sich in Brasilien zu einem geflügelten Wort entwickelt. Das 7:1 - „sätschi - um“ auf Portugiesisch - ist zur Metapher geworden. Es steht für krachende Niederlagen und wird in den Leitartikeln brasilianischer Zeitungen ebenso verwendet wie auf der Straße.

Ausruf bei Missgeschicken

Die Brasilianer rufen es im Alltag immer dann, wenn ihnen ein Missgeschick passiert. Wenn der Bus vor der Nase wegfährt, man sich bekleckert oder sonst ein Ungeschick geschieht. Wenn der Vater im Zeugnis des Sohnes wieder eine schlechte Note in Mathematik sieht, schüttelt er den Kopf und sagt: „Gol da Alemanha!“ Zu den Jahrestagen der Niederlage war der Hastag #7x1Day auf Twitter eines der meistgenutzten Stichworte.

Die Witze über die Schmach hätten etwas Spielerisches, sagte Brasilien neuer Nationaltrainer Tite dem Kicker, „nichts Verunglimpfendes“. Doch: „Das 7:1 ist ein Gespenst. Es ist passiert und es ist weiter präsent, die Wunde ist noch immer offen“, sagte Tite.

Keine Wut auf die Deutschen

Wut auf die Deutschen kam keine auf. Zu klar war die Überlegenheit der Gäste. Vor allem das faire Verhalten der deutschen Spieler während und nach dem Ende des Spiels hat der deutschen Nationalelf viel Respekt bei den Brasilianern eingebracht.

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