„Alles muss besser werden“ Boatengs Kritik und die Revanche-Gefühle der Brasilianer vor Testspiel

Von Tilmann Mehl

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Die Nationalspieler Jerome Boateng, Antonio Rüdige, Sami Khedira, Joshua Kimmich, Mario Gomez beim Abschlusstraining der Deutschen Nationalmannschaft vor dem Testspiel gegen Brasilien. Foto: Imago/SchülerDie Nationalspieler Jerome Boateng, Antonio Rüdige, Sami Khedira, Joshua Kimmich, Mario Gomez beim Abschlusstraining der Deutschen Nationalmannschaft vor dem Testspiel gegen Brasilien. Foto: Imago/Schüler

Berlin. Fußball Jérôme Boateng hat nicht gefallen, was die deutsche Mannschaft gegen Spanien zeigte. „Alles“ müsse besser werden im Hinblick auf die WM. Der heutige Gegner heißt Brasilien und hat vor allem eines im Sinn: Revanche.

Ob es nun Spezialität oder Stärke des Verteidigers Jérôme Boateng ist, mag jeder für sich entscheiden. Fakt ist aber, dass der Satzbau des 29-Jährigen von jener funktionalen Schlichtheit beherrscht ist, die sich bei geübten Defensivakteuren auch im Spiel wiederfindet. Als hohe Kunst gilt es, schwierige Sachen einfach aussehen zu lassen. Da, wo abseits des Platzes manch Ballzauberer mit Wortgirlanden viel spricht, aber wenig sagt, kommt Boateng schnell zum Punkt. Sollen sich die anderen doch im Geäst der Relativsätze verirren. Nach dem attraktiven 1:1 gegen Spanien bemängelte er zur Verwunderung der Betrachter des Spiels das deutsche Auftreten deutlich. „Alles“ müsse besser werden im Hinblick auf die WM.

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Vergleich aus der Welt der Tiere

Im Einzelnen seien das „Chancenverwertung, Passspiel, Zielstrebigkeit zum Tor, das Zusammenarbeiten in der Mannschaft sowie das Umschaltspiel.“ Er schloss seine Kritik mit jenem altbekannten Vergleich aus der Welt der Tiere. „Wenn wir so spielen, immer einen Schritt zu spät sind, spielt eine Mannschaft wie Spanien Katz und Maus mit dir.“ Deutschland war eher nicht die Katze.

Weil nun aber Boateng mit seiner Stimme eher der Monotonie eines Metronoms folgt und seine Mimik permanente Straßenjungen-Attitüde ausstrahlt, ist oft nicht ganz klar, wie er denn nun etwas genau meint. Jene Kritik am Auftritt gegen Spanien beispielsweise sei „gar nicht so schlimm gewesen“, sagte er vor dem Spiel heute gegen Brasilien. Er sei selbst überrascht gewesen, „wie negativ sie wahrgenommen wurde“. Außerdem sei er nun mal ein Freund davon, Fehler lieber direkt klar anzusprechen, „als sie verstreichen zu lassen, und dann gucken wir uns dumm an, wenn es darauf ankommt“.

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Der letzte Test

Gegen Brasilien kommt es noch nicht darauf an. Dennoch ist diese Partie der letzte Test, ehe Joachim Löw seinen Kader für das internationale Kräftemessen in Russland nominiert. Außerdem könnte die Mannschaft jenen Rekord einstellen, den eine vormalige Generation deutscher Auswahlspieler zwischen 1978 und 1980 aufstellte. Sollte auch die Partie gegen Brasilien nicht verloren werden, bliebe man im 23. Spiel hintereinander ohne Niederlage. Letztmals verließ man das Feld 2016 mit hängenden Köpfen, dummerweise nach dem Halbfinale der Europameisterschaft gegen Frankreich.

Leistungsträger werden geschont

Derartige Bestmarken spielen in der Gedankenwelt des Bundestrainers allerdings keine Rolle. Ansonsten hätte er kaum Mesut Özil und Thomas Müller vorzeitig zu ihren Heimatvereinen geschickt. Eine Tatsache, die brasilianische Reporter verstörte. In ihrer Heimat sei es nicht denkbar, dass Leistungsträger in einem derart wichtigen Spiel geschont würden. Boateng entgegnete pragmatisch, dass man eben auch personell testen müsse und die anderen Spieler ja auch ganz gut seien.

Der Partie kommt in Brasilien aber ohnehin mehr Bedeutung zu als hierzulande. Nach der 1:7-Niederlage im WM-Halbfinale vor vier Jahren sinnt ein Land auf so etwas Ähnliches wie Revanche. Die könne es aber nicht geben, „schließlich kann man das Halbfinale ja nicht zurückholen“, so Löw. Er stellt sein Team allerdings auf eine Mannschaft ein, deren „Motivation wahrscheinlich unermesslich hoch“ sein wird.

Kevin Trapp und Bernd Leno im Tor

Marc-Andre ter Stegen wird sich nicht mit den Heißblütern auseinandersetzen müssen. Der Torwart leidet unter leichten Problemen an der Patellasehne und wird geschont. Stattdessen sollen Kevin Trapp und Bernd Leno jeweils eine Halbzeit im Tor stehen.

Der derart umgestalteten Mannschaft wird es im Spiel wohl zumindest anfangs an Feinabstimmung fehlen. Möglicherweise wird im Anschluss Boateng wieder deutliche Worte finden. Das wiederum fände Löw gut. Er befand die Kritik Boatengs für „absolut in Ordnung“. Allerdings wies er auch darauf hin, dass die Partie gegen Spanien „auf wahnsinnig hohem Niveau“ absolviert worden sei. Verbessern könne man vor allem Details immer. Das sieht Boateng sicherlich genauso.


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