Wieder ein 7:1? Löw sagt Nein Nationalelf testet gegen Brasilien – 1,7 Millionen WM-Tickets verkauft

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Unüberwindbar: Jerome Boateng im Einsatz beim legendären 7:1 im WM-Halbfinale 2014 in und gegen Brasilien. Foto: dpaUnüberwindbar: Jerome Boateng im Einsatz beim legendären 7:1 im WM-Halbfinale 2014 in und gegen Brasilien. Foto: dpa

Berlin. Deutschland gegen Brasilien – da war doch was? Es ist zwar nur ein Testspiel im Vorfeld der WM in Russland (20.45 Uhr/ Olympiastadion Berlin). Doch der 7:1-Sieg der Elf von Bundestrainer Joachim Löw im WM-Halbfinale 2014 dominiert die Agenda vor dem ersten Wiedersehen.

Ob er sich vorstellen könne, dass die Partie am Dienstagabend wieder 7:1 endet, wurde Löw von einem brasilianischen Journalisten gefragt. Der Bundestrainer ließ sich mit seiner Antwort Zeit. Er lächelte – man hätte glauben können, er ruft sich die Traum-Kombinationen seiner Elf zurück ins Gedächtnis, schwelgt in Erinnerungen an dieses legendäre Fußballspiel im Maracana. Dann aber gab er seine Antwort: Ein klares „Nein.“ Das Lächeln galt wohl eher der Annahme, man könne diese Weltmacht des Fußballs wieder spielend leicht aus dem Stadion schießen.

(Kein 7:1: Löw blockt Brasiliens „Revanchegelüste“ ab)

„Brasilien hat die schwere Südamerika-Qualifikation überlegen gewonnen. Sie haben sich komplett neu erfunden. Alle Spieler arbeiten jetzt defensiv mit, sie haben eine ganz andere Mentalität“, erklärte Löw. Der neue Trainer Tite war nach diesem 1:7, das ein ganzes Land in tiefe Trauer gestürzt hat, mit dem Leitspruch angetreten: So etwas wie gegen Deutschland passiert dieser stolzen Fußball-Nation nie wieder. Ängstlich erwartet Löw daher die Brasilianer keinesfalls, sondern vielmehr motiviert, diese historische Scharte ein wenig auszuwetzen.

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Erfahrene Topleute aus Brasilien

Man darf also gespannt sein auf den Test gegen ein Team mit international erfahrenen Topleuten wie Marcello oder Thiago Silva, aus Ex-Bundesliga-Kickern wie Roberto Firminho oder Reanto Augusto sowie aus Weltklasse-Einzelkönnern wie Coutinho oder Douglas Costa, die auch abseits des verletzungsbedingten Fehlens von Superstar Neymar jederzeit eine Partie allein entscheiden könnten. „Von der individuellen Klasse her hat Brasilien nach wie vor ein Reservoir wie kein anderes Land auf der Welt“, sagte Löw. Wie weit Brasilien als Team gereift ist – eine Voraussetzung, um als ernsthafter Anwärter auf den WM-Titel zu gelten – wird sich auch heute zeigen.

Thomas Müller wird geschont

Im deutschen Team wird neben Thomas Müller und Mesut Özil auch Marc-André ter Stegen (Reizung der Patellasehne) geschont. Für das Tor ist nun eine Arbeitsteilung angedacht: Laut Löw sollen Kevin Trapp (Paris) und Bernd Leno (Leverkusen) jeweils 45 Minuten zum Einsatz kommen – für beide ein wichtiger Formtest im Kampf um die Tickets für den WM-Kader. Neben dem Berliner Marvin Plattenhardt erhalten auch Leroy Sané und Ilkay Gündogan ihre Chance von Beginn an.

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Kritiker Boateng

Sollte Sami Khedira wegen muskulärer Probleme ausfallen, wird übrigens Jerome Boateng als Kapitän die Mannschaft aufs Feld führen. Und das, obwohl der Innenverteidiger nach dem 1:1 gegen Spanien offen die eigene Mannschaft kritisiert hatte: „Alles“ sei in diesem Spiel zu Beginn schlecht gewesen, Spanien habe Katz und Maus gespielt mit den Deutschen. Am Tag vor dem Brasilien-Spiel verzichtete Boateng darauf, seine Aussagen zu relativieren. Trotzdem nahm er in der ihm eigenen, verwundert-gelassenen Art den Dampf aus dem Kessel.

„Ich fand das gar nicht so schlimm, was ich gesagt habe. Wir tauschen uns immer aus nach den Spielen. Wenn wir bei der WM erfolgreich sein wollen, müssen wir die Dinge klar ansprechen. Das ist besser, als Gelegenheiten dazu verstreichen zu lassen – und hinterher schauen wir uns blöd an, wenn es schiefgeht“, sagte Boateng – und erhielt dafür ausdrücklich Rückendeckung von Löw.

Großteil der WM-Tickets verkauft

Anzunehmen ist, dass der Bundestrainer den 29-Jährigen heute in einer Dreierkette verteidigen lässt, wodurch Matthias Ginter in die Startelf rücken könnte. „Wenn wir variabler spielen, sind wir für Gegner schwerer auszurechnen“, so der Mönchengladbacher – wohl wissend, dass der variable Ansatz seine eigenen Aussichten auf einen WM-Kaderplatz eher befördert.

Im Vorfeld der Partie sagte ein FIFA-Sprecher übrigens in Berlin, dass bis dato 1,7 der 2,6 Millionen Tickets für die WM in Rußland verkauft seien. Etwa 57000 davon seien an deutsche Fans gegangen.


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