1:1 im ersten Länderspiel des Jahres Deutschland gegen Spanien: Ein Remis, das richtig Lust macht

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Düsseldorf. Das Resultat klingt nüchtern, aber die Art und Weise hat Vorfreude geweckt: Beim 1:1 im ersten Länderspiel des Jahres 2018 gegen die Auswahl Spaniens erwies sich die deutsche Fußball-Nationalelf als konkurrenzfähig für die WM im Sommer.

Das Duell des Weltmeisters 2010 beim Weltmeister 2014 in der Esprit-Arena hielt, was es versprach: Die Fans beklatschten das Tempo von Timo Werner und die Improvisationskunst von Thomas Müller. Bei einzeltechnischen Highlights wie Iscos Hackentrick oder Jordi Albas geglückten Tunnel gegen Joshua Kimmich seufzten sie auf – genussvoll-anerkennend und bedauernd zugleich ob des verpassten Ballgewinns für Deutschland. Klar fehlte beim Freundschaftsspiel vor der entscheidenden Saisonphase, die keiner der Weltstars verletzt verpassen will, noch die allerletzte Intensität in den Zweikämpfen.

Ein butterweicher Pass

Daran hatte vor allem einer seine Freude: Andres Iniesta. Die Ruhe am Ball und die Art und Weise, wie sich der 33-Jährige vom FC Barcelona in die freien Räume schleicht, ist beeindruckend – und wenn der nach wie vor zentrale Mann im Spiel der Spanier so wenig Druck bekommt wie in der ersten Hälfte, dann kann er die ganze Palette seiner Fähigkeiten zeigen. Direktspiel auf engstem Raum, ein unerwarteter Richtungswechsel – oder der butterweiche Pass in den Raum hinter Mats Hummels, den der eingelaufene Rodrigo Moreno vom FC Valencia zum 1:0 für die Iberer nutzte.

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Der entscheidende Tick fehlte zunächst

Die Spanier hatten auch danach ihren Spaß, als sie mit sicherem Kurzpassspiel die Deutschen mehr als zwei Minuten lang links am eigenen Sechzehner einschnürten – freilich ohne den letzten Zug zum Tor. Erst danach übernahm Deutschland das Kommando, wobei der entscheidende Tick zunächst fehlte: Hectors Volleyabnahme aus 22 Metern segelte knapp über das Tor, die Flanke von Joshua Kimmich auf den heran rauschenden Werner war zu hoch – und der Abschluss des flinken Stürmers von RB Leipzig nach Zuspiel von Sami Khedira zu unpräzise, er strich am Tor vorbei.

Erlösender Ausgleich

Der erlösende Ausgleich war Thomas Müller vorbehalten: Er stoppte das nun auf gutem Level angekommene Passspiel der Deutschen, indem er aus 23 Metern draufknallte und das Leder unerreichbar für David de Gea links im Tor versenkte. Damit war klar, dass die Serie der ungeschlagenen Länderspiele auf 22 ausgebaut werden kann – Deutschland hat noch nie verloren, wenn Müller getroffen hat. Bleibt die Löw-Elf auch am Dienstag in Berlin gegen Brasilien ungeschlagen, würde sie die Rekordmarke aus dem Jahr 1980 einstellen.

Mitreißender Schlagabtausch

Nach dem Wechsel entwickelte sich ein mitreißender Schlagabtausch mit stark von de Gea parierten Abschlüssen von Julian Draxler und Ilkay Gündogan, eines geblockten Versuchs von Mesut Özil und eines Kopfballs von Hummels auf die Latte. Auf der Gegenseite spielten die Spanier zweimal mit beängstigend schnellem Direktspiel die deutsche Abwehr auseinander – einmal blieb der Abschluss hängen, das zweite Mal rettete Torwart Marc André ter Stegen stark gegen den völlig freien Isco.

Laola-Welle schwappt durchs ausverkaufte Stadion

Und plötzlich schwappte die dankenswerterweise aus dem spanischen Zuschauerblock gestartete Laola-Welle durch das Stadion. Und spätestens, als die Fans die Bekanntgabe eines endlich mal wieder ausverkauften Länderspiels (50468) feierten, war sie spürbar: Die Vorfreude auf einen ganz heißen Fußballsommer. Der Abend in Düsseldorf brachte die Erkenntnis: Ein Selbstläufer wird sie nicht, die Titelverteidigung für Deutschland. Aber die Löw-Elf ist auf höchstem Niveau konkurrenzfähig.


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