Winterspiele mit zweistelligen Plusgraden Schneeschmelze bei Paralympics macht Sportlern zu schaffen

Von dpa

Pyeongchang: Die Sonne scheint auf die Strecke und den Schießstand im Biathlon Stadion. Zweistellige Plusgrade machen den Organisatoren der Paralympics zu schaffen. Foto: dpaPyeongchang: Die Sonne scheint auf die Strecke und den Schießstand im Biathlon Stadion. Zweistellige Plusgrade machen den Organisatoren der Paralympics zu schaffen. Foto: dpa

Pyeongchang. Zum Paralympics-Endspurt werden die Bedingungen für die Athleten schwieriger. Zweistellige Plusgrade machen den Organisatoren der Paralympics zu schaffen. Vor allem im Biathlon-Stadion stellt weicher Schnee und Wasser auf der Strecke die Sportler vor Probleme.

Anja Wicker „duschte“ am Schießstand, Clara Klug forderte Schwimmflügel und Andrea Eskau fühlte sich bei schmelzendem Schnee an warmen Tee erinnert: Die frühlingshaften Temperaturen machen den Sportlern bei den Paralympics in Pyeongchang zu schaffen. Um die Strecken zu schonen, wurden Trainingszeiten gecancelt, die Alpinen-Pisten bekamen am Donnerstag eine außerplanmäßige Rennpause. Nicht kalkulierbare Wetterauswirkungen oder ein absehbares Problem?

„Wir sind in einem Nicht-Wintersport-Land“

Friedhelm Julius Beucher hat dazu eine klare Meinung: „Wir sind in einem Nicht-Wintersport-Land“, sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Die Schneeschmelze infolge hoher Temperaturen wundere ihn „nicht wirklich“. Vor allen die Biathleten und Langläufer haben mit dem warmen Wetter zu kämpfen.

19 Grad bei Winterspielen

Bei ihrem Langlauf-Silber-Sprint habe das Thermometer am Schlitten 19 Grad angezeigt, sagte Fahnenträgerin Andrea Eskau (46). „Leider leiden die Schnee-Bedingungen sehr. Wenn es noch ein bisschen wärmer gewesen wäre, wäre es warmer Tee geworden.“

Teamkollegin Anja Wicker beschrieb die Bedingungen im Biathlonstadion so: „Ich habe regelrecht geduscht am Schießstand.“ Schon 2017 beim Weltcup sei es ziemlich warm gewesen. „Die Pfütze kannte ich schon vom vergangenen Jahr“, erklärte die 26 Jahre alte Wicker. „Die Bedingungen hier sind grenzwertig.“

Strecke jeden Tag anders

Die sehbehinderte Bronze-Gewinnerin im Biathlon über zehn Kilometer, Clara Klug (23), nahm es mit Humor: „Schwimmen ist nicht so meine Hauptdisziplin“, sagte sie. Ihr Guide Martin Härtl sagte: „Die Strecke stellt sich jeden Tag anders dar.“

Auch im Jeongseon Alpine Centre ist der einsetzende Frühling nicht zu übersehen. Auf den Hängen neben der Strecke liegt längst kein Schnee mehr, und auch auf der Piste kommen immer mehr braune Stellen zum Vorschein. „Der ganze Hang schmilzt mit der Zeit und wir versuchen, diesen Prozess zu verlangsamen“, erklärt Para-Ski-Alpin-Renndirektor Ali Bombardier.

Rennen verschoben, Training ausgefallen

Auch wenn Trainingseinheiten ausfallen und die ursprünglich für Donnerstag geplanten Slalomrennen auf Sonntag verschoben wurden, beschweren sich die deutschen Medaillen-Mädels nicht: Vierfach-Silbergewinnerin Andrea Rothfuss (28) spricht von „fairen Bedingungen“ und Doppel-Gold-Champion Anna Schaffelhuber (25) stellt fest: „Man muss es nehmen, wie es kommt.“

Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees sieht das ähnlich. „Bei Olympia gab es Probleme mit Wind“, sagt Andrew Parsons. „Nun gab es Schnee und am nächsten Tag war es warm. Wir sind nicht froh darüber, aber es ist nun mal so.“

Immerhin sollte es am Freitag noch einmal etwas kühler werden, bevor die Temperaturen zum Abschlusswochenende wieder anziehen. „Ich hoffe, dass es bis Sonntag hält“, sagt Deutschlands Chef de Mission Karl Quade zu den Schneebedingungen. Falls nicht, hat Biathletin Klug einen Plan B: „Schwimmflügel her und weiter geht’s!“