Fußball-Talks unter der Lupe: ZDF Sportstudio Bruchhagen wütend über Fanrandale: „Das sind Fußballzerstörer“

Von Lutz Hölker

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Osnabrück. Während VfB-Sportvorstand Michael Reschke im ZDF Sportstudio gut gelaunt über den Trainerwechsel sprach, wütete Hamburgs Vorstandschef Heribert Bruchhagen aufgrund erneuter Fanausschreitungen beim Nordderby gegen Werder Bremen und zeigte sich genervt von provokanten Fragen zum möglichen Abstieg.

Drei Siege, ein Unentschieden. So lautet Stuttgarts Bilanz unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut. Für Michael Reschke hängt dieser Aufschwung vor allem mit der neuen Aufstellung im Sturm zusammen. „Tayfun Korkut hat einige Themen im Spiel verändert. Ich glaube, das Wichtigste war das Thema Doppelspitze. Dass er Daniel Ginczek und Mario Gomez das Vertrauen geschenkt hat, ist voll aufgegangen. Aber auch während des Spiels, wie er taktisch reagiert, wie er die Mannschaft auch teilweise auch in der Halbzeit neu ein- und umstellt, hat eine ganz große Qualität“, lautete Reschkes Einschätzung.

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Ex-Trainer Wolf erreichte die Mannschaft nicht mehr

Doch wie kam es überhaupt zum Rauswurf vom vorherigen Trainer Hannes Wolf? Immerhin führte dieser die Mannschaft im letzten Jahr zurück in die erste Liga. „Acht Spiele sieben Niederlagen haben sicherlich Kraft gekostet. Alle im Klub, aber vor allem Hannes Wolf, der nach dem Schalke Spiel in der Kabine zu mir kam und zu mir sagte, er habe das Gefühl, dass er nicht mehr die ganze Mannschaft erreiche. Wenn wir etwas anders machen wollten, dann hätte er da großes Verständnis für“, gab Reschke einen tiefen Einblick in das persönliche Gespräch.

„Mir war direkt klar, wenn Hannes das sagt, was ja auch dafür spricht, dass er sehr viel Verantwortung übernommen hat für den Klub, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem es Sinn macht, den Trainer zu wechseln. Zumal die Bilanz von sieben Niederlagen in acht Spielen wie gesagt an allen genagt hat“, so Reschke weiter.

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Gespräch mit Korkut „war einfach überzeugend“

Die bei den Fans im Vorfeld durchaus umstrittene Entscheidung, den in der Bundesliga nicht besonders erfolgreichen Tayfun Korkut als neuen Cheftrainer zu engagieren, begründete der Sportvorstand mit seiner Berufserfahrung: „Wenn man so lange im Geschäft ist, hat man ein gewisses Netzwerk und andere Informationen, die über den reinen Punkteschnitt hinaus gehen. Er hat eine hohe Kompetenz und kann Mannschaften sehr gut führen, trainieren und taktisch einstellen.“ Außerdem seien auch die Spieler von Korkut überzeugt gewesen: „Die Rückkopplung aus den eigenen Reihen von unseren Spielern, mit denen wir im Vorfeld auch ein paar Themen angesprochen haben war sehr Positiv.“

Ausschlaggebend für den Auftrieb sei aber nicht nur der Cheftrainer. Auch die neuen Co-Trainer sind laut Reschke eine Bereicherung für das Team. „Das Gespräch, das wir gemeinsam hatten, war einfach überzeugend. Wenn wir jetzt von Tayfun Korkut sprechen, müssen wir sagen er ist nicht alleine gekommen, sondern er hat mit Ilija Aracic und Steven Cherundolo auch zwei sehr gute Co-Trainer mitgebracht. Wir haben ein richtig gutes Trainertem zusammen“, erklärte der 60-Jährige.

Bruchhagen wütet nach erneuten Fanausschreitungen

Bei der 0:1-Pleite des Hamburger SV beim SV Werder Bremen kam es erneut zu Fanausschreitungen. Wieder einmal waren Chaoten aus dem HSV-Block die Hauptverantwortlichen. Hamburgs Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen zeigte davon sichtlich angefressen: „Ich wundere mich, dass sie immer nach Fans fragen. Das hat doch mit Fans nichts zutun. Das sind Fußballzerstörer, die das Fußballspiel benutzen, um Aggressivität und Frust abzulassen. Es ist traurig und das bedauern wir sehr. Das schadet dem HSV“, sagte Bruchhagen im Interview mit Boris Büchler für das ZDF.

Eine Lösung für das Problem scheint für den 69-Jährigen nicht in Sicht zu sein. „Das sind unerfreuliche Bilder, die immer dann, wenn in der Bundesliga die Ergebnisse nicht stimmen, zum Ausdruck kommen. Wir können nur an die appellieren, die Fußball lieben, dass sie reglementierend eingreifen. Ansonsten fällt mir im Moment nichts ein, wie man solche fürchterlichen Bilder verhindern kann.“

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HSV gibt sich nicht geschlagen

Auf Fragen nach einer Vorentscheidung im Abstiegskampf, nach der erneuten Niederlage bei einem direkten Konkurrenten, reagierte Bruchhagen trotzig. „Sie werden doch nicht von mir erwarten können, dass wir resignieren. Wir wissen, dass es äußerst bedrohlich ist, aber wir werden alles dafür tun, um die Restchance, die wir haben, zu nutzen. Das ist auch sicherlich mit meine Aufgabe, alles dafür zu tun, dass die Mannschaft diese Resignation nicht erreicht, sondern alles dafür tut, um diese Chance unbedingt wahrzunehmen. Aufgegeben wird noch lange nicht“, lautete seine Ansage an das Team.

Hamburgs Vorstandschef reagiert empfindlich

Als Moderator Büchler zum Ende erneut die beinahe ausweglose Situation des HSV ansprach, reagierte Bruchhagen zunehmend genervt: „Möchten Sie jetzt, dass wir den Spielbetrieb einstellen? Sollen wir jetzt sagen wir sind abgestiegen? Möchten Sie, dass wir sagen, wir spielen jetzt keinen Fußball mehr?“, fragte er ironisch.

Zum Abschluss betonte Bruchhagen noch einmal seinen Kampfgeist: „Zum Sport gehören schwere Niederlagen, das erleben wir. Zum Sport gehört auch der Abstieg. Aber zum Sport gehört auch, dass man bis zum Schluss alles dafür tut, um möglicherweise noch eine Wende zu schaffen. Von Resignation darf man überhaupt nicht ausgehen, dafür bin ich zu lange beim Sport. Wir haben eine Restchance und wir müssen alles dafür tun, diese auch zu nutzen, auch wenn sie nicht groß ist.“


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