Basketball macht ihm immer Spaß Talent Hartenstein zwischen NBA, Heimat und Nationalmannschaft

Von Malte Schlaack


Quakenbrück. Mit Spielen am Freitag gegen Serbien (19.30 Uhr) und am Sonntag in Georgien (16 Uhr) geht die deutsche Basketball-Nationalmannschaft in die nächste Phase der WM-Qualifikation. Die weiteste Anreise hat dabei einer der jüngsten Spieler im Kader: Isaiah Hartenstein.

Vom südlichsten Texas über Quakenbrück nach Frankfurt – so lässt sich die Reiseroute von Hartenstein in den vergangenen Tagen ganz grob umreißen. Der 19-Jährige spielt für die Rio Grande Valley Vipers in der US-amerikanischen G League, der Entwicklungsliga der großen NBA.

40 Spiele hat das Team bereits absolviert, bei 31 davon war Hartenstein mit dabei. Im Sommer war er an 43. Stelle im Draft der NBA von den Houston Rockets ausgewählt worden. Die Valley Vipers sind das sogenannte Farm Team des Meisterschaftsanwärters aus Texas. Hartenstein soll dort in dieser Saison lernen und sich vor allem an den amerikanischen Spielstil gewöhnen – Basketball ist schließlich nicht gleich Basketball.

Anfangs Probleme mit der Foulbelastung

Die größte Umstellung für Hartenstein war dabei allerdings gar nicht mal unbedingt im Spiel, sondern in der Position. „Ich war vorher fast immer Power Forward und musste mich jetzt erst einmal daran gewöhnen, als Center zu spielen“, sagt der mit 2,13 Metern selbst für amerikanische Verhältnisse große Youngster. In den USA wird im Vergleich zu Europa wesentlich schneller gespielt und nicht so viel Wert auf Taktik gelegt. Gerade am Anfang hatte Hartenstein außerdem Probleme mit der Foulbelastung. „Ich habe zu physisch gespielt und auch zu viel gepasst. Das habe ich jetzt ein bisschen geändert, und es klappt gut“, sagt er.

Die Zahlen belegen diese stetige Entwicklung. In den elf Spielen, die Hartenstein bisher in diesem Jahr bestritten hat, erzielte er im Schnitt 15,4 Punkte und holte 9,6 Rebounds. Was dabei auffällt: Körperlich ist er trotz seiner erst knapp 20 Jahre seinen Gegnern oft überlegen. Im vergangenen halben Jahr hat er noch einmal an Muskelmasse zugelegt. „Das Ziel war, dass ich bis zum Saisonende 120kg wiege. Das habe ich jetzt schon geschafft“ sagt Hartenstein und fügt lachend hinzu: „Ich habe die guten Gene von meinem Vater geerbt.“

Ziel: NBA in der kommenden Saison

Obwohl Hidalgo, wo die Valley Vipers beheimatet sind, rund 600km von Houston entfernt ist, haben die Rockets den jungen Deutschen genau im Blick. „Ich will einfach besser werden. Die Verantwortlichen haben aber schon gesehen, dass ich einen Riesenfortschritt gemacht habe. Ich spreche regelmäßig mit ihnen, und sie sind sehr zufrieden mit mir“, betont Hartenstein, dessen Ziel ganz klar ist: Er möchte in der kommenden Saison in der NBA spielen. Wie wahrscheinlich das ist, kann man jetzt noch nicht abschätzen. Hartensteins Arbeitseifer und vor allem sein schier unerschöpflicher Spaß am Basketball sind aber auf jeden Fall sehr positive Faktoren.

Entsprechend steht auch bei seinem Heimatbesuch jetzt der Sport im Mittelpunkt und ließ sich sogar mit der Familie verbinden. Im Vorfeld des Trainingslagers mit der Nationalmannschaft war Hartenstein bei seinen Eltern Theresa und Florian in Quakenbrück. Doch auch hier ging es schon wieder in die Halle.

Individuelles Training mit dem Bundestrainer

Bundestrainer Henrik Rödl war extra angereist, um mit Hartenstein individuell zu trainieren. „Er hat bei der Europameisterschaft schon eine gute Rolle gehabt für jemanden, der so jung ist. Im ersten Qualifikationsfenster war die Rolle noch sehr viel größer und dass wir jetzt noch zusammenarbeiten können, ist das Beste, was passieren kann“, sagt Rödl. Hartenstein selbst freut sich auf die Spiele gegen Serbien und in Georgien. „Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen“, betont Hartenstein. Andernfalls hätte sich eine solch lange Anreise ja auch gar nicht gelohnt. Und Basketball macht ihm schließlich immer Spaß.