Zweierbob bei Olympia 2018 Jamanka: Olympiasieg auf dem zweiten Bildungsweg

Von Daniel Brickwedde

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Ein Olympiasieg muss erstmal verarbeitet werden: Mariama Jamanka Foto: dpaEin Olympiasieg muss erstmal verarbeitet werden: Mariama Jamanka Foto: dpa

Osnabrück. Mariama Jamanka sorgte mit ihrer Goldmedaille im Zweierbob für eine der großen Überraschungen bei diesen Olympischen Spielen. Denn Jamanka ist Quereinsteigerin, gewann nie einen Weltcup und verlor vor den Spielen auch noch ihre bewährte Anschieberin. Den Olympiasieg holte sie dennoch.

Der Schock saß tief. Gold, damit konnte ja niemand rechnen. Während um sie herum alle wild sprangen, jubelten und ihrer Freude freien Lauf ließen, blieb sie einfach sitzen in ihrem Bob und schlug die Hände vors Gesicht. „Ich war fassungslos, konnte überhaupt nicht begreifen, was da auf der Anzeigetafel stand“, sagte die 27-Jährige später. Dort stand ihr Name: Mariama Jamanka, Olympiasiegerin im Zweierbob.

Anschauungsunterricht bei Youtube

Es ist eine bemerkenswerte Geschichte. Denn Jamanka ist Quereinsteigerin, begann als Diskus- und Hammerwerferin bei der LG Nord Berlin mit dem Sport. „Für die Deutsche Meisterschaft hat’s immer gereicht, für den Endkampf nie“, begründete Jamanka einst ihre Entscheidung, 2013 in den Bob zu wechseln. Um den neuen Sport kennenzulernen, griff sie sogar auf Youtube-Videos zurück. „Ich musste mir die ganzen Bahnen und Kurven auf Youtube ansehen und so als Pilotin erarbeiten“, berichtete Jamanka. Ihr Talent als Bobpilotin war aber ungleich größer als zuvor als Leichtathletin. Zwar fehlt ihr nach wie vor ein Weltcupsieg, doch im Vorjahr gewann sie immerhin sensationell den Europameistertitel mit Annika Drazek im Zweierbob.

„Dieses Ziel hat uns zusammengeschweißt“

Doch für Olympia in Pyeongchang zählte sie trotzdem nicht zu den Favoriten. Ihre Saison verlief mit nur drei Podestplätzen alles andere als medaillenverdächtig. Zudem teilte Bundestrainer René Spies im Januar ihre bewährte Partnerin Drazek, eine der besten Anschieberin der Szene, dem vermeintlich besseren Bob von Stephanie Schneider zu. Doch für das favorisierte Duo reichte es schließlich nur zu Platz vier. Drazek freute sich anschließend trotzdem für ihre ehemalige Partnerin, fiel ihr überschwänglich in die Arme und verdrückte die eine oder andere Freudenträne.

Jamankas neue Anschieberin wurde Lisa-Marie Buckwitz, ebenfalls Berlinerin. Ein Personalwechsel, der beide in der kurzen Zeit bis zu den Spielen motivierte. „Wir wollten zeigen, was geht und allen beweisen, was wir können. Dieses Ziel hat uns zusammengeschweißt“, sagte Jamanka nach ihrem Erfolg. Das Duo siegte im Olympic Sliding Centre nach vier Läufen vor der Weltmeisterin Elana Meyers Taylor aus den USA und der zweimaligen Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada. Ein unerwarteter Coup für das „B-Team“.


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