Zehntausend Euro teurer Galopp Dieses Pferd in der Region wird niemals müde

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Fürstenau. Als einziger Sportclub der Region besitzt der Reit- und Fahrverein Fürstenau ein galoppierendes Holzpferd, auf dem Schüler und Reitsportler das Voltigieren üben können. Mit der zehntausend Euro teuren Investition verdient der Verein auch Geld.

Samstag um neun Uhr: Wie jedes Wochenende turnen die jungen Sportlerinnen des Reit- und Fahrvereins Fürstenau (RUF) kunstvoll auf einem Holzpferd, das nicht leblos in der Ecke steht, sondern gleichmäßig auf der Stelle galoppiert. Zu zweit und zu dritt stützen sie sich auf das rhythmisch auf und ab springende Gerät. Die jungen Reiterinnen üben im Trockenen ihre Voltigierkür, die sie später auf einem echten Pferd vorzeigen, das im Kreis an einer Leine geführt wird.

Simulator für 10.000 Euro

Das galoppierende Holzpferd heißt „Movie“. Ein Schreinereibetrieb in Düsseldorf hat es für den Verein als Einzelanfertigung gebaut. Mit einer Höhe von 1,25 Metern ist es niedriger als ein durchschnittlicher Pferderücken. Das erleichtert Kindern den Aufstieg und senkt das Verletzungsrisiko. In Deutschland sind bisher 59 Simulatoren im Einsatz, die meisten 1,50 Meter hoch. Ein Mechanismus im Bauch des Gerätes simuliert die Galoppbewegung eines Pferdes. Das innovative Ersatzpferd hat aber auch seinen Preis. Das Ersatzpferd hat seinen Preis. Rund 10. 000 Euro kostet es mit Spezialgurt. Ein hoher Betrag für einen Verein.

Für Schüler im Fach Voltigieren

Der Reit- und Fahrverein Fürstenau konnte die Hälfte des Geldes über Sponsoren vor Ort auftreiben, die restlichen 5000 Euro steuerte die Integrierte Gesamtschule bei, die ebenfalls ein sportliches Interesse an dem Gerät hat. Aufgestellt wurde es in der Turnhalle der Schule. Die Akrobatik zu Pferde hat die Ganztagsschule schon einige Jahre als Arbeitsgemeinschaft im Angebot. Seit 2016 können Schüler den Reitsport Voltigieren auch als Prüfung im Abiturfach Sport ablegen. In den Voltigier-Stunden lernen die Jugendlichen die Praxis mit klassischen Figuren wie der Fahne, dem Knien oder Stehen auf dem Pferd.

(Weiterlesen: Voltigieren als Teil des Abiturs an der IGS Fürstenau)

Unter den Trainierenden des Reitvereins ist an diesem Morgen Ina Reddig, 21 Jahre alt. Als es den Simulator noch nicht gab, übte sie mit den anderen meist auf Bock oder Schwebebalken zur Probe. „Man kann auf dem Movie besser üben als auf einem Holzpferd, aber auf dem richtigen Pferd ist es noch mal etwas ganz anderes, der Schwung ist ein anderer. Das Pferd springt viel höher und nach vorn.“ Die 22-jährige Madeleine Larbus aus dem Voltigierteam sagt: „Wir können vieles ausprobieren, was auf dem Pferd nicht auf Anhieb klappt. Wir sprechen uns mit dem Team ab, wer sich wo festhält. Danach setzen wir das Erlernte auf dem Pferd um.“

Lahmt nicht, buckelt nicht, ist berechenbar

Da der Verein zurzeit nur ein Voltigierpferd für seine fünf Teams besitzt, entlastet das neue Gerät das Tier. Übungen können immer wieder wiederholt werden, ohne das Pferd zu ermüden. „Der Movie lahmt nicht, buckelt nicht, bewegt sich immer gleichmäßig und ist auch dann einsetzbar, wenn ausgemistet wird oder die Reithallen belegt sind“, sagt Claudia Schuchardt.

Gute Investition

Diese Vorteile haben auch andere Reitvereine aus der Region erkannt. Regelmäßig reisen sie aus dem Osnabrücker Land und nahen Emsland an und mieten das Gerät stundenweise. Die Voltigierer von Gut Stockum trainierten vor der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr oft auf dem Bock, um die eigenen Pferde zu schonen. Auch das Lingener Juniorteam und die Vereine aus Spelle, Twist, Melle oder Borgloh trainieren darauf. Die Einnahmen kommen den zwölf Schulpferden zugute, die der Verein auf seinem Gelände hält. Auch für die Anschaffung eines weiteren Voltigierpferdes wird gespart.

Richtiges Sitzen auf dem Pferd

Längst denken Verein und Ganztagsschule auch über Einsatzfelder nach, die über das reine Voltigieren hinausgehen. „Wir setzen das Gerät auch für Sitz- und Bewegungsschulungen bei Reitern ein“, sagt Doris Bregen-Meiners vom Reit- und Fahrverein. Dafür wird ein Sattel auf den „Buckel“ geschnallt. „Es bietet viel Potenzial für den Reitunterricht und Kindergruppen.“ Jugendlichen und Kinder könnten sich mithilfe des Holzpferdes an die Bewegung von Pferden gewöhnen. Auch Schüler, die Angst vor Tieren oder Allergien haben, werden an den Reitsport herangeführt.

Interessierte Vereine oder Privatpersonen können sich für Termine oder weitere Informationen gerne bei Claudia Schuchardt melden (0173-5139953) oder eine Mail an info@ruf-fuerstenau.de senden.


Reitsport Voltigieren:

Beim Voltigieren zeigen Reitsportler turnerische oder akrobatische Übungen auf einem Pferd, das an einer Leine im Kreis geführt wird.

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