LeBron James wertvollster Spieler NBA All-Star Game: Hollywood mit einer Prise Basketball

Von Dean Walle

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Los Angeles. Mit 148:145 gewann „Team LeBron“ (Team Captain: LeBron James) die 67. Auflage des NBA All-Star Games gegen „Team Stephen“ (Team Captain Stephen Curry). Der 33-jährige Superstar der Cleveland Cavaliers sicherte sich mit 29 Punkten und zehn Rebounds gleichzeitig zum dritten Mal die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler beim Treffen der besten Basketballer der besten Liga der Welt. Das klingt erst mal nach nicht besonders außergewöhnlich, doch tatsächlich war dieses Mal einiges anders.

Zum ersten Mal in der Geschichte des All-Star Games wurde nicht nach dem klassischen Format Osten gegen Westen gespielt, sondern nach dem „Ersten-Alles“-Prinzip. Die 24 Spieler wurden durch Fan-Gunst und Trainerstimmen in einem monatelangen Wahlverfahren ermittelt. LeBron James und Stephen Curry erhielten die meisten Stimmen und wurden somit zu Team Captains. Stimmenkönig LeBron James durfte zuerst wählen und dann war der Scharfschütze der Golden State Warriors an der Reihe. Durch dieses „Pickup“-System, das von den Freiplätzen der USA bekannt ist, ergaben sich dann zwei Mannschaften, die auf dem Papier recht ebenbürtig waren. Die Startformation von „Team LeBron“ hatte es in sich: LeBron James, Kevin Durant (Golden State Warriors), Anthony Davis (New Orleans Pelicans), Kyrie Irving (Boston Celtics) und Russell Westbrook (Oklahoma City Thunder), der den verletzten DeMarcus Cousins (New Orleans Pelicans) in der Ersten Fünf ersetzte.

Jeder Spieler ein Multimillionär

„Team Stephen“ startete mit Stephen Curry, Giannis Antetokounmpo (Milwaukee Bucks), Joel Embiid (Philadelphia 76ers), James Harden (Houston Rockets) und DeMar DeRozan (Toronto Raptors).

Alle diese Namen lassen die Basketballherzen höher schlagen und sind in den USA wesentlich bekannter als ein Cristiano Ronaldo. Jeder dieser Spieler ist ein Multimillionär. Stephen Currys neuer Vertrag bringt ihm 201 Millionen US-Dollar für die nächsten fünf Jahre ein. Mit Werbeeinnahmen wird in der Szene davon gesprochen, dass der zweimalige NBA MVP jährlich 80 Millionen kassiert. LeBron James dürfte bei über 100 Millionen Dollar pro Jahr liegen, denn erst neulich unterschrieb er einen lebenslangen Vertrag mit Nike für über eine Millarde Dollar.

Munterer Schlagabtausch

Warum wurde also das Format des NBA All-Star Games geändert? Keine Verteidigung und keine Leidenschaft bei den Spielern machten die weltweit ausgestrahlte Marketing-Veranstaltung der NBA in den letzten Jahren zu einer Farce. Durch das veränderte Format und eine Siegprämie von 100000 US Dollar erhoffte sich NBA Commissioner Adam Silver, die Spieler etwas mehr zu motivieren und das hat gewirkt. Es fand ein munterer Schlagabtausch statt. Beim Stand von 148:145 für „Team LeBron“ wenige Sekunden vor Schluss verteidigten Kevin Durant und LeBron James so intensiv gegen Stephen Curry, dass der Scharfschütze keine Chance zum Abschluss mehr bekam. Jubelnd lief ein sichtlich erleichterter LeBron über das Spielfeld und umarmte seine Mitspieler. Zurecht gewann er die Trophäe für den besten Spieler des Abends. Einmal mehr war er der Star der Stars. Mit seiner 14. Telnahme verdrängte LeBron Dirk Nowitzki vom Thron der aktiven Spieler mit den meisten All-Star Game Einsätzen.

Hollywood ist nicht weit

Doch das war natürlich lange nicht alles von diesem denkwürdigen All-Star Wochenende in Los Angeles. Denn wenn eine Großveranstaltung in „LA“ stattfindet, ist natürlich immer auch Hollywood nicht weit. Da wäre zum Beispiel die etwas kuriose Interpretation der amerikanischen Nationalhymne von Fergie, der Sängerin der Black Eyed Peas, die mit ihrer Performance vor Spielbeginn Irritationen bei Spielern und Zuschauern gleichzeitig hervorrief. Warriors Forward Draymond Greens reagierte erst mit Stirnrunzeln und dann Lachen, für alle sichtbar auf dem großen Bildschirm des Staples Centers. Diese Reaktion wurde sofort zu einem Schlager in den sozialen Medien. Der nur 1,62 Meter große Comedian und Schauspieler Kevin Hart übernahm die Spielervorstellung und machte sich das ein ums andere Mal lustig über die Spieler. Teilweise recht amüsant.

Spektakuläre Dunks, viele Dreier

Sportlich wurde natürlich auch einiges geboten. Der Slam Dunk Wettbewerb hatte interessante Momente. Da wäre zum Beispiel der Dunk von Dirk Nowitzkis Mannschaftskollegen Dennis Smith Jr., der mit seinem akrobatischen Dunk die Höchstpunktzahl von 50 Punkten erreichte und die Massen begeisterte. Am Ende reichte es aber nicht für den Sieg, denn Donovan Mitchell (Utah Jazz) und Larry Nance Jr. (Cleveland Cavaliers) leisteten sich ein Dunking-Duell, das mit Showeinlagen nur so gespickt war. Mitchell ließ einen zweiten Korb direkt neben den Hallenkorb aufstellen, passte den Ball gegen das Brett des einen Korbes und hämmerte den Ball durch den Korb des anderen. Larry Nance Jr. kopierte den Dunk, mit dem sein Vater Larry Sr. 1984 den Slam Dunk Wettbewerb gewonnen hatte. Der Junior zog sich dafür sogar das Orinaltrikot von den Phoenix Suns mit der Nummer 22 seines Vaters an, mit dem dieser damals antrat.

Selbst der Dreierwettbewerb endete überraschend. Der 21-jährige Devin Booker (Phoenix Suns) setzte sich im Finale gegen Klay Thompson, den etablierten Kunstschützen der Warriors durch. Dabei brach Booker den Punkterekord mit 28 von 35 möglichen Punkten.

LeBron lässt sich nicht den Mund verbieten

Selbst politisch gab es deutliche Kritik an US Präsident Donald Trump und seinen Gleichgesinnten zu hören. LeBron James nutze seine Plattform bei der Pressekonferenz und äußerte sich kritisch zu einem Kommentar von Moderatorin Laura Ingraham, die Sportlern politische Kompetenz absprach und LeBron James nahelegte, „lieber den Ball zu dribbeln und die Klappe zu halten“. „Ich werde definitiv nicht den Mund halten und dribbeln“, sagte James. „Das werde ich ganz bestimmt nicht machen.“ Konsequenterweise trug er bei dem All-Star Game einen Sneaker mit der Aufschrift „More than an athlete“ auf der Seite seines Schuhs.

NBA Commissioner Adam Silver unterstützte seinen Superstar bei einer eigenen Pressekonferenz und ermutigte die Spieler der NBA dazu, eine Meinung zu haben und diese zu äußern. Insgesamt sei die NBA auf einem guten Wege, sich weiter zu entwickeln und besser zu werden. Die Zukunft der NBA ist in guten Händen. Das galt auch für dieses All-Star Game.


Kommentar Dean Walle:

Ich war schon bei vielen All-Star Games dabei und war in den letzten Jahren immer mehr enttäuscht darüber, wie diese Werbeveranstaltung der NBA immer mehr an Qualität verloren hat. Etwa drei Viertel der Tickets gehen direkt an die Sponsoren der NBA. Das war auch dieses Mal wieder der Fall. Die Stimmung ist einfach anders, wenn die Zuschauer nicht mehr echte Basketballfans sind. Die 5000 frei verkäuflichen Tickets fanden für nicht unter 800 US Dollar einen Besitzer. Das ist für den „normalen“ Fan doch schon sehr viel. Selbst das Show-Training der Teams wird durch Ticketverkäufe ausgeschlachtet. Die Veranstaltung selbst ist sehr professionell organisiert und es überrascht mich immer wieder, wie unglaublich gut die Marketingmaschine der NBA funktioniert. Als internationaler Journalist hat man nach beziehungsweise vor dem Show-Training Zugriff auf die Spieler. 30 bis 45 Minuten pro Team; alle Spieler gleichzeitig. Hunderte von Journalisten laufen hin und her und versuchen, Informationen zu bekommen. Dadurch entstehen natürlich witzige Momente. Russell Westbrook wurde viermal gefragt, wie er das neue Format des All-Star Games finden würde und nach dem dritten Mal führte das natürlich zu großer Belustigung bei Westbrook und den Journalisten. Eine interessante Antwort kam von Tobias Harris (Los Angeles Clippers), der als Teilnehmer beim Dreipunkte-Wettbewerb dabei war. Auf die Frage, wer ihn am meisten durch Trash Talk in der NBA überrascht hat, antwortete dieser „Dirk Nowitzki“. Wie bitte? „Dirk hat mich beim Korbleger geblockt und mich dafür fertig gemacht, und ich sagte ihm ‚Dirk, Du redest Müll, das hätte ich nicht gedacht und Dirk fing an zu lachen‘.“ Die ehemaligen NBA-Spieler Carlos Boozer und Nate Robinson haben zusammen einen Podcast gestartet und haben es da natürlich etwas einfacher. Insgesamt war die Veranstaltung dieses Jahr für die NBA aber ein voller Erfolg. Und ich muss ja zugeben, auch mir hat es endlich mal wieder richtig gefallen. Wie ein Hollywood-Film mit Happy End.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN