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Teamspringen DSV-Adler feiern Silber wie Gold

Von dpa


Pyeongchang. Drittes Springen, dritte Medaille: Die deutschen Skispringer um Gold-Junge Wellinger glänzen auch im Team. Nur für die starken Norweger reicht es in Pyeongchang nicht. Nach der Medaillenserie genießen die Adler ihren Erfolg, Sekt und Bier.

Feuchtfröhlich und völlig losgelöst starteten die DSV-Adler um Überflieger Andreas Wellinger in ihre lange Partynacht von Pyeongchang. 

Die Feierkraft seiner Athleten bekam als erstes Bundestrainer Werner Schuster zu spüren. Das olympische Silberteam um Wellinger spritzte den Erfolgscoach solange mit Sekt nass, bis dieser sich im Deutschen Haus auf den Boden schmiss und vor seinen Athleten kapitulierte. „Dass es für uns noch so ausgegangen ist, ist natürlich der Hammer. Das werden wir schön feiern“, kündigte  Wellinger an, nachdem er mit Karl Geiger, Stephan Leyhe und Richard Freitag Platz zwei hinter den überlegenen Norwegern erobert hatte.

Mit ihrem Silber-Coup von Pyeongchang krönten die Skispringer ihre starke Olympia-Bilanz. Nach Gold und Silber im Einzel war dabei wieder einmal der Bayer Wellinger Garant für das nächste Edelmetall. Mit Sprüngen auf 140 und 134,5 Meter sicherte er Rang zwei im Krimi-Duell mit Polen, das Bronze holte, ab. Zu später Stunde führte selbst Ersatzmann Markus Eisenbichler, der keine Medaille gewann, den Schuhplattler auf. Die Menge johlte und feierte „Deutschlands beste Fluggesellschaft“.

Das Ziel nach Silber war schnell klar: Das Deutsche Haus! „Für uns waren es riesige Spiele. Wir können echt stolz auf uns sein“, erklärte Schuster, der nach der Sektdusche zunächst mal einen neuen Klamottensatz anlegen durfte. Am Samstag hatten sich die Adler nach Wellingers Silber-Coup noch zurückgehalten, um für den Teamwettbewerb ideal vorbereitet an die Schanze zurückkehren zu können. Seine Zukunft über die WM 2019 in Seefeld hinaus ließ der Österreicher Schuster am Montag offen.

„Die Team-Medaille ist völlig okay, wenn die Silber ist. Es spiegelt einfach ein unglaublich starkes Team wider. Da können wir froh sein“, erklärte Freitag, für den sich auch ein Kreis schloss. 2014 holten die Adler Gold und er war als fünfter Mann in Sotschi nur Zuschauer.

Die Erleichterung war dem Quartett anzumerken. Für den Allgäuer Geiger, den Hessen Leyhe sowie den Sachsen Freitag war es jeweils die erste olympische Medaille. Bei der Siegerehrung im Auslauf packten sie sich an den Händen und sprangen kraftvoll auf das Podest, das Strahlen bekamen alle vier gar nicht mehr aus ihren Gesichtern. „Wir waren ein echt cooles Team. Mich freut es für die Jungs“, sagte  Wellinger. Keine Medaille gibt es bei der Ehrung am Dienstag für Eisenbichler, der nach zwei Einsätzen im Einzel diesmal für Leyhe weichen musste. „Er war sehr sauer“, berichtete Schuster. Bei der Siegesfeier im Deutschen Haus gab er wiederum ganz den Teamplayer.

Am Ende rettete das deutsche Team einen Vorsprung von 3,3 Punkten auf Polen zum Gewinn der Silbermedaille. Die überragenden Norweger um Skiflug-Weltmeister Daniel Andre Tande und Schlussmann Robert Johansson waren indes kaum zu schlagen. So fehlten dem deutschen Team 22,8 Punkte auf die Skandinavier und das vierte Mannschaftsgold nach 1994, 2002 und 2014.

Die Ausbeute kann sich aber sehen lassen, insbesondere Wellinger ist in Pyeongchang ins Rampenlicht gesprungen. Durch den neuerlichen Podestplatz ist der 22 Jahre alte Neu-Münchner der erste deutsche Springer mit drei Medaillen bei den gleichen Winterspielen. „Das ist schon ziemlich krass, wenn man das so hört. Drei Wettkämpfe, drei Medaillen, da braucht man nix mehr dazu zu sagen. Es hat mich selbst ein wenig überrannt“, sagte er mit zersausten Haaren und immer noch etwas sprachlos.

Die Entscheidung um den zweiten Platz fiel erst kurz vor Schluss. Mit einem Vorsprung von 0,6 Punkten war Polen in den letzten Sprung gegangen. Wellinger legte einen Satz von 134,5 Metern hin, Großschanzen-Olympiasieger Kamil Stoch folgte mit der gleichen Weite, hatte aber bessere Windverhältnisse und bekam daher weniger Punkte.

Erstmals in der Ära von Coach Schuster gab es für die DSV-Adler beim gleichen Großereignis mindestens eine Medaille im Einzel und eine im Team. „Es ist verdient und ich freue mich riesig. Wir haben absolut unsere Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen“, erklärte der Trainer.

Der Rückstand der DSV-Mannschaft auf Norwegen betrug zur Halbzeit gerade einmal zwei Punkte, also einen Meter. Drei weitere Zähler dahinter war Polen in Lauerstellung. Doch im zweiten Durchgang war Norwegen nicht mehr aufzuhalten und glänzte neben Tande und Johansson auch dank Johann Andre Forfang und Andreas Stjernen.

Keine Medaille gab es für Japan mit Oldie Noriaki Kasai. Der 45-Jährige, der seine achten Winterspiele bestreitet, erreichte mit den Asiaten Platz sechs. Damit ging Kasai in Südkorea leer aus, nachdem er noch vor vier Jahren Silber von der Großschanze und Bronze mit der Mannschaft geholt hatte. Aber der Sympathieträger will noch bis 2026 weitermachen und hätte dann noch zwei weitere Olympia-Chancen.