Führungsspieler des VfR Aalen Dreifach-Torschütze Matthias Morys: Ein Mann mit Macken

Von Alexander Haag

Lange Nase für den Gegner: Matthias Morys jubelte extravagant. Foto: imago/EibnerLange Nase für den Gegner: Matthias Morys jubelte extravagant. Foto: imago/Eibner

Aalen. Je älter er wird, desto wertvoller ist er: Matthias Morys bleibt die Lebensversicherung des VfR Aalen in der 3. Fußball-Liga. Nachdem der 30-Jährige in der Vorsaison mit 13 Treffern erstmals in seiner Karriere die 10-Tore-Marke geknackt hatte, ist ihm auch 2017/18 eine zweistellige Trefferzahl sicher. „Matthias ist ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann“, sagte Trainer Peter Vollmann nach den 4:1 gegen die SG Sonnenhof Großaspach, als Morys drei Treffer erzielte und einen mit einem Hackentrick vorbereitete.

„Wir haben die Fehler der anderen eiskalt ausgenutzt“, sagte der Mann des Tages selbstlos. Dass ihm das ausgerechnet gegen Großaspach gelungen ist, hat ihn besonders gefreut. Denn deren Trikot trug Morys einst, und nirgendwo anders hat er sich so heimisch gefühlt wie beim „Dorfverein“. „Das ist meine zweite Heimat“, sagt er. Noch heute hat der 30-Jährige dort viele Freunde, bei SG-Kapitän Daniel Hägele war Morys sogar der Trauzeuge. Im Januar 2013 hat er dann seine „zweite Heimat“ verlassen. Zu sehr hat ihn der Lockruf vom finanzstarken RB Leipzig gereizt. Nach 49 Pflichtspielen (5 Toren) und einer zwischenzeitlichen Ausleihe an Großaspach endete im Sommer 2015 Morys‘ durchwachsene Zeit bei den „Bullen“ - und er kehrte zurück zum VfR Aalen, für der er 2011 schon einmal ein halbes Jahr lang spielte.

Damals unter Trainer Ralph Hasenhüttl hat sich der pfeilschnelle Angreifer nicht durchsetzen können. Beim zweiten Versuch auf der Ostalb ist das jetzt anders: Morys ist längst ein Führungsspieler. Er geht voran, nicht nur mit seiner Trefferquote, sondern auch in Sachen Einsatzbereitschaft und Kampfgeist. Manchmal schießt der Hitzkopf allerdings übers Ziel hinaus. Wie zu Beginn der Saison, als er nach dem siebten Spieltag bereits vier Gelbe Karten kassiert hatte – fast alle wegen Meckerns. Das hat ihm einen Rüffel des Trainers eingebracht, wobei Vollmann seinen Stürmer nicht verbiegen will. Er weiß, was er an ihm hat.

Morys wiederum sagt, was er denkt. Nach seinen drei Toren am Wochenende hat er sich – wieder einmal – über seine Position auf dem Feld ausgelassen. Nein, trotz seines Dreierpacks fühle er sich in der Doppelspitze nicht so wohl. „Ich spiele lieber auf der linken Seite, da tut es nicht so weh ...“ Wobei der 30-Jährige nicht nachtragend ist. Bestes Beispiel: Vor dem Spiel gegen die SG Sonnenhof Großaspach hat der Gegner Morys‘ beim Schiedsrichter verpfiffen, dass der ohne Schienbeinschoner spiele wolle. Der Unparteiische schickte den Stürmer zurück in die Kabine, wo dieser sich aus Pappe welche basteln musste. Sogar der Anpfiff verzögerte sich um mehrere Minuten. „Ich trage seit 12 Jahren keine Schienbeinschoner, also habe ich solche Dinger auch nicht“, antwortete er flapsig – und ließ auf dem Platz Taten sprechen.

Matthias Morys ist tatsächlich der Aalener, der den Unterschied ausmacht. Und deshalb sind sie auf der Ostalb froh, dass er im vergangenen Jahr ein langfristiges Arbeitspapier bis Juni 2020 unterschieben hat. Denn trotz all seiner Macken, gehen lassen will Matthias Morys beim VfR Aalen niemand.