Gegen Norovirus und Kälte Extrembedingungen bei Olympia: So schützen sich die Sportler

Von Marco Scheinhof


Pyeongchang. Wie können sich die Sportler gegen Extremkälte und den Norovirus bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang schützen? Und wie sinnvoll oder gesund sind die späten Startzeiten der Wettbewerbe? Hier gibt es Antworten dazu.

Dominik Windisch hatte seine Hände fast vollständig zugeklebt. Überall hatte er gelbe Tape-Streifen angebracht. „Um die Kälte abzuhalten“, sagt der Biathlet, der im Sprintrennen Bronze gewonnen hatte. Andere Sportler wärmen sich in Pausen mit dicken Decken, manche sogar kurz vor ihrem Auftritt. Wie etwa Skispringer Simon Amann, der beim ersten Wettkampf sechsmal ansetzen musste zu seinem Sprung. Immer wieder war unterbrochen worden, immer wieder wurde der Schweizer in eine Decke gepackt. Es sind schwierige Verhältnisse mit Kälte und Wind, viele Wettbewerbe mussten bereits verschoben worden. Wie zuletzt gestern der Riesenslalom der Frauen, der nun am Donnerstag stattfinden soll. Zudem sorgt der Noro-Virus weiter für Unruhe.

Ab welchen Temperauren wird es gefährlich für die Sportler?

Das ist von Sportart zu Sportart verschieden. Beim Biathlon liegt der Grenzwert bei minus 20 Grad. Allerdings können die Verantwortlichen schon bei minus 15 Grad und entsprechenden Windbedingungen eingreifen und eine Absage aussprechen. Beim Langlauf sind es ebenfalls minus 20 Grad, beim Rodeln beginnt der Grenzwert bei minus 25 Grad.

Worin liegen die Gefahren bei Extremtemperaturen?

Grundsätzlich sind Wintersportler gut vorbereitet auf außergewöhnliche Temperaturen. Doch irgendwann kommen auch sie an ihre Grenzen. Dann wird es vor allem gefährlich für die Lunge und das Bronchialsystem, erklärt der deutsche Mannschaftsarzt Bernd Wolfarth. Es könne zu Entzündungsreaktionen in der Lunge kommen, die zu Problemen beim Ausatmen führen. Durch die trockene Kälte werden die Schleimhäute stark gereizt, was einen Reizhusten zur Folge haben kann. Alles in allem sind die Sportler dadurch einer höheren Infektgefahr ausgesetzt. Eine weitere Gefahr sind Erfrierungen. „Kälteschäden haben wir aber bislang noch keine“, sagt Wolfarth.

Wie können sich die Sportler schützen?

Natürlich durch wärmende Kleidung und möglichst kurze Aufenthalte im Freien. „Während des Wettkampfes ist es kaum ein Problem. Gefährlich kann es vor dem Wettkampf oder danach werden“, sagt Wolfarth. Also immer schnell rein ins Warme. „Es darf keiner den Helden spielen, indem er zu dünn angezogen ist und trotzdem lange draußen bleiben will. Man muss auf die Warnsignale des Körpers hören“, erklärt der Teamarzt. Wichtig sei es zudem, die Schleimhäute feucht zu halten, zum Beispiel durch das Inhalieren von Kochsalzlösung.

(Weiterlesen: Das hat es mit den Mund-Heizungen für die Sportler in Südkorea auf sich)

Viele Wettbewerbe finden in Pyeongchang am späten Abend statt. Ist das sinnvoll?

Nicht wirklich, die späten Zeiten sind aber den Wünschen der Fernsehsender geschuldet. Das hat neben der noch extremeren Kälte auch zur Folge, dass kaum mehr Zuschauer beim Biathlon oder Skispringen dabei sind. Eine ärgerliche Entwicklung. „Medizinisch ist es noch vertretbar, frühere Startzeiten aber wären für die Athleten komfortabler“, sagt Wolfarth.

Wie hat sich der Norovirus entwickelt?

Gestern kamen 19 neue Fälle hinzu. Die südkoreanischen Organisatoren reagieren allerdings sehr konsequent und stellen alle Infizierten sofort unter Quarantäne. Der Norovirus ist hochansteckend und tritt vermehrt im Winter auf. Der Brechdurchfall tritt nach ein bis zwei Tagen nach der Ansteckung auf und kann auch hohes Fieber zur Folge haben. Nach zwei bis drei Tagen klingen die heftigsten Schmerzen wieder ab. Die ersten Erkrankten, die vornehmlich aus dem Helferteam stammten, sind wieder zurück bei ihrer Arbeit.

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden ergriffen?

Hygiene ist das Wichtigste, da der Virus durch verunreinigtes Essen, Wasser oder Kontakt mit infizierten Personen übertragen wird. Am ehesten über die Hände und somit über Türgriffe oder Ähnliches. „Händewaschen ist ganz wichtig“, sagt Bernd Wolfarth. Alle deutschen Teammitglieder wurden zudem großflächig mit Handdesinfektionsmitteln ausgestattet. Noch ist es zu keiner Ansteckung innerhalb der Teams gekommen. „Wir beobachten die Situation natürlich ganz genau. Wenn es bei einem die ersten Anzeichen gibt, werden wir ihn sofort isolieren“, sagt der Mannschaftsarzt.