Fussball-Talks unter der Lupe: Wontorra auf Sky Watzke: „Fans zahlen die Zeche, wenn 50+1 fällt“

Von Malte Goltsche

Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach bei Wontorra. „Die Fans zahlen die Zeche, wenn die 50+1-Regel fällt, schauen sie sich die Ticketpreise in England an.“ Foto: WittersDortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sprach bei Wontorra. „Die Fans zahlen die Zeche, wenn die 50+1-Regel fällt, schauen sie sich die Ticketpreise in England an.“ Foto: Witters

golt Osnabrück. Hans-Joachim Watzke war am Sonntagvormittag zu Gast beim Sky-Fußballtalk mit Jörg Wontorra. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund sprach über die mögliche Abschaffung der 50+1-Regel, die zukünftige Ausrichtung des Klubs und der Mannschaft, und ging mit den Medien hart ins Gericht.

Unter der Woche wurde in Fußball-Deutschland mal wieder über die 50+1-Regel diskutiert, nachdem Martin Kind seinen Antrag zur Übernahme von Hannover 96 vorerst zurückgezogen hat. Nun sprachen bei Jörg Wontorra der Dortmunder Geschäftsführer und sein Leipziger Kollege Oliver Mintzlaff über das Thema. Während Mintzlaff sich dafür ausspricht, mit der gesamten Liga an einer möglichen Modifizierung der Regel zu arbeiten, ist Watzke von den negativen Folgen von Investoren-Einstiegen in den Fußball überzeugt: „Die Fans zahlen die Zeche, wenn die 50+1-Regel fällt, schauen sie sich die Ticketpreise in England an. Wir müssen jedem Menschen in unserer Gesellschaft die Möglichkeit geben, ins Stadion zu kommen zu Ticketpreisen, die jeder bezahlen kann.“

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Finger in die Wunde

Jörg Wontorrra legte den Finger gleich zu Beginn in die Wunde. Gleich neun Mannschaften hätten in dieser Saison aktuell weniger Tore kassiert als der BVB. Das könne nicht der Anspruch einer Mannschaft sein, die in die Champions League will, so Wontorras Andeutung. Watzke bezweifelt zurecht Wontorras Statistik - der BVB stellt mit einigen Mannschaften zusammen die achtbeste Defensive der Liga -, nimmt sie jedoch sogleich zum Anlass für eine ausschweifende Kritik an den Medien: „Unter Peter Bosz hieß es, alles sei viel zu offensiv, unter Peter Stöger ist nun alles zu defensiv. Es hört sich alles so an, als würden wir kurz vorm Abstieg stehen. Es ist nicht so, dass es bei uns besonders kritisch ist aber wir müssen sicher einige Dinge neu justieren. Ich finde das Peter Stöger es gut hinkriegt. Spieler, die bereits als Fehleinkäufe abgetan wurden wie Ömer Toprak oder André Schürrle, spielen auf einmal befreit auf.“

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Mangel an Typen und Führungsspielern

Auch die Kritik von Sky-Experte Lothar Matthäus, dass es dem BVB an Typen und Führungsspielern fehle, wehrte Watzke ab, auch wenn er diese wohl etwas anders interpretiert: „Unser Weg ist und war immer der, höchst talentierte Spieler zu holen und zu entwickeln. Das müssen wir jetzt auch und wollen dabei dann in die Champions League kommen. Mit der Größe von anderen Klubs wie Bayern oder Barcelona können wir uns nicht messen.“ Matthäus meinte mit seiner Kritik allerdings vornehmlich die fehlende Kämpfermentalität im Dortmunder Kader, eine Ansicht, die Watzke mit Blick auf „Neujustierungen“ im Dortmunder Kader jedoch vollends unterstützt: „Wir müssen vielleicht auch mal einen dabeihaben, der einen wegsenst. „Die geplanten Veränderungen der Kaders legt Watzke in die Hände von Sportdirektor Michael Zorc: „ Das ist Michaels Baustelle, ich kann Ihnen da im Moment auch keine Namen nennen. Nach der Winterpause, die für uns alle sehr stressig war, haben wir in der letzten Woche kaum miteinander gesprochen. Ich kenne also den neuesten Stand nicht.“

Nachdem Gastgeber Wontorra auf die Laufzeit des Vertrages von Peter Stöger hingewiesen hatte (bis Juni 2018), startete Watzke dann eine Lobeshymne auf den BVB-Coach: „Wir sind sehr zufrieden mit ihm, das war aber von vornherein klar, weil er ein außergewöhnlich guter Trainer ist. Wir haben wieder eine Vertrauensbasis zwischen Miachel Zorc, ihm und mir und es fühlen sich, glaube ich, alle ganz wohl dabei.“ In der Zukunft gehe es erst einmal darum, die nächsten Spiele erfolgreich zu gestalten und dann sei Peter Stöger der erste Ansprechpartner für den Trainerposten in der nächsten Saison.

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Transfers ohne Wirkung

Der BVB-Boss nahm außerdem Stellung zu der Kritik, Dortmund werde mehr und mehr ein Ausbildungsverein für die internationalen Topklubs und mache zu wenig aus seinen Transfereinnahmen. „Wir müssen akzeptieren, dass es irgendwann für uns eng wird, wenn ein Verein wie Manchester City Spielern dreimal so viel Gehalt bietet. Wir müssen lernen, dass es auch Klubs gibt, die uns Spieler wegholen können. Kein deutscher Verein, mit Ausnahme von Bayern München, hat so viele Erfolge geholt wie der BVB in den letzten zwölf Jahren. Ein Klub der vor 12 Jahren noch vor der Gläubigerversammlung stand“, erinnerte Watzke bei aller Kritik an die Fast-Insolvenz des Vereins und die erfolgreiche Vergangenheit.

Nachdem er die Einnahmen der Transfers von Ousmane Dembele (nach Barcelona), Pierre-Emerick Aubameyang usw. mit ökonomischem Fachwissen relativierte, hatte der Dortmunder Geschäftsführer noch einen Seitenhieb an die Sky-Experten parat: „Dietmar Hamann und Lothar Matthäus haben in ihrem Leben noch nie eine Gewinn- und Verlustrechnung gelesen und noch nie eine Bilanz. Ex-Spieler und Journalisten können wo etwas überhaupt nicht bewerten.“


Wontorra – der Fußball-Talk:

Jeden Sonntag ab 10.45 Uhr auf Sky Sport News HD (frei empfangbar) und im Live-Stream auf sport.sky.de. Moderation: Jörg Wontorra.