Olympia bei Minusgraden Das hat es mit den Mund-Heizungen in Südkorea auf sich

Von Claudia Scholz


Pyeongchang. Bei minus zehn Grad kämpfen Biathleten und andere Wintersportler im südkoreanischen Pyeongchang gegen die beißend kalte Luft. Die Olympia-Sportler behelfen sich mit Wärmepflastern, kuriosen Atemwärmern und intelligenten Socken.

Die Kälte setzt den Athleten in Pyeongchang hart zu. Besonders betroffen sind die Biathleten. Zehn Grad unter dem Gefrierpunkt zeigte das Thermometer während der ersten Trainingsfahrten der Biathleten auf der Olympiastrecke. Der deutsche Biathlon-Star Maren Hammerschmidt wurde beim Training mit einem kuriosen, weißen Gerät gesichtet, das an eine Mundharmonika erinnert.

Atemwärmer für die Biathleten

Dabei handelt sich um einen Atemwärmer. In dem Kunststoffgerät befinden sich Aluminiumlamellen. Beim Ausatmen erwärmen sich diese Lamellen durch die warme Luft, die den Mund verlässt. Gleichzeitig sammelt sich die Feuchtigkeit des Atems. Beim Einatmen wird die einströmende kalte und trockene Luft dann erwärmt und befeuchtet.

Schutz vor Infektionen

Viele Athleten greifen zu den Atemwärmern, um sich vor ihren Wettkämpfen vor Infektionen zu schützen. Je kälter die Luft ist, desto größer ist das Risiko einer Bronchitis oder einer anderen Atemwegserkrankung. Für die Sportler ist es zudem weniger schmerzhaft, die beißend kalte Luft einzuatmen. Das verhindert Anstrengungsasthma und einen Hustenreiz nach dem Sport. Auch der Wärme-und Flüssigkeitsverlust ist geringer, wie ein Hersteller der Geräte auf seiner Seite schreibt.

Auch die tschechischen Biathletinnen Eva Puskarèíková und Lucie Charvatova setzten auf die kleine Mund-Heizung beim Training der vergangenen Tage in Pyeongchang. Im Rennen verzichten die Sportler dann allerdings auf das Gerät. Denn es erschwert das Atmen.

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Heizungssocken per App reguliert

Biathletin Laura Dahlmeier trug eine Art Kinnband, um nur einen kleinen Teil ihres Gesichtes dem kalten Wind auszusetzen. Zahlreiche Athleten hatten sich zudem vor den Trainingsfahrten sogenannte Kinesio-Tapes auf Wangen und Nase geklebt. Diese dicken und elastischen Pflaster sollen das Kältegefühl lindern. Auch Heizsocken sind im Einsatz. Österreichs Athleten wurden mit mehr als 200 Euro teuren Socken ausgestattet, deren eingebaute Heizung per Handy-App reguliert werden kann.

Absagen drohen ab minus 20 Grad

Bei extremer Kälte könnten einzelne Wettbewerbe in der Loipe, an den Hängen oder auf den Schanzen sogar abgesagt werden. Es gibt Richt- und keine Grenzwerte: Erst ab minus 20 Grad ruhen Ski und Kleinkalibergewehr nach dem Regelwerk im Biathlon. Langlauf kann bei bis minus 20 Grad betrieben werden, ist aber auch schon bei weniger tiefen Temperaturen abgesagt worden.

Geheizte Sitze für die Sportler

Für die Eröffnungsfeier am Freitag sind zwar etwas höhere Temperaturen angesagt, die Organisatoren wollen trotzdem vorsorglich an jeden Zuschauer im Olympiastadion ein „Rettungspaket“ verteilen – mit Pudelmütze, Poncho, Wolldecke sowie Hand- und Fußwärmern. Nach dem Einmarsch warten auf die Sportler geheizte Sitze.

Skisprung-Altmeister Noriaki Kasai sorgt dennoch vor: „Der gruseligste Teil wird die Eröffnungsfeier sein. Ich werde Wärmepflaster an meinem gesamten Körper tragen müssen“, sagte der 45-Jährige.

(Mit dpa)