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Eccelstone: Unverständlich Das Ende der Hostessen: Wird Formel 1 wegen #MeToo prüde?

Von Claudia Scholz

Damals entsprachen sie noch dem Geschmack der Formel 1: Grid Girls in Mexiko-City 2016 beim Großen Preis von Mexiko. Foto: WittersDamals entsprachen sie noch dem Geschmack der Formel 1: Grid Girls in Mexiko-City 2016 beim Großen Preis von Mexiko. Foto: Witters

Osnabrück. Die Formel 1 will ab der kommenden Saison 2018 keine Nummern-Girls mehr neben den Rennwagen aufmarschieren lassen. Die Führung der Rennserie begründete das Ende der „Grid Girls“ mit dem gesellschaftlichen Wandel. Ecclestone, Lauda und viele Fans protestieren.

Die leicht bekleideten Grid Girls sollen von der Piste verschwinden. Die Führung der Rennserie begründete dies mit dem gesellschaftlichen Wandel infolge der MeToo-Debatte. Leicht bekleidete Mädchen neben den Rennwagen aufmarschieren zu lassen sei nicht mehr zeitgemäß. „Wir glauben nicht, dass dieser Brauch passend oder bedeutend für die Formel 1 und ihre bisherigen und künftigen Fans in aller Welt ist“, heißt es vom Formel-1-Marketing. Diese Entscheidung gelte auch für alle Rennen anderer Klassen an Grand-Prix-Wochenenden.

Künftig Kids anstatt Girls

Wie die Formel 1 bekannt gab, soll es zukünftig „Grid-Kids“ geben, also Kinder, die den Fahrer in der Startaufstellung begleiten. Die sollen von den jeweiligen Motorsportklubs per Los oder aufgrund von Verdiensten ausgesucht werden und zusammen mit ihren Familien auflaufen.

In der Startaufstellung posierten die Grid Girls bisher vor jedem Grand Prix mit Namens- und Startnummer-Schildern vor den Piloten, nach dem Rennen empfingen sie in Spalierformation die drei Schnellsten.

Ecclestone sagt „prüde“

Bernie Ecclestone, der frühere Geschäftsführer der Formel 1-Holding, hält die Entscheidung für unangebracht. „Das Land wird im Moment ziemlich prüde“, wird Ecclestone von der Tageszeitung The Sun zitiert. „Ich kann nicht verstehen, wie ein gutaussehendes Mädchen, das mit einem Fahrer und einer Nummer vor einem Formel-1-Auto steht, für irgendjemanden anstößig sein kann.“

In den sozialen Netzwerken empören sich viele über die Abschaffung der Damen auf der Piste. Vor Wochen war die Aufregung im Netz bereits hochgekocht, als der Darts-Weltverband verkündet hatte, zukünftig auf die freizügigen Walk-on-Girls zu verzichten.

(Weiterlesen: Darts-Verband will Walk-on-Girls abschaffen)

Ein Nutzer schreibt auf Twitter über die Tradition des weiblichen Begleitpersonals bei den Rennen: „Grid Girls gehören einfach zum Motorsport! Das hat absolut nichts mit Frauenrechten, etc. zu tun. Lasst den Mädels das Recht selbst zu entscheiden!“

Red-Bull-Fahrer Max Verstappen sagte der „Bild“: „Die Grid Girls müssen bleiben.“ Und Nico Hülkenberg meinte: „Wäre wirklich schade, wenn sie den Augenschmuck vom Grid nehmen.“

Besonders klar Stellung bezog Ex-Weltmeister Niki Lauda im „Standard“: „Haben die einen Vogel?“ Die Emanzipation der Frauen „ist vollkommen richtig, um genau zu sein, sind sie dabei, uns zu überholen. Wieso sollen sie nicht mehr da stehen dürfen?“, sagte der Österreicher. Und weiter: „Das ist eine Entscheidung gegen die Frauen.“

Die Fernsehreporterin Amy Dargan war selbst Nummern-Girl, bevor sie bei Motorsportserien anfing. „Bei dieser Debatte gehe ich auf die Barrikaden“, sagt die 26-Jährige. „Ich war während meines Uni-Studiums auch ein Grid-Girl. So konnte ich bereits im Sport arbeiten, wo ich sowieso später hinwollte. Ich habe viele Kontakte geknüpft, Kollegen und meinen Freund gefunden. Die Zeit als Grid-Girl hat mich positiv geprägt“, sagt sie.