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Einspruch vor CAS Streit um Olympia-Startrecht für Russen bis zur Eröffnung

Von dpa

Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow klagt gegen den Olympia-Ausschluss. Foto: Angelika WarmuthSkeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow klagt gegen den Olympia-Ausschluss. Foto: Angelika Warmuth

Pyeongchang. Wie viele russische Athleten dürfen denn nun bei den Winterspielen in Pyeongchang starten? IOC-Präsident Bach hofft, dass die Frage endlich beantwortet ist, wenn die Flamme am Freitag entzündet wird.

Der Streit um das Startrecht für knapp 50 Athleten aus Russland wird zur juristischen Hängepartie bis kurz vor der olympischen Eröffnungsfeier.

Die Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofs CAS kam in einer ersten Anhörung noch zu keinem Ergebnis und will nun bis spätestens Freitagvormittag eine Entscheidung treffen. 45 russische Sportler und zwei Betreuer, die in zwei Gruppen vor den CAS gezogen sind, wollen ihr Startrecht bei den Winterspielen in Pyeongchang erwirken. Von Donnerstagmittag wollen sich die drei Richter erneut zusammensetzen. Das Dauerthema Doping wirft damit weiter einen langen Schatten auf den Spiele-Countdown und trübt das positive Bild, das das Internationale Olympische Komitee zu zeichnen versucht. „Die Anhörungen gehen weiter“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach. „Hoffentlich haben wir bald eine Entscheidung.“

Bach bekräftigte, dass das IOC „gute Argumente“ gehabt habe, als es die Einladungsliste auf 169 russische Athleten beschränkte. Und falls nach dem CAS-Spruch doch mehr Russen starten dürfen? „Das ist ein laufendes Verfahren. Ich kann über mögliche Folgen nicht spekulieren“, sagte der IOC-Präsident. Er betonte aber, dass die „Olympischen Athleten aus Russland“ sich an die von ihnen unterschriebenen Verhaltensregeln halten müssen. Keine Hymne, keine Flagge, kein Nationaltrikot - und das beim Zieleinlauf etwa im Biathlon übliche Schwenken von Fahnen, die aus dem Zuschauerraum gereicht werden, müssen die Russen auch verzichten.

Bei den zusätzlichen Fällen, die seit Mittwoch von der Sportjustiz behandelt werden, geht es um 13 Athleten und zwei Betreuern, deren lebenslange Olympia-Sperren vom Sportgerichtshof in der Vorwoche aufgehoben worden waren, denen das IOC aber trotzdem die Einladung nach Pyeongchang verweigert hatte. Unter den Klägern sind Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow und der Langlauf-Goldmedaillengewinner von Sotschi, Alexander Legkow.

Die Wettkampfstätten in Südkorea sind rechtzeitig fertig geworden, und immerhin mehr als 77 Prozent der Tickets verkauft. Die olympische Welt könnte für Bach so schön sein. Das IOC hat sich zum Beispiel dafür ausgesprochen, seine Jugendspiele 2022 nach Afrika zu geben und damit erstmals ein olympisches Großereignis auf diesem Kontinent zu platzieren. Und das Ausrichterkomitee der Sommerspiele 2020 in Tokio meldet 2,4 Milliarden Euro Einnahmen aus Sponsorenverträgen. Doch all diese Themen verblassen hinter der Auseinandersetzung um das Startrecht für die Russen.

Die Athletenkommission des IOC versuchte, den Sportlern mit etwas umständlichen Formulierungen die Sorge vor von Doping belasteten Winterspielen in Pyeongchang zu nehmen. „Wir wollen euch die Versicherung geben, dass alle Maßnahmen getroffen wurden, um sicherzustellen, dass ihr gegen saubere Athleten antretet“, hieß es in einem offenen Brief. Die Athletenvertreter schrieben: „Wir glauben, dass es Zeit für euch ist, sich auf den Sport zu fokussieren und auf das, für das ihr in den vergangenen Jahren so hart gearbeitet habt.“ Thomas Bach schloss sich an: „Lasst uns hoffen, dass die Sportler wieder die Hauptbühne übernehmen.“