Fussball-Talks unter der Lupe: Sky90 Peter Fischer zwischen Drohungen und Solidaritätswelle

Von Fabian Pieper

Präsident von Eintracht Frankfurt Peter Fischer begründete wieder seine AfD-kritik bei Sky90. Foto: WittersPräsident von Eintracht Frankfurt Peter Fischer begründete wieder seine AfD-kritik bei Sky90. Foto: Witters

Osnabrück. Bei „Sky90 – Die Kia Fussballdebatte“ am Montagabend auf Sky Sport Bundesliga 1 kamen die Gäste um ein heißdiskutiertes Thema nicht herum: die Aussagen des Präsidenten von Eintracht Frankfurt Peter Fischer, der sich klar gegen die AfD platziert hatte.

Neben den Machtverhältnissen innerhalb eines Fußballvereins und der grundsätzlichen Ausrichtung der Bundesliga-Spitzenteams für die kommenden Jahre ging es bei „Sky90 – Die Kia Fussballdebatte“ am Montagabend um die Kritik des Präsidenten von Eintracht Frankfurt Peter Fischer gegen die AfD.

Bayern-Dominanz im Fokus

Doch zunächst stieg Moderator Patrick Wasserziehr, der mit RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick und dem technischen Direktor des FC St. Pauli Ewald Lienen, auf die Meinungen zweier weiterer aktiver Funktionäre bauen durfte, mit der übergroß zu werden drohenden Dominanz der Bayern in die Debatte ein. Letzterer positionierte sich hierzu ganz klar („Diese Situation ist nicht gut für die Liga!“) und wurde vom vierten Studiogast, dem „Welt“-Sportredakteur Julien Wolff, noch ergänzt („…und auch nicht gut für die Bayern selber!“).

„Ein Punkt hinter dem VfL Osnabrück – nicht unser Anspruch“

In der ersten Hälfte der Debatte drehte sich das Thema jedoch um die richtige sportliche Ausrichtung eines national erfolgreichen Fußballvereins – klar, dass Ralf Rangnick als Sportdirekter eines Vereins, der sich im internationalen Geschäft festzusetzen versucht, hier die meisten Redeanteile erhielt. Wichtig sei eine gute Jugendarbeit, das hätten die Vereine in den letzten Jahren mehr und mehr erkannt. Umso mehr ärgere es ihn, dass der aktuelle U19-Jahrgang von RBL in der A-Junioren-Bundesliga schwächele: „Wir stehen in der Liga einen Punkt hinter dem VfL Osnabrück, das kann nicht unser Anspruch sein!“ Fischer warf in der Thematik noch ein, dass er es für unwahrscheinlich halte, dass die Eintracht in naher Zukunft größere Geldsummen für Nachwuchsspieler zahlen werde, wie Leipzig, Bayern und Dortmund es zuletzt getan hätten.

Wolffs Fettnäpfchen und Rangnicks Meinung zum Super Bowl

Zum erzwungenen Wechsel Pierre-Emerick Aubameyangs hin zum FC Arsenal behauptet Julien Wolff anschließend, dass solch eine Situation bei Bayern oder Leipzig unmöglich wäre, da die Personen auf der Handlungsebene solches Verhalte gar nicht zulassen würde – und trat damit in ein Fettnäpfchen, da Rangnick ihn korrigieren musste; Selbiges verhalten zwang ihn während seiner Zeit bei RB Salzburg zum Verkauf von Sadio Manè. Rangnick merkte an, dass man solches Verhalten aber grundsätzlich im Keim ersticken müsse.

Und auch Sky90 kam nicht um einen kurzen Abstecher zum Super Bowl, dem Finale der nordamerikanischen Football-Meisterschaft, herum. Den habe sich Rangnick nämlich in der Nacht zuvor teils angesehen („Ich war beeindruckt, wie dort von außen gecoacht wird!“) und erklärt, dass er, der er sich die Spiele seines Vereins von der Tribüne ansehe, in der Halbzeit seinen Input in der Kabine anbringe, woraufhin Wolff feststellte: „Sowas hat Ancelotti bei Bayern gefehlt, es hat ihm nicht gutgetan.“

„Hier rede nicht ich, sondern ein kompletter Verein!“

Wirklich interessant wurde es dann jedoch erst im letzten Drittel des Talks, als Peter Fischer noch einmal seine Äußerungen darüber, dass AfD-Mitglieder bei der Eintracht keinen Platz hätten, erläuterte: „Wir haben in unserer Satzung ein Wertesystem, das eindeutig ist!“ Da er diese Satzung nicht nur privat, sondern auch als Präsident klar vertrete, machte er deutlich: „Hier rede nicht ich, sondern ein kompletter Verein!“ Er habe im Nachgang seiner Äußerungen, die in der Öffentlichkeit zu einem großen Thema wurden, Drohungen per Mail erhalten, die sich gegen ihn und seine Familie gerichtet hätten und erhielt Zuspruch von Lienen, dessen Verein St. Pauli sich ebenfalls klar gegen rechts positioniert: „Das ist der Beweis, dass Ihre Reaktion die richtige war, Punkt!“

500 neue Mitglieder bei Eintracht Frankfurt

Fischer hob jedoch vor allem die positiven Seiten der Medaille hervor; so seien in der letzten Woche über 500 neue Mitglieder aus ganz Deutschland in den Verein eingetreten, da sie die Haltung der Eintracht in dieser Angelegenheit wertschätzten. In Bezugnahme auf die 50+1-Regel, die ebenfalls derzeit im Fokus der Öffentlichkeit steht, machte Fischer noch klar, dass er nicht mehr der Präsident eines Vereins sein könnte, der wirtschaftliche Interessen seiner sozialen Verantwortung vorziehen würde.

Zum Abschluss durfte sich Fischer jedoch auch zum sportlichen Abschneiden seiner Eintracht äußern („Nico Kovac ist ein Förderer der Integration in der Mannschaft, aber vor allem ein akribischer Arbeiter!“) und wurde hier noch von Julien Wolff, der vor allem Kevin-Prince Boateng als wichtigen Baustein des sportlichen Erfolgs sah, unterstützt. Damit beendete Patrick Wasserziehr die Debatte, die zeigte: (Profi-)Sport und Politik sind nur schwer voneinander zu trennen.


Sky90 – Die Kia Fussballdebatte:

Jeden Montag ab 22.30 Uhr auf Sky Sport Bundesliga 1. Moderator: Patrick Wasserziehr.