Fussball-Talks unter der Lupe: Wontorra auf Sky Reschke bescheinigt Hoeneß „keine Angst vor Erneuerungen“

Von Micha Lemme


Osnabrück. Heiß diskutiertes Thema bei „Wontorra – der Fußball-Talk“ auf Sky war die Trainersituation beim FC Bayern München. Das Bemühen von Uli Hoeneß, mit Jupp Heynckes über den Sommer hinaus zusammenzuarbeiten, wurde skeptisch beurteilt. Hauptgast war der Sportvorstand des VfB Stuttgart Michael Reschke, der sich nochmals zum scharf kritisierten Trainerwechsel beim VfB äußerte.

Neben Reschke waren Sky-Experte Dietmar Hamann, Journalist Frank Hellmann und Autor Lucas Vogelsang im Studio zu Gast. Während die aktuelle sportliche Situation des FC Bayern München nur kurz erörtert wurde (Hamann: „In der Form, in der sie sich im Moment befinden, haben sie auch in der Champions League sehr, sehr gute Karten.“), lag der thematische Fokus eindeutig auf der zukünftigen Ausrichtung des FC Bayern auf der Trainerposition. Vogelsang ging sofort in die Offensive und hinterfragte die Strategie von Bayern-Präsident Uli Hoeneß: „Hoeneß hat ein bisschen Angst vor der Jugend und auch Angst vor der Zukunft. Dieses an Heynckes festhalten ist ja eine sehr romantische Vorstellung des Fußballs.“

(Weiterlesen: Bruno Hübner bei Sport1: Niko Kovac bleibt Trainer von Eintracht Frankfurt)

Reschke: „Hoeneß hat definitiv keine Angst vor der Zukunft“

Wenn Hoeneß nun einen sehr jungen Trainer hole, dann leite er damit auch seinen eigenen Abgang ein, weil sich der Verein um den Trainer erneuern müsse, spekulierte Vogelsang und konkretisierte: „Ich glaube, davor hat er Angst.“ Reschke, der vor seiner Zeit in Stuttgart drei Jahre beim FC Bayern tätig war, widersprach dieser Vermutung vehement: „Eins kann ich Ihnen versichern: Uli Hoeneß hat definitiv keine Angst vor der Zukunft und keine Angst vor jungen Leuten und Erneuerungen.“ Die aktuelle Situation in der Trainerfrage wurde auch von Hamann kritisch beurteilt, der von einem schwierigen Zwiespalt sprach. Bezüglich der andauernden Sympathie-Bekundungen von Hoeneß gegenüber Heynckes meinte er: „Die Bezirzungen bringen keinen weiter.“ Als möglichen Nachfolger für den 72-jährigen Heynckes brachte Hellmann den aktuellen Frankfurt-Coach Niko Kovac ins Gespräch.

Wird der VfB zum „HSV des Südens“?

Ein großes Thema in der Runde war auch die Situation beim VfB Stuttgart nach dem Trainerwechsel von Hannes Wolf zu Tayfun Korkut. Sportvorstand Reschke zollte Wolf nochmals Respekt für dessen Offenheit und Ehrlichkeit. „Am Ende des Tages haben wir einfach das Gespür gehabt, dass wir mit einem neuen Trainer die Chance auf Erfolg leicht erhöhen“, erklärte Reschke, der Korkut als „Wunschkandidat-Trainer“ bezeichnete. Den deutlichen Unmut der Fans über die Verpflichtung von Korkut versuchte Vogelsang zu begründen: „Der Fan sieht die Zahlen, sieht die Personalie, sieht die Erfolge dieses Trainers, und ist natürlich aufgebracht.“ Aus Sicht des Autors müsse der VfB in der aktuellen Entwicklung aufpassen, nicht „der HSV des Südens“ zu werden. Auch Hellmann äußerte sich skeptisch: „Man fühlt sich einfach an die Situation 2016 erinnert, als dieses Trauma des Abstiegs diesen ganzen Verein irgendwo gelähmt hat.“

Mainzer sind sich der Situation bewusst

Die Situation der anderen Kandidaten im Abstiegskampf kam ebenfalls zur Sprache. Rouven Schröder, Sportvorstand vom Tabellensechzehnten Mainz 05, war live zugeschaltete und machte deutlich: „Uns ist von vornherein bewusst gewesen, dass es eine schwere Saison wird.“ Vogelsang kritisierte die Kaderzusammenstellung der 05er als „beliebig“ und fragte sich: „Wer ist Mainz 05 eigentlich?“ Die Vorwürfe bei der Kadergestaltung wies Schröder deutlich zurück und stärkte darüber hinaus Trainer Sandro Schwarz den Rücken. Positiv kam der Weg des Mainzer Konkurrenten Werder Bremen zur Sprache. Sky-Experte Hamann fand lobende Worte für die Arbeit von Trainer Florian Kohfeldt: „Was der Mann geleistet hat in den letzten vier, fünf Monaten, ist sensationell.“

Gegenläufige Entwicklungen in Leverkusen und Dortmund

Einig war sich die Runde, dass im „Schneckenrennen“ um die europäischen Plätze Bayer Leverkusen aktuell die beste Entwicklung aufzeigt und als Favorit für einen der Champions-League-Plätze gilt. Auch der live zugeschaltete Leverkusener Sportdirektor Rudi Völler unterstrich die positive Tendenz bei Bayer. Enttäuscht äußerte sich Hamann über Borussia Dortmund: „Ich glaube, dass Anspruch und Wirklichkeit bei Borussia Dortmund derzeit weit auseinanderliegen. Und deswegen glaube ich auch, dass sie nicht unter die ersten Vier kommen werden.“ Hellmann schloss sich dem an und kritisierte die fehlende „Kontur“ in der Kaderzusammenstellung. „Es fehlt einfach an Persönlichkeiten, es fehlt an Führung“, so der Freie Journalist.


Wontorra – der Fußball-Talk

Jeden Sonntag ab 10.45 Uhr auf Sky Sport News HD (frei empfangbar) und im Live-Stream auf sport.sky.de. Moderation: Jörg Wontorra.