Moderator zum achten Mal live dabei Jan Stecker über den Super Bowl und den Hype in Deutschland

Von Christoph Schillingmann

Bereits zum achten Mal moderiert Jan Stecker den Super Bowl live aus dem Stadion. Foto: Stefan Hobmaier/ProSiebenMAXXBereits zum achten Mal moderiert Jan Stecker den Super Bowl live aus dem Stadion. Foto: Stefan Hobmaier/ProSiebenMAXX 

Osnabrück. Die New England Patriots treffen im Finale der National Football League (NFL) in der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr MEZ, live auf ProSieben) auf die Philadelphia Eagles. Im Interview spricht TV-Moderator Jan Stecker über die NFL-Playoffs, den Super Bowl und den steigenden Hype in Deutschland.

Herr Stecker, wer gewinnt den Super Bowl?

Ich wünsche mir, dass die Eagles am Ende knapp vorne liegen, indem die Defense zwei starke Aktionen bringt und vielleicht einen Turnover, eine Interception oder einen Fumble kreiert. Das wäre mein persönlicher Wunsch. Aber wenn ich Geld setzen müsste, dann auf die Patriots.

Warum?

Sie schaffen es seit 18 Jahren in der Kombination mit Trainer Bill Belichick und Tom Brady mit den unterschiedlichsten Spielern immer wieder ein Topniveau zu erreichen. Die Patriots standen siebenmal nacheinander im AFC-Championship-Finale. Das ist unfassbar. So etwas hat es noch nie gegeben und wird es wahrscheinlich auch nicht mehr.

Ist das Duell ein würdiges Finale?

Absolut. Die Patriots haben es sich erkämpft und im AFC-Championship-Game gegen die Jacksonville Jaguars hervorragend gespielt. Brady hat im letzten Drive wieder bewiesen, warum er auch noch mit seinen 40 Jahren ein herausragender Quarterback ist. Und die Eagles haben es sich sowieso wirklich verdient, weil sie einen schweren Weg hatten.

Die Patriots treffen im Super Bowl auf die Eagles. Haben sich die Favoriten durchgesetzt?

Nein, es gab in den Playoffs ein gewisses Favoritensterben. Mit den Patriots ist nur ein Favorit drin geblieben. Die ersten beiden Überraschungen waren, dass die New Orleans Saints und die Pittsburgh Steelers ausgeschieden sind. Und mit den Atlanta Falcons war ein weiterer Favorit überraschend früh raus.

Mein Tipp war, dass die Saints und die Steelers im Super Bowl aufeinander treffen, und die Steelers gewinnen.

Warum ist es anders gekommen?

Das ist ja das Schöne am Football und an den Playoffs. Es setzen sich auch mal Mannschaften wie die Eagles durch, die in ihrer Vereinsgeschichte überhaupt erst zweimal im Super Bowl waren. Aber am Ende hatte man das Gefühl, dass sie es auch verdient haben.

Bei den Eagles fehlte in den Playoffs mit Carson Wentz ja auch der etatmäßige Quarterback verletzungsbedingt.

Das kommt ja noch oben drauf. Aber mit Nick Foles haben sie zum Glück einen erfahrenen Ersatz. Er ist nicht einer der größten Quarterbacks, aber er ist solide. Und eigentlich leben die Eagles ja auch von ihrer Defense.

Können die Eagles die scheinbar übermächtigen Patriots mit ihrer Verteidigung besiegen?

Es gibt diesen Spruch: Die Offense gewinnt Spiele, die Defense gewinnt Meisterschaften. Das Problem ist nur, dass auf der anderen Seite die Patriots stehen. Die sind immer für eine Überraschung gut. Und auch deren Defense hat sich im Laufe des Jahres wahnsinnig gesteigert.

Wie kann man New England denn schlagen?

Wenn die Eagles zur Pause führen sollten, müssen sie darauf achten, dass sie auch in der zweiten Halbzeit einen Spielplan haben, der für die Patriots ein paar Überraschungen bringt. Es gibt aber keinen Coach auf der Welt, der es so wie Belichick beherrscht, in der Halbzeit solche Verbesserungen vorzunehmen und sich auf den Gegner einzustellen. Die Patriots schaffen es jedes Mal, nach der Halbzeit rauszukommen und auf einmal ein ganz anderes Team zu sein. Das haben sie im vergangenen Super Bowl bewiesen und auch zuletzt gegen die Jaguars.

Was wäre Ihr Traumfinale gewesen?

Ich hätte mir persönlich gewünscht, dass die Jaguars gegen die Minnesota Vikings im Super Bowl stehen. Aus Sicht der Fans ist die jetzige Final-Konstellation aber sehr gut. Es hätte nur noch getoppt werden können, wenn die Patriots als amtierender Champion gegen die Vikings gespielt hätten, die als erstes Team einen Super Bowl im eigenen Stadion hätten spielen können.

Was ist der Reiz des diesjährigen Super Bowls?

Die Geschichte ist ganz klar, dass mit New England der Titelverteidiger und absolute Favorit gegen den totalen Underdog aus Philadelphia spielt. David gegen Goliath. Das ist für eine Fernsehübertragung immer hervorragend.

Sie moderieren ja auch wieder aus dem Stadion. Wie ist es, bei solch einem Ereignis live dabei zu sein?

Ich moderiere den Super Bowl jetzt zum achten Mal. Es ist jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist egal, in welcher Stadt du bist. Die Stimmung im Stadion, die Halbzeitshow und alles, was vor und nach dem Spiel passiert, ist Wahnsinn. Für mich als ehemaligen Footballspieler ist es natürlich nochmal einer oben drauf.

Kann man den Super Bowl mit einem anderen Sportereignis vergleichen?

Das ist echt schwer. Das ist so eine Art jährliches Endspiel wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Dem kommt es am ehesten gleich. Nach Minneapolis werden etwa 120000 Menschen in die Stadt kommen. 70000 sind im Stadion. Und dann kommen nochmal 50000, die einfach nur feiern wollen. Sie versetzen die Stadt in einen Ausnahmezustand. Und das hast du sonst eigentlich nur bei einer Fußball-WM.

Bei den Fernsehübertragungen erklären Sie die Football-Regeln für Neulinge immer sehr ausführlich. Wie schaffen Sie es, nicht zu viel zu erklären?

Die Schwierigkeit ist, die Balance zu halten. Man darf nicht zu viel erklären, wenn du Zuschauer hast, die Football kennen und jahrelang verfolgen. Aber auf der anderen Seite gibt es auch Zuschauer, die Football vielleicht zum ersten Mal sehen. Dann musst du versuchen, Erklärungen mit einzubauen, auch wenn es alle anderen nervt. Es ist eine Gratwanderung.

Wie lässt sich der NFL-Hype in Deutschland erklären?

Der erste Punkt ist, dass wir die Art der Übertragung komplett geändert haben. Ein Kommentator und ein Experte sitzen im Studio und reden über das Spiel. Dazu haben wir eine richtige Twitter-Gemeinde. Das war eine mutige Entscheidung von uns, es so zu machen. Das hat sich absolut gelohnt. Denn dadurch hat die exotische Sportart Football einen gewissen Fan-Kult erreicht. Sie schmücken ihre Wohnung, besorgen sich etwas zu essen und schauen gemeinsam die Spiele.

Und der zweite Punkt?

Der zweite Teil des Erfolges liegt in der Sportart selber. Football war bisher relativ unbekannt. Auf einmal macht eine Sportart Mode und wird von den Leuten so angenommen. Auch die Vereine haben einen Zulauf, gerade in der Jugend. Es ist ein bisschen vergleichbar mit Darts, nur größer.

Ist so ein Hype bei einer anderen Sportart auch denkbar?

Nein, das glaube ich nicht. Football ist da schon eine extrem exotische Sportart. Es gibt relativ wenig Spiele, wodurch jedes Spiel wichtig ist. Und bei den Playoffs gibt es anders als zum Beispiel beim Basketball nur dieses eine Spiel. Das macht den Reiz am Football aus.


Jan Stecker

Geboren am 2. Januar 1960 in Bergneustadt. Bis 1995 spielte er bei den Cologne Crocodiles auf der Position des Tight Ends und des Quarterbacks. Danach begann er seine Fernsehkarriere beim DSF, wo er Spiele der World League of Football moderierte. Weitere Stationen waren unter anderen kabel eins, Sat1 und ProSieben Maxx, wo er seit 2012 als Experte und Moderator die NFL-Übertragungen kommentiert.