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11.07.2017, 12:35 Uhr WECHSEL ZU BOCHUM

Atalan verlässt Lotte: Der Trainer ist kein Verräter

Kommentar von Michael Jonas

Abschied: Ismail Atalan (links) und Lottes Fußballobmann Manfred Wilke. Foto: MrugallaAbschied: Ismail Atalan (links) und Lottes Fußballobmann Manfred Wilke. Foto: Mrugalla

Lotte. Ismail Atalan verlässt die Sportfreunde Lotte und unterschreibt beim Zweitligisten VfL Bochum. Eine Entscheidung, die überraschend kommt, aber nicht zu verurteilten ist. Dazu ein Kommentar.

Die Sportfreunde Lotte verlieren ihren Sympathieträger. Dass Ismail Atalan elf Tage vor dem Saisonstart den Drittligisten verlässt, kommt überraschend. Schließlich hat er erst Mitte Juni seinen Vertrag nach langem Hin und Her und vielen Unklarheiten um zwei Jahre verlängert. Zu verurteilen ist die Entscheidung des Fußball-Lehrers nicht. Atalan hat immer mit offenen Karten gespielt. Sein Streben war darauf ausgerichtet, bei einem höherklassigen Club zu trainieren. Das hat er sich vertraglich festschreiben lassen.

Der 37-Jährige ist kein Verräter. Seit Trainingsbeginn wirkte er oft nachdenklich. Die Entscheidung, in Lotte zu bleiben, war eher eine Entscheidung für die Familie, als für den Verein. Atalan ist gerade zum dritten Mal Vater geworden und hat sich ein Haus in Senden gebaut. Heimatverbunden ist er, das hat er immer betont.

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Er hat aber auch gesagt, dass er für seinen Beruf ein Engagement in der Ferne in Kauf nehmen werde, dass die Familie hinter ihm stehe. Dieser Zwiespalt machte ihm zu schaffen. Angebote gab es offensichtlich genug. Nürnberg, St. Pauli, Regensburg, Darmstadt, Bielefeld, Aue – all das waren Vereine, die zumindest den Namen des Lotter Trainers auf dem Zettel hatten.

Atalan war der richtige Mann für die Sportfreunde. Er formte aus einem bei seinem Amtsantritt mittelmäßigen Regionalligisten einen guten Drittligisten. Und er verhalf Lotte zu einer medialen Aufmerksamkeit, die niemand erahnen konnte. Die großartigen Pokalerfolge machten den Klub und die Gemeinde Lotte zu einem bundesweiten Thema.

Skepsis am Anfang

Jetzt muss der Verein handeln und schnell einen neuen Mann präsentieren. Als Obmann Manfred Wilke im Januar 2015 mit Atalan den neuen Trainer präsentierte, überwog die Skepsis. Doch es war eine goldrichtige Maßnahme. Genau wie die, zu Beginn der Regionalligasaison 2008/09 Maik Walpurgis als Trainer zu holen. Dem Coach wurde genau wie Atalan ermöglicht, seine Fußballlehrer-Lizenz zu erwerben. Auch Walpurgis wollte in den großen Fußball. Er hat den Schritt geschafft mit dem Weg zum FC Ingolstadt.

Lotte viel zu verdanken

Beide haben Lotte viel zu verdanken. Atalan muss jetzt beweisen, dass er ein Mann für höhere Aufgaben ist. Zuzutrauen ist ihm das allemal. Aber was macht Lotte? Namen geisterten bereits durch die Fußballgemeinde, als der Abschied des Trainers gerade bekannt geworden war. Daniel Thioune vom VfL Osnabrück soll ebenso im Gespräch sein wie Marco Antwerpen von Viktoria Köln. Selbst der Name Claus-Dieter Wollitz ist ein Thema. Lottes starker Mann Wilke wird sich seine Gedanken gemacht haben. Er ist kein Mann übereilter Entscheidungen. Ein gutes Händchen ist ihm zu wünschen - wie in der Vergangenheit. Lottes Los ist leider, dass der Verein Trainer verpflichtet, ihnen eine Chance gibt, eine Ausbildung ermöglicht und dann wieder abgegeben muss. Aber das spricht auch für die Sportfreunde.


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