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Startelf-Debütant Engel trifft Lottes Notelf dreht 0:1 in 2:1 - und vertreibt alle Zweifel

Von Christian Detloff

Die beiden Lotter Torschützen: Moritz Heyer (links) und Dennis Engel. Foto: Manfred MrugallaDie beiden Lotter Torschützen: Moritz Heyer (links) und Dennis Engel. Foto: Manfred Mrugalla

Lotte.  Mit einer Notelf, die letztlich diesen Namen so rein gar nicht verdient hat, drehte der Fußball-Drittligist Sportfreunde Lotte im Heimspiel gegen den FSV Zwickau einen 0:1-Rückstand noch in einen verdienten 2:1-Heimsieg. Auf den großen Kampfgeist, die tolle Moral und Treffer der Youngster Dennis Engel und Moritz Heyer folgten Jubel und Erleichterung: Mit dem Ende der Negativserie von sieben sieglosen Spielen ist den Sportfreunden der Klassenerhalt nur noch rein rechnerisch zu nehmen.

Personelles/Besonderes: Die Sportfreunde gehen arg ersatzgeschwächt in die Partie. Bei Lotte hat sich Alexander Langlitz im Abschlusstraining eine Zerrung zugezogen. Tim Wendel meldete sich am Morgen des Spiels mit einer Grippe ab. Zudem setzt André Dej wegen körperlichen Rückstands wie am Mittwoch im Westfalen-Pokal-Viertelfinale (2:0 beim FC Gütersloh) aus. Dennis Engel feiert seine Startelf-Premiere in der 3. Liga. Dennis Brock und Marcel Kaffenberger ersetzen Wendel und Dej. Nico Neidhart wechselt in der Viererkette die Seite, Phillipp Steinhart rückt dafür zurück und agiert als Linksverteidiger. Jaroslaw Lindner (eigentlich ein Außenstürmer) spielt, von Engel und Kevin Freiberger flankiert, im Angriffszentrum. Alle etatmäßigen Mittelstürmer (Sané/Tankulic – Rosinger ist bekanntlich verletzt) sitzen zunächst auf der Bank. In der Reserve befinden sich angesichts der Personalknappheit beide Ersatzkeeper und ansonsten kein defensiv orientierter Akteur. Der Rasen wird vor dem Anstoß noch einmal gewässert. Die Zeiten, in denen Lotte über einen (zumindest annähernd) trockenen Rasen froh gewesen wäre, liegen noch nicht lange zurück ...

Erste Halbzeit: Den ersten Warnschuss geben die gleich präsenten Lotter durch Kevin Freiberger ab (6. Spielminute). Spielbestimmend, das ist der Kontertaktik der Sportfreunde geschuldet, ist bald der Mitaufsteiger aus Sachsen. Morris Schröter prüft erstmals SFL-Keeper Benedikt Fernandez (10.), der wie angekündigt anstelle seines guten Vertreters David Buchholz ins Tor zurückkehrt. Im Gegenzug lupft Jaroslaw Lindner über das Zwickauer Gehäuse. Lindner ist es auch, der drei Minuten später auf Vorlage von Marcel Kaffenberger ins FSV-Tor trifft, allerdings aus Abseitsposition - also kein 1:0 (12.). Die Hausherren agieren trotz des Ausfalls von sechs Leistungsträgern keineswegs verunsichert. Doch dann trifft wie aus dem Nichts der Zwickauer Patrick Göbel nach einer Hereingabe von Nils Miatke, die Phillipp Steinhart  nur unzureichend abwehrt, mit einem unhaltbaren Flachschuss ins lange Eck zum 0:1 (18.). Die Lotter zeigen sich in den Folgeminuten ein wenig beeindruckt, die Ballverluste im Mittelfeld häufen sich, aber zunächst nicht die Chancen auf beiden Seiten. Der Kopfball von FSV-Stürmer Ronny König ist kein Problem für Fernandez (30.). Dann folgt der zu diesem Zeitpunkt etwas überraschende Ausgleich der einsatzfreudigen Sportfreunde: Marcel Kaffenberger setzt Phillipp Steinhart auf dem linken Flügel ein. Dessen flache Hereingabe verwertet der junge, von Beginn an selbstbewusst agierende Engel entschlossen aus gut sechs Metern zum 1:1 (43.) - sein erster Ligatreffer für SFL im dritten Saisoneinsatz und der erste Ligatreffer seines Teams nach 707 Spielminuten. Kurz vor dem Pausenpfiff vergibt Jonas Nietfeld noch die Chance zur erneuten Gästeführung.

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Zweite Halbzeit: Beide starten unverändert. Die drei Zwickauer Ecken zu Beginn bringen keine nennenswerte Gefahr. Nach einer Stunde humpelt der bis dahin ansprechend agierende Kaffenberger gestützt vom Platz, für ihn kommt mit Luka Tankulic ein offensiverer Akteur. Kaffenberger ist vermutlich eine Achillessehne gerissen, was sein Saisonende bedeuten würde. Die Sportfreunde halten den Gegner mittlerweile geschickt vom eigenen Tor fern. Dann nimmt das Duell so richtig Fahrt auf. Tankulic vergibt mit einem härteren Schuss aus der Mitteldistanz die erste Chance der zweiten Hälfte (65.). Mit einer Glanztat lenkt Fernandez einen Schuss von Robert Koch noch um den rechten Lotter Pfosten (68.). Auf der Gegenseite hätte Lindner auf Vorlage von Engel freistehend aus neun Metern für die Führung sorgen müssen - auch Johannes Brinkies pariert hier bärenstark (69.). Lotte lässt nicht locker - und wird belohnt. Tankulic, der mit seiner Einwechslung enormen Schwung mitbringt, legt dem nächsten Youngster, Moritz Heyer, das 2:1 (82., Kopfball) auf. Die lange zurückhaltenen Zuschauer sind nun begeistert, die Führung ist mittlerweile verdient. Die Lotter bringen den Vorsprung sicher über die Zeit, tanzen nach Abpfiff im Kreis und feiern mit den Anhängern den fast sicheren Klassenerhalt. Fünf Spiele vor Schluss beträgt der Vorsprung auf den SC Paderborn auf dem ersten Abstiegsrang zwölf Punkte, dazu kommt das eindeutig bessere Torverhältnis. 

Beste Spieler: Engel, Lindner, Tankulic/Miatke, P. Göbel.

Fazit: Mit dieser Leistung des so deutlich ersatzgeschwächten und in den vergangenen Wochen auch ergebnismäßig gebeutelten Lotter Teams war nicht zu rechnen. Dabei sind es diesmal nicht in erster Linie die verbliebenen Leistungsträger in der Elf, sondern eher die nachgerückte zweite Reihe, die den Bärenanteil am Erfolg mit einer überzeugenden Mannschaftsleistung trägt. Lottes Taktik, zunächst vorsichtig zu agieren und auch nach dem Rückstand nicht Tür und Tor zu öffnen, zahlt sich aus. Am Ende gibt die stärkere Willensleistung den Ausschlag.

Alles über die Sportfreunde Lotte findet sich hier >>

Das sagen die beiden Trainer:

Ismail Atalan,  Sportfreunde Lotte: „Mit dieser Wucht in der zweiten Halbzeit trotz der ganzen Ausfälle bin ich gegen einen super Gegner sehr zufrieden. Ich war auch ruhig, als wir zurücklagen. Die Spieler, die erstmals so viel Verantwortung übernehmen mussten, haben es richtig klasse gemacht. Keine Mannschaft kann sich doch in dieser Liga erlauben, sechs Leistungsträger zu ersetzen. Deshalb konnte ich auch Pfiffe einzelner Zuschauer nicht nachvollziehen. Das war sehr wahrscheinlich der Klassenerhalt heute. Das ist für beide Mannschaften in dieser brutalen Liga ein Riesending. Dass ausgerechnet Dennis Engel zum 1:1 traf und ein Riesenspiel machte, ist einfach klasse. Er war zuvor kaum im Kader, hat aber nie den Kopf hängen lassen. Mir hat gefallen, dass Dennis so ein Sturkopf ist. Alle haben sich in den letzten Wochen viele Gedanken um unsere Verfassung gemacht. Da war Dennis nicht befleckt von. Es war letztlich nur eine Frage der Zeit, wann er mal von Beginn an spielt. An so einen wie Dennis kommt man als Trainer einfach nicht vorbei. Das Tor war typisch für ihn. Er ist einfach nicht zu bändigen. Auch die ganzen anderen 22- und 23-Jährigen bei uns haben voll überzeugt.“ 

Torsten Ziegner, FSV Zwickau: “Lotte hat über 90 Minuten mehr investiert. Wir haben nicht so viel investiert wie in den letzten Wochen. Lotte ist zunächst besser ins Spiel gekommen, nach gut 15 Minuten haben wir stärker Zugriff gekriegt und gleich das 1:0 gemacht. Dann haben wir aber aufgehört, aktiv zu bleiben. Wir waren auch in den Zweikämpfen nicht griffig genug. Wir sind nicht sonderlich glücklich, den möglichen Punkt hier verpasst zu haben. Wir hatten zwar keine Totalausfälle, von vielen kam aber gefühlt ein kleines Stück weniger als sonst. Es fehlte die gewohnte Akribie im Spiel gegen den Ball, in den Zweikämpfen und die gewohnte Leidenschaft für lange Wege. Es hat sich auch gezeigt, dass wir im Mittelfeld einen Mike Könnecke in der Form der vergangenen Wochen nicht einfach so ersetzen können. Dennoch bleibt der frühzeitige Klassenerhalt für uns ein Riesending. Und wenn ich schon ein Spiel verlieren muss, dann doch am liebsten gegen meinen Trainerkollegen Isi.“

Hier findet sich der Liveticker zum Nachlesen >>


Sportfreunde Lotte - FSV Zwickau 2:1 (1:1)

Sportfreunde: Fernandez - Neidhart, Rahn, Nauber, Steinhart - Heyer, Brock, Kaffenberger (60. Tankulic) - Engel (84. Sané), Lindner, Freiberger.

FSV Zwickau Brinkies - Schröter, Wachsmuth, Acquistapace, Lange - P. Göbel, Frick, R. Koch, Miatke (84. Juhar) - Nietfeld (82. Genausch), König (59. Öztürk)

Bei Lotte auf der Bank: 1 Buchholz (ETW), 33 Zummack (ETW),  7 Hettich, 17 Granatowski, 14 Schikowski.

Bei Zwickau auf der Bank: 21 Unger (ETW, ehemals beim VfL Osnabrück), 2 Wolf, 22 Berger, 24 Hodek.

Zuschauer: 1893 (davon rund 400 aus Sachsen).

Tore: 0:1 P. Göbel (18.), 1:1 Engel (43.), 2:1 Heyer (82.)

Gelb: Engel (39.), Lindner (66.), Freiberger (88.)/Acquistapace (22.), Wachsmuth (67.).