Wie Ukrow neuer Fußballlehrer Wormuth zollte SF-Lotte-Trainer Atalan „größten Respekt“

Von Christian Detloff


Neu-Isenburg. Vor knapp neun Jahren war Ismail Atalan zur eigenen Überraschung Fußballtrainer geworden. Er kam damals beim Kreisligisten 1. FC Gievenbeck gewissermaßen zu diesem Job „wie die Jungfrau zum Kind“. Entsprechend stolz war der 36-Jährige, als er am Montagabend ebenso wie Alexander Ukrow vom VfL Osnabrück die Urkunde zum Fußballlehrer erhielt.

„Das zeigt mir, dass meine bisherigen Erfolge kein Zufall waren. Bei allem Stolz kann ich versprechen, so bodenständig zu bleiben, wie ich damals in  Gievenbeck war“, sagte Atalan bei der DFB-Gala in Gravenbruch.

Frank Wormuth, Leiter der Fußballlehrerausbildung an der Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB, sieht den Meistermacher des Drittligisten Sportfreunde Lotte als „besonderen Fall im positiven Sinne“. Mit der Doppelbelastung nach dem Drittliga-Aufstieg und als bundesweit von den Medien gefragter Coach eines DFB-Pokal-Viertelfinalisten „hatte Ismail Stress pur“, so Wormuth, „als junger Trainer mit Spaß am Job hat er das locker weggesteckt. Er war immer da. Wir mussten Ismail, der als angenehmer Mensch allen Lernstoff aufgesaugt hat und dazu immer eine eigene Meinung kundtat, nie unterstützen. Dafür zolle ich ihm meinen größten Respekt.“

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Der 36-jährige Vater gestand, dass die zehnmonatige Ausbildung in Hennef „verdammt anstrengend“ war – „ein Riesenballast“. Insbesondere das Familienleben sei viel zu häufig zu kurz gekommen. „Ich danke meiner Frau Fehima von Herzen, die Riesiges geleistet hat. Ebenso meine Brüder und Schwestern, ohne die ich es ebenfalls nicht geschafft hätte“, sagte Atalan. Auch dem Trainer- und Funktionsteam in Lotte zollte er Komplimente: „Es hat sich bewiesen, wie gut wir uns ergänzen. Sie haben mich stark unterstützt. Mit war vorher nicht so bewusst, wie wichtig Loyalität untereinander ist.“

Einen ähnlichen Dank an Familie und Verein richtete Ukrow, der Leiter des Juniorenleistungszentrums des VfL. „Es war eine höchst intensive und interessante Zeit, die richtig bereichernd war“, sagte der 47-Jährige, der sich blendend verstanden habe mit Atalan und den übrigen 23 erfolgreichen Teilnehmern, zu denen auch Ex-VfL-Profi Andreas Golombek zählt. 

„Als Ex-Profi kennt man unheimlich viele Bausteine des Fußballs. Wir haben in den letzten zehn Monaten gelernt, diese zum großen Ganzen zusammenzusetzen“, so Ukrow, der nach Joe Enochs (2014) und Daniel Thioune (2016) der dritte Fußballlehrer im VfL-Trainerteam ist.

Gelobt wurde auf der Gala auch Helmut Kalthoff, ehemaliger Funktionär des VfL. Kalthoff fördert mit seiner gleichnamigen Stiftung seit 2012 Teilnehmer des Fußballlehrer-Kurses, die keine Ex-Profis sind, und zahlt ihnen die Hälfte der Teilnahmegebühren. „Vielen Dank, dass Sie junge Trainer unterstützen – auch finanziell“, betonte Wormuth. Dieses Mal profitierte Atalan. Der sagte: „Ich finde es richtig klasse, dass so anerkannt wird, dass Trainer nicht zwingend hochklassig gespielt haben müssen, um das Zeug zum Fußballlehrer zu haben.“