Sportfreunde Lotte zu Gast in Osnabrück Ein ganzes Dorf ist ein bisschen traurig – Fan-Aktion klappt nicht


Osnabrück. Ein ganzes Dorf ist ein bisschen traurig. Lotte, mit großen Hoffnungen zum Nachbarschaftsduell nach Osnabrück gefahren, muss eine bittere 0:3-Niederlage einstecken.

An der Bremer Brücke wird die Hymne der Sportfreunde Lotte gespielt. Zwar lange vor Beginn, aber eine nette Geste. „Der Stolz des Kreises Lotte“, „Lotte fanatics Hengelo“, „Wellenbrecher 12“, „Lotter Jungs“ – das Aufgebot an teilweise noch jungen Fanklubs und die größte Wanderung der Fans aus dem Tecklenburger Land ruft auch den Respekt bei den meisten VfL-Anhängern hervor. „Hurra, ein ganzes Dorf ist da“, steht auf den Shirts, die Lotte mit dem Ticketverkauf angeboten hat. Viele der rund 1500 Lotter Fans drücken so im Gästeblock und in anderen Bereichen ihre Verbundenheit mit den Sportfreunden aus.

Fans freuten sich auf das Duell

Cuong Tu war 1984 das letzte Mal im Stadion. „Als wir neu in der Stadt waren, hat uns der Verein eingeladen. Das war eine sehr schöne Willkommensgeste. Wir haben uns sehr gefreut“, sagt der Vietnamese, der 1979 als Flüchtling nach Osnabrück gekommen war. Heute lebt der 43-Jährige in Australien und verfolgt den VfL auch vom anderen Ende der Welt. „Wir gewinnen 2:1 und feiern das auf der Lila-Weißen Nacht“, ist sich Cuong Tu vor dem Spiel sicher. Er hat übrigens eine lebenslange Dauerkarte, die er endlich nutzen kann.

„Der VfL ist mein Verein und gewinnt 1:0“, sagt Jonas Bergmann. Der deutsche Meister im Schwimmen über 50 m-Schmetterling und Vizemeister über 100 m Freistil wird vor dem Spiel ebenfalls in einem kurzen Interview vorgestellt.

Riesenstimmung an der Bremer Brücke

Lotte macht den obligatorischen Mannschaftskreis, die VfL-Spieler klatschen sich ab. Eine Riesenstimmung an der Bremer Brücke. Ein Fußballfest zwischen zwei Rivalen, die nur zehn Kilometer voneinander entfernt sind, und doch durch eine Landesgrenze getrennt. Und in der Tabelle zwei Plätze – vor dem Spiel. Zwei Lotter Chancen innerhalb von zwei Minuten erwärmen den Sportfreunde-Anhang, der eng zusammengerückt auf der Gästetribüne steht. Auch das wärmt. Doch nach einer Viertelstunde die Ernüchterung. Kwasi Okyere Wriedt bringt den VfL in Führung. Und der Spieler bereitet auch das 2:0 vor, das Halil Havran mit der Hacke erzielt. Das hat sich das Dorf anders vorgestellt. Dennoch sehen die Lotter ein interessantes, intensives und zeitweise hartes Nachbarschaftsduell mit Möglichkeiten auf beiden Seiten. (Zum Spielbericht)

Tobias Willers lobt Lotte

Das sieht auch der gesperrte VfL-Abwehrspieler Tobias Willers so, der sich zur Halbzeit äußerst. „Die Tore des VfL kamen gegen eine starke Lotter Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt. Hätte mir vor fünf Jahren jemand erzählt, dass Lotte diese Entwicklung nimmt, hätte ich das nicht geglaubt“, meint Willers im Pausengespräch mit dem NDR.

Fan-Aktion klappt nicht

Nur mit ihrer Choreografie müssen die Lotter Fans noch üben. Zehn Minuten nach der Pause sollen wohl Plakate mit dem Schriftzug „Hurra, das ganze Dorf ist da“, entrollt werden. Die Aktion wird abgebrochen und scheitert. Irgendwie ist der Wurm drin. Egal. Auch die Mannschaft schafft es nicht. Lotte muss eben noch lernen. Dass es Fans und Mannschaft überhaupt soweit geschafft haben, verdient allemal Anerkennung. Und die Leistung des VfL sowieso, der in der Schlussphase noch höher gewinnen kann als 3:0. Die VfL-Fans singen: „Oh, wie das schön…“


0 Kommentare