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200000 Euro Trost SF Lotte hält gegen Leverkusen vor Großkulisse lange mit

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Lotte. Die erhoffte Sensation hat Fußball-Regionalligist SF Lotte in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen verpasst. Doch verkaufte sich die Sportfreunde-Elf von Coach Ismail Atalan beim 0:3 (0:1) am Samstagnachmittag überraschend teuer.

Von Michael Jonas und Christian Detloff

Im zweiten Lotteraner DFB-Pokalspiel seit 2009 – damals unterlag die Elf von Trainer Maik Walpurgis dem Bundesligisten VfL Bochum nach starkem Widerstand mit 0:1, wussten die drei Spielklassen tiefer angesiedelten Gastgeber erneut zu überzeugen. Die Niederlage fiel letztlich um ein Tor zu hoch aus.

Kein neuer Zuschauerrekord in Lotte

5466 Zuschauer sorgten im fast ausverkauften Sportpark am Lotter Kreuz für eine prima Stimmung. Kein Wunder angesichts der bislang zweitgrößten Kulisse der Sportfreunde. Vor 26 Monaten hatten 500 Zuschauer beim Relegations-Rückspiel der Regionalliga-Meister gegen RB Leipzig (2:2) – am Montag beim von Walpurgis trainierten VfL Osnabrück zu Gast – mit 5500 Zuschauern für einen Rekord gesorgt.

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Lotte zunächst ohne Reisnger, aber in gewohnter Taktik

Atalan nahm gegenüber dem überzeugenden 2:0 beim Saisonauftakt in der Regionalliga gegen die U23 des FC Schalke 04 keine Änderung vor. Bernd Reisinger war nach überwundenen Rückenproblemen zwar wieder im Kader, nahm aber zunächst auf der Bank Platz. Auch in Sachen Taktik baute Atalan auf Bewährtes. Seine Elf trat mit dem klaren Vorhaben auf den Platz, den klaren Favoriten mit dem offensiven Pressing zu überraschen.

Was den Sportfreunden naturgemäß gegen den Champions-League-Aspiranten zunächst eher schwer fiel.

Leverkusen trifft mit der einzigen Chance der ersten Hälfte zur Pausenführung

Leverkusen agierte von Beginn an ballsicher – was angesichts des forschen Lotter Auftritts aber auch nötig war. Die erste Torchance gab es somit erst in der 15. Minute, sie bedeutete gleich die 1:0-Führung der favorisierten Gäste: Neuzugang Admir Mehmedi setze Linksverteidiger Wendell prima in Szene, der an Torwart Benedikt Fernandez vorbei Richtung Tor lupfte. Dort stand Mittelstürmer Stefan Kießling goldrichtig und schob mühelos ein.

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Sportfreunde in Rückstand ebenbürtig

Lotte schüttelte sich ein paar Minuten, um dann wieder mit Mut, Biss und einem stark aufgelegten Nico Granatowski den Vorwärtsgang einzuschalten. Von einem Klassenunterschied keine Spur. Semih Daglar traf mit einer Freistoßflanke aus aussichtsreicher Position in die Mauer der Leverkusener, die bis zur Pause nur noch das Nötigste taten, den Hausherren die Feldvorteile überließen und sich mit ihren wenigen Kontern immer wieder in der gut sortierten SFL-Abwehr mit dem gewohnt souveränen Jeron Al-Hazaimeh (27.) festliefen. Die Gastgeber agierten stellenweise sogar übermotiviert: Der glänzend aufgelegte Alexander Hettich, Kevin Freiberger und Alexander Langlitz sahen in der ersten Hälfte die Gelbe Karte. Auch die Bayer-Elf mit dem weitgehend blassen türkischen Nationalspieler Hakan Calhanoglu agierte in der Rückwärtsbewegung nicht zimperlich, doch zunächst erhielt nur Roberto Hilbert eine Verwarnung.

Nach der Pause gleiches Bild: Bayer effektiv im Umgang mit Chancen

Atalan reagierte. Für den aktiven, aber nicht immer glücklichen Daglar kam mit dem Wiederanpfiff der nach Rückenproblemen wieder genesene Offensivtank Bernd Rosinger ins Spiel. Lotte suchte offensiv seine Chance, doch wieder war die Bayer-Elf effektiv. Lottes Keeper Benedikt Fernandez eilte Mehmedi entgegen, und der neue Leverkusener Flügelspieler kam beim Zusammentreffen zu Fall. Dr. Martin Thomsen zeigte auf den Elfmeterpunkt, eine umstrittene Entscheidung. Calhanoglu ließ Fernandez keine Chance, traf aus Keeper-Sicht knallhart in die rechte untere Ecke – 0:2 (55.).

Leverkusen verwandelt auch zweiten Strafstoß

Die Hausherren ließen sich nicht entmutigen. Nach einem Angriff über Freiberger und Rosinger hatten die Sportfreunde-Fans den Torschrei auf den Lippen (65.). Für den nach großem Engagement erschöpften Tim Wendel brachte Atalan den jungen Dennis Brock ins Spiel (72).

Nach 77 Minuten die Entscheidung: Der gewohnt zweikampfstarke Tim Gorschlüter zog als letzter Mann im Strafraum den eingewechselten Robbie Kruse am Trikot. Thomsen zückte nach dieser Notbremse die Rote Karte. Den Strafstoß verwandelte Lars Bender ähnlich wie zuvor Calhanoglu souverän.

SF Lotte verpasst gerechten Ehrentreffer

Alexander Langlitz scheiterte in der 83. Minute an Torwart Bernd Leno, dem der Ball ins Gesicht prallte. Nach kurzer Behandlungspause musste der U21-Nationalspieler vom Feld. Für ihn kam Dario Kresic in die Partie (86.). Und der zeichnete sich bei einem beherzten Schuss von Granatowski gleich aus (87.).

Einen Ehrentreffer hätten die Lotter allemal verdient gehabt. So müssen sie sich mit der Rekordkulisse nach einer guten Vorstellung mit der stolzen Pokaleinnahme von rund 200000 Euro trösten. Es gibt wahrlich Schlimmeres.

SF Lotte: Fernandez (86. Kresic) – Langlitz, Nauber, Al-Hazaimeh, Latkowski – Wendel (72. Brock), Hettich (53. Dej), Gorschlüter – Granatowski, Daglar (46. Rosinger), Freiberger.

Bayer 04 Leverkusen: Leno – Hilbert, Papdopoulos, Tah, Wendell – Kramer, Bender – Calhanoglu (74. Kruse) - Bellarabi, Kießling, Mehmedi (62. Brandt).

Tore: 0:1 Kießling (15.), 0:2 Calhanoglu (55., FE), 0:3 L. Bender (77., FE).

Zuschauer: Rund 5500 (fast ausverkauft).

Schiedsrichter: Dr. Martin Thomsen aus Kleve, attestiert von Tobias Reichel (Sindelfingen) und Thomas München (Rielasingen).

Gelbe Karten: Hettich, Freiberger, Langlitz/Hilbert.

Rote Karte: Gorschlüter (Lotte/77.) wegen Notbremse.


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